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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1899-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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— 56 Parallele zwischen dem Mummenschanz und Maskenscherz des modernen Karnewais einerseits, und den analogen Ge brauchen des altjüdischen Purimfestes andererseits, eine Parallele, die zu dem religions-philosophisch bedeutsamen Ergebnisse kam. dass so grundverschieden in ihrer Ent stehungsgeschichte diese Gebräuche auch von einander seien sie doch den gleichen Neigungen und Regungen der Volks seele ihren Ursprung verdanken dürften. An einem späteren Abend bot uns Br. Dr. Werner in meisterhafter Form eine kulturhistorische Studie über die Art der Kleidung im alten Judäa und zeigte uns dieser Vortrag, dass — wenn schon damals vor 2000 Jahren Logenstiftungsfeste abgehalten worden wären — unsere Ur-Urschwestern von damals, hinsichtlich Schönheit. Anmuth und Grazie der Toiletten schwerlich hinter ihren modernen Urenkelinnen vom 19 März 189Q zurückgeblieben-wären. — Ausser dem einen Vertreter der theologischen Fakultät, den wir unter den Brüdern zählen waren es 4 Vertreter der medizinischen Wissenschaft, sowie unser Br. Oskar Tietz. die uns an ."> verschiedenen Abenden Vorträge und Referate erstatteten, wie sie besser dem Logenwesen angepasst, anregender und belehrender wohl keine andere Loge des Distriktes in einer Saison gleichzeitig dürfte autweisen können. Eine akute Frage, besonders wichtig für alle Brüder, die heranwachsende Söhne . besitzen, be handelte Br. Tietz in seinem Vortrag „Ueber die Berufswahl unserer Söhne*. In treffenden Worten schilderte der Referent die vielfach bei unseren Glaubensgenossen vorherrschende Unsitte, die zukünftige Lebenslaufbahn des Kindes, unab hängig von dessen Neigung und Veranlagung, durch Familien beschluss entscheidenzu* lassen, während der einsichtige Vater durch Beobachtung der Spiele und sonstigen Lieblingsbeschäftigungen des Kindes genügend Anhaltspunkte dafür gewinnen könnte, für welchen speziellen Beruf sein Kind veranlagt ist. .. - ' . Eine der düstersten Seiten unseres hiesigen jüdischen Proletariats entrollte uns Br. Dr. Feüchtwanger in s-einem Vortrage über .Mittel zur Verbesserung der hiesigen ■Armen- Krankenpflege'-', indem er uns in die Häuser jener Unglücklichen führte, bei welchen zu der gewohnten Sorge un das. tägliche Brot-auch noch das Elend durch die Erkrankung des Familienernährers seihen Einzug gefunden hat. '. n beweglichen Worten schilderte uns der Referent die allen hygienischen und sanitären Gesetzen spottenden Wohmitätten jener Armen, die Scheu der meist aus dem Osten stammen- ..den Flüchtlinge, die kommunale Armenpflege anztrufen, weil sie dadurch das Damokles-Schwert der' Ausw dsung heraufzubeschwören fürchten, und auf der anderen Sei e das unzureichende, unorganisirte Nebeneinanderwirken u iseier jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, die fast immer nui nach dem einen Rezepte verfahren, die Unglücklichen — % leichgültig ob ganz oder halb genesen — möglichst rasci von München wegzuexpediren; möge Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt sehen, wie es mit ihnen zurechtkomme. — Dass aber die München-Loge nicht jede caritativ; Anregung kritiklos in die That umsetzen soll, dass vielmehr derjalte Spruch: „PZrst wäge — dann wage" auf die Logenbestrebungen, mögen sie noch so ideal gedacht sein, doppelt und dreifach Anwendung finden soll^ — das bewies uns Br. Dr. Einhorn in