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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1899-05-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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an ihnen zu zeigen, dass auch' dort, wo wir anscheinend separate und spezifische Ziele verfolgen, wir nichts Anderes wollen und thun, als' aui dem Boden einer edlen Ethik Menschen zu erziehen. Menschen/ welche die übrige Weif bei allem schönen Vorwärtsstreben gar leicht vergisst und übersieht. Was wir über diese Bestrebungen hinaus bezwecke«, die Pflege der Wohlthätigkeit und Menschenliebe, die Förderung der Wissenschaft und Kunst u. s. w . dies sind nichts Anderes als die allgemeinen ethischen Ideale, denen Wir eben in unserer Sphäre zu leben suchen, wie ihnen die Anderen au: ihren Wegen zusteuern. Hier heisst es wahrlich: Wir marschiren getrennt, aber wir schlagen' verein:. Der Feind ist ja derselbe: der Egoismus in der Menschenbrust. Unser Rund hat sich in den Dienst des Altruismus gestellt. Ge^en die eigennützigen Triebe, denen wir als Juden, die der Kampf ums Dasein stets doppelt schwer umdräute, zum Opfer zu fallen, leichter Gefahr lauten, pflanzen wir in uns auf: Idealismus und Humanität! Eine alte jüdische Sage erzählt von Mosche, unserem grossen Propheten, dass, als er, ein Kind von drei Jahren, an! dem Schoosse der ägyptischen Königstochter spielte, er plötzlich nach der Krone Pharaos griff und sie sich aufs Haupt setzte. Pharao, darüber aufs Höchste erzürnt, berieth ■ -ich mit-seinen Weisen, ob dies blos" ein kindisches Spiel öder eine böse Vorbedeutung für die Zukun:t sein könne. Da rieth ihm der Weiseste von Allen. