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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1899-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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f Veranlassung, die Ansprache des ßr. Adolph Mayer, die dieser in Krotoschin gehalten, hier im Auszuge wiederzugeben ..Meine Brüder! ' Die Loge, die heute an diesem Orte in'« Le* eu gfiuten wird, ist die erste, die mit ihrer Gründung dem Orden nur wenige neue Brüder zuführt, die eiste, deren Mitgliedr-r fast sämmtlich schon vorher dem Orden angehört haben. Es ist heute also keine Neuschaffung, die ich zu vollziehen habe, keine Grundsteinlegung eines erst werdenden Gebäudes, es ist nur eine Schlusssteinlegung. eine endgültige Vereinigung einzelner schon längst gleicheesinnter und voll denselben Grundsätzen beseelter Männer. Was bisher in hiesiger Stadt nur unkörperlich gelebt hat, tritt heute in schöner Körperlichkeit als ehrendes Zeugniss für die Lebenski aft unserer Gemeinschaft in das Leben, an das Licht. Desshalb beansprucht die heutige Gründung nicht weniger Bedeutung als andere, denn mit diesem Tage erhalten Sie hier die Möglichkeit, systematisch, mit geordneten Mitteln and geordneter Verwaltung, den hohen Piinzipien des Ordens gemäss zUm Wohle Ihrer Mitmenschen im Verein mit den Schwesterlogen zu wirken und Gutes zu rthun! Sie gründen heute hier eine Gemeinschaft, einen festeh Bund, auf dessen Schild die drei Worte: Wohlthätigkeit, Brüderlichkeit und Eintracht stehen, einen Bund, der sich nicht anders bethätigen soll und kann, als nach der Richtschnur, die Ihnen diese heiligen Grundsätze an die Hand geben. Ich habe heute nicht nöthig. Ihnen die Bedeutung jener drei Worte, die Bedeutung unserer Prinzipien zu erläutern. Sie sind ja fast alle schon vor dem heutigen Tage unsere Brüder gewesen und haben heute oder in der Eger-Loge gehört, wie gross und erhaben unser Ideal, dass auf diesen 3 mächtigen Grundpfeilern ruht, genannt werden muss; Sie wissen, dass diese Ideen die herrlichsteu sind, die wir kennen, vorausgesetzt, und das will ich lebhaft betonen, dass wir sie in Thateu umsetzen und nicht nur theoretisch mit ihnen prahlen. Nichts dient: mehr zur Förderung der höchsten Interessen der Gesanimtheit als die reinsten Grundsätze der Menschenliebe: Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht, wo und wie sie immer bethätigt werden! Wir können stolz darauf sein, dass sie auf unserem Banner erstrahlen, dass sie uns durch die Grösse ihres Inhalts und ihrer Bedeutung emporheben zu den höchsten und edelsten Gedankensphären, in denen keine selbstsüchtigen Regungen mehr Platz haben und unsere Herzen, trotz aller Noth und Verfolgung, freudig erregen. I I Aber wie gesagt, Sie alle kennen dasj; was uns zu unserem Handeln antreibt und was all unser Thun edelt, ich brauche nicht darauf einzugehen. Der heutige festliche Tag giebt zu anderen beisonderen Gedanken Veranlassung: Sie haben an die Grossloge den Antrag gerichtet, dass Ihre Loge den Namen unseres Herrscherhauses erhalteu möge, dass sie Hohenzollei n-Loge genannt werde. Dieser Antrag thut kund, dass sie sich als Deutsche fühlen, als Deutsche, die Ihrer Logen-Giündung den Namen des Fürstengeschlechtes beilegen, welches unser geliebtes Vaterland seit Jahrhunderten mit wohlwollender, gerechter und weiser Regierung zu der Höhe geführt hat, auf der es sich heute befindet. Wir sind Deutsche und sind stolz