Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1899-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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das alte Wort anschliessend^ nicht initzuhasseu, mitzuliebeu bin ich da, die Ideale des Ordens, wie auch die Bestrebungen der Anhalt-Loge, diesen Idealen nachzuleben, kennzeichnete. An der Hand von Thatsachen schilderte alsdann Br. Vicepräs. Rosen bäum in fesselnder und eingehender Weise"die Thätigkeit und Erfolge unserer kleinen Loge in den abgelaufenen zehn Jahren und erbrachte den Nachweis, dass' auch mit kleinen Mitteln Grosses geleistet werden körine, wenn nur echt brüderlicher Sinn die Triebkraft bilde. Nicht minder beifällig wurden die warmen Worte unserer deputirten Brüder aufgenommen, an die sich die Verlesung des herzlichen Schreibens der hochw. Gros'sloge, sowie der zahlreichen Glückwünsche der w. Schwesterlogen von Nah und Fern anschlössen. Das hierauf folgende Festessen erweckte sowohl ob seiner kulinarischen als geistigen Genüsse, die es bot, die früheste Laune der Theilnehmer, und der sich anreihende Ball mit seinen Ueberraschungen, unter denen besonders eine gesangliche Aufführung unserer Damen mit den von unserer Schwester Frau Klara Wolfenstein verfassten, humorvollen Einschaltungen jubelnden Erfolg erzielte, hielt Alle in fröhlicher Stimmung bis zum frühen Morgen beisammen. Unsere bisherigen Beamten sind einstimmig auch für deu kommenden Termin -wiedergewählt worden; nur an Stelle unseres bisherigen treuen Schriftführers Br/Baruch, der verzogen ist, wurde Br. Dr. Marcus mit diesem Amt betraut. Die feierliche Installation der Beamten erfolgte in letzter Sitzung -durch Br. Expräs. Blumenthal von der w. Germania- Loge in Halle, der zu unserer Freude von der hochw. Grossloge hiermit beauftragt worden war. Nachdem der w. Präs. Br. Dr. Freudenthal eine Lebersicht über die Arbeit der Loge im abgelaufenen Termin gegeben hatte, iustallirte Br. Blumenthal in würdiger Weise die erwählten Beamten, Wir sind damit in ein neues Logeujahr eingetreten, das, wie wir hoffen, sich in segensreicher We^se entwickeln wird. München-Loge in München. Bei der Feier unseres zweiten Stiftungsfestes erstattete Br. Siegmund Fraenkel folgenden Bericht: .Zu denjenigen Erzählungen, welche dem Menschen von der frühesten Kindheit bis an das Lebensende getreulich im Gedächtnisse zu haften pflegen, gehört die Geschichte von dem braven und frommen Joseph, der von seinen bösen und neidischen Brüdern nach Aegypten verkauft wird, dortselbst zu -höchstem Ansehen und Würden gelangt, seine Brüder, um Getreide bittend, vor sich treten sieht, bis er beim Wjedersehen mit dem jüngsten Bruder, von Rührung übermannt, den Brüdern in die Arme sinkt und sie unverzüglich aufbrechen heisst, um dem greisen, theuren, Vater in der Heimath die Freudenbotschaft zu bringen: „Noch lebt dein Sohn Joseph.' Die jüdische Tradition hat diese einfache, kindlich-schöne Geschichte mit einem unerschöpflichen Sagen- und Legendenkreis um woben, und durchflochten, und eine von diesen Legenden möchte ich hervorsuchen, um in ihr den Rahmen für den Rechenschaftsbericht zu finden, den ich heute Abend, am zweiten Wiegenfest unserer München- Loge, Ihnen erstatten darf: Als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gegeben und Letztere sich rüsten, um dem Vater nach Kanaan die frohe Kunde von dem wiederaufgefundenen, längst todt gewähnten Sohnezu überbringen, da soll Joseph — so berichtet die Tradition — seinen Brüdern drei Winke und Ratuschläge zur Beherzigung für die Rückreise mit auf den Weg gegeben haben. Und diese drei Rathschläge sie lauten: - „Beschäftigt Euch .nicht unterwegs^ mit unnützen und überflüssigen Diskussionen und Disputationen, weil sie unnöthig die Reise verlängern und nur Zwietracht (und Unfrieden unter Euch, Brüdern; säen könnten." Der zweite lautete: „Machet unterwegs'keine zu grossen, keine zu weit ausholenden Schritte, Weil sie 'vorzeitig den Wanderer ermüden und ihm die Lust und den Afhem zum frischen Weiterwandern benehmen." Und der dritte und letzte Rath lautete: „Bringet Sonnenlicht und Sonnenwärme in jede Stadt, in jedes Dorf, in welchen Ihr unterwegs rasten werdet." An der Hand dieser drei-Rathschläge des Patriarchen will ich es versuchen, unsere Thätigkeit im abgelaufenen Termine zu beleuchten. Der erste Rathschlag Josephs an;seine Brüder lautete: Beschäftigt Euch unterwegs nicht .mit .unnützen 1 und überflüssigen Diskussioneri und Disputationen, weil sie unnöthig . die Reise verlängern und nur Zwietracht und Unfrieden unter Euch, Brüdern, säen könrifen. Liebe Brüder, wir blicken heute auf unser zweites Arbeitsjahr, und damit auf einen nicht mühelos im gemeinsamen Wirken und .Streben zurückgelegten Weg; wenn wir uns aber die Frage _ vorlegerj, ob wir auf diesem gemeinsamem Marsche immerdar des Patriarchen' erste Mahnung beherzigt haben, so müssen wir ehrlich eingestehen, dass wir diesen Rath gar oft ausser Acht gelassen haben. Gewiss wird eine1 Vereinigung.die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, Israeliten zu vereinigen zur- Förderung der höchsten Interessen der Menschheit, eine Vereinigung, die uns all- "y mählich zur Bethätigüng der idealsten Güter der Ethik und der Humanität erziehen willgewiss wird eine solche Vereinigung nicht des zündenden W'orteV. nicht der überzeugenden Rede und Gegenredeentradien können. Aber ob auch immer der erzielte positive Erfolg mit den aufgewendeten rhetorischen Mitteln im harmonischen Einklang stand, wer von uns wollte diese Frage unbedingt bejahen. Und doch wollte es mich beim/Durchblättern der Protokolle unserer letztjährigen Logensitzungenbedünken,;als ob gar manche Debatte, die wir 's. Z, als überflüssig erachteten, 9Qh post festum als nutzbringend und fruchtbar erwiesen habe), als ob gar Manches schon für .verloren gegebene Saatenkg/n sich früher oder später noch in ein Thatunkorn umsetzen lasse, als ob gar manche Geistesschlacht; in welcher die Gegensätze aufs Heftigste aufeinanderplatztea mittelbar die Bruder- , liebe und die Freundschaft unter den Brüdern gefördert habe, weil sie zeigte, dass alle Brüder — wenn auch auf ver? schiedenen Wegen —< das eine Ziel: die Erhaltung, Stärkung j und Veredlung des. Judenthüms im Auge hatten. Allein, auch wenn wir von diesen' me-hr Iheöretischen- Debatten absehen, kann unser letztes Logenjahr mi^ Stolz auf eine Reihe namhafter, glänzender Referate und Diskussionen zurückblicken. Da war es in erster Reihe, der unermüdliche Vorsitzende des sozialen Ausschusses, Br^Dr. Werner,.^welcher' durch die Beantwortung zweier, unserem Fragekasten' zugeflogenen Themen die ungetheiUe Aufmerksamkeit der Brüder zu fesseln und von echtem und rechtem Logengeist durchwehten Antworten den Fragestellern zu ertheilen wuäste. An dem einen Abend zog Br. Dr: Werner eine hochinteressante