seiner Beantwortung der Frage: „Ist die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in München ein Bedürfniss?" An der Hand der einschlägigen Verhältnisse zeigte uns der Referent, dass die jüdische Abtheilung des Allgemeinen Krankenhauses hinsichtlich Grösse und Be^ schaffenheit, ritueller Verpflegung und ärztlicher Behandlung auf Jahre hinaus alle gerechten 1 und billigen Ansprüche befriedige, dass die Errichtung eines kleinen jüdischen Asyls von 10—12 Betten aus erzieherischen und wissenschaftlichen Gründen unthunlich sei, dass aber an den Bau eines grossen jüdischen Krankenhauses erst dann gedacht werden könne, wenndie 2 Million Baargeld an den Montag Abenden in die Sammel-Büchsen unseres Bruders Wächters geflossen sei; die l. Million wollen wir ja bekanntlich zum Bau unseres eigenen Logenheims verwenden. — j Eine Fülle des Interessanten und Lehrreichen bot uns Br. Dr. Sielmann in seinem Vortrage über „das Yerhältniss der Bnei Briss-Logen zu den Freimaurerlogen", bot uns Br. Dr. Dörnberger in seinem Referate: „Ueber die körperliche Erziehung unserer Jugend, und wenn ich es mir versage, den Hauptinhalt dieser Vorträge hier zu skizziren, so geschieht es darum, weil ,der Inhalt der erst vor wenigen Wochen gehaltenen Vorträge den Brüdern und Schwestern noch gegenwärtig im Gedächtnisse haften dürfte. Mögen noch recht oft ähnliche, nützliche, segenstiftende Debatten und Referate in der Loge stattfinden! Mit diesem innigen Wunsche lassen Sie mich mein Kapitel über den l. Rath des Patriarchen, über die nützlichen und überflüssigen Debatten beschliessen!? Der zweite Rath Joseph s an seine Brüder lautete: „Machet unterwegs keine zu grossen, keine zu weitausholenden Schritte, weil sie vorzeitig den Wanderer ermüden und ihm die Lust und den Athem zum frischen Weiterwandern benehmen." Wenn ein Vorwurf gegen unsere Thätigke.it im abgelaufenen Termine nicht erhoben werden'kann, so ist es der, dass wir zu grosse, zu weitausholende Schritte unternommen haben. Vorsichtig tastend, ob der Untergrund genügend fundirt, wohlmeinend wägend, ob der eingeschlagene Pfad nicht in ein Labyrinth münden könnte, sind wir Schritt um Schritt vorwärts gegangen, und wenn je ein kühnerer Tourist aus unserer Mitte ein flotteres Marschtempo einzuschlagen anempfahl, so gab es>- ein unfehlbares Mittel hiergegen. Dasselbe lautet in der Logensprache: »Die Bedürfnissfrage ist noch nicht genügend geklärt." Aber trotzdem sind wir um einen erheblichen Schritt nach Vorwärts gerückt und haben in dem iureau für Arbeitsnachweis eine Institution begründet, um' die uns manche , deutsche Grossgemeinde beneidet, deren segensreiche Folgen für das Armenwesen in unserer Gemeinde unabsehbar sein dürften. Liebe Brüder, die Bnei 3riss-Logen kennen keinen Personenkultus; wenn aber im weiteren Verlaufe!unseres heutigen Festes den Organen der ^oge, welche die Geschäfte in mustergiltiger Weise geleitet haben — dem Beaijntenrath und den Ausschüssen — der wohlverdiente Dank ausgesprochen werden wird, dann drängt es mich, an dieser Stelle einen Bruder aus unserer Mitte zu nennen, dessen ureigenstes Werk der 'Arbeitsnachweis ist, - T ' den Bruder mit dem jugendlichen teurigen Herzen und dem gereiften, erfahrenen Verstände, den Bruder, der selten das Wort ergreift, wenn er aber spricht, stets den Nagel auf den £opf trifft: unsern Br. Adolf Fraenkel. Getreu dem Motto, mit dem er uns s. Z. zur Betheiligung an diesem eminent sozial-ethischen Werke einlud, getreu der Devise: ,..*■","'

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