darauf, uns als solche zu bezeichnen. Wir sind keine Nation für uns, wir sind jüdische Deutsche. Deutsche nach jeder Richtung hin, nur verschieden von den anderen, durch unseren Glauben und unsere eigene Geschichte, Wir sind keine Fremdlinge n.ehr, die heimathlos von einem Lande der Erde zum anderen wandern uud überall ' gehasst uud verfolgt weiden, weil wir uns nothgedruugen absondern mildsten von Denen, die uns aufnahmen. Diese Zeiten. sind "für uns, Gott sei Dank, vor- *. *V — " * * # bei, heute hat Ahasver endlich die lang entbehrte Ruhe gefunden, die Irrenden fanden ein Vaterland. . *. Und unser Vaterland ist"Deut-schlaud und nirgend wo andeis in der Welt, denn', sagt Arndt mit herrlichen Worten: " „Wo dir Gott«s Senne zuerst schien, wo dir die Sterne des Himniels zuerst, leiichleten,'wo seine Blitze dir zuerst seine Allniaclit offenbarten und sein Stuimwind dir mit heiligen Schrecken durch die Seele brauste, da ist deine Liebe, da ist, dein Vaterland. Wo das erste Menschenaug' sich liebend über deine Wiege neigte, wo deine MütteV dich -zuerst mit Freuden auf dem Schoosse trug und dem Vater dir die Leinen der . Weisheit und des Gl*ubeos in's Herz grub, da ist deine Liebe.-da ist dein Vaterland!- Und wenn das Vatejland ruft, wer wird von uns Juden zurückbleiben, wer wird seihet I'fffcliten vergessen? Aul den Feldern Frankreichs ist auch .unser Blut* geflossen, auf diesen Feldern haben auch wir gekämpft ' und'.mitgeholfen an dem herrlichen, Bau des Reiches,- das sich nun über uns Allen wölbt, unser Hoit. unsere Hoffnung .und unser Stolz! Treue haben wir dem Vateilai.de gelobt, uid Liebe und Treue schulden wir auch unserem Henscherhause. Unsere Muttersprache ist die deutsche. Vom eisten Worte an, das wir als Kind gelallt, bis'zum 'letzten, «las wir als Greise unseren Lieben zum Abschied und zum Tröste sagen, kleiden wir Alles, was wir geliihlt umi gedacht,' was wir gewollt und beschlossen, in ^l^utsche: Worte. * Und was in deutscher Spfaipfc' gedichtet und "geschrieben wuide von erlauchten Geistern, i>f es. nicht auch uns ein theures Gut, giebt es uieht; anch un*t die höchste Freude und den reinslen Genuss? Wohl bleibt lür. uns die Bibel das Buch der Bücher, die uuveisjegüche Quelle der Erhebung und ein nie zu erschöpfender Schatz der Weisheit-. Aber giebt es einen gebildeten Juden, dem nicht Goethe und Schiller untrennbar an das Herz' gewachsen'/ *. Und wiet unser Vaterland deutssh ist; unsere Muttersprache, das Recht und Gesetz, unter dem wir leben, die Sitte und Sittlichkeit, so soll es auch unser Herz sein! Aber diese Loge hier w.ird nicht nur als eine Vereinigung Deutscher mit R«$it uud-mit Stolz den Namen des deutschen Kaiserhauses tragen, ^auch. als eine Gründung, die der Menschenliebe und dei' Toleranz "dient, «darf sie dieseu Namen führen, denn dieses Herrscherhaus ist von Anfang an, an Duldung und Milde fei«, leuchtendes Beispiel gewesen. Der preussische .Staat ist gross, geworden durch die Toleranz seiner Fürsten. Dadurch, dass er im Innern nicht von fanatischen Parteiungen zerrisseu wui.de uud alle Religionen und Konfessionen nebeneinander sich entwickeln und ihre Mitglieder alle Kräfte, den eigenen lutri essen und denen des Staates weihen konnten, ist er-von Innen heraus erstarkt und mächtig geworden. Während "nn 17. Jahrhundert andere Länder., ihre besten Bürger vertrieben, öffnet eine Gast freund-

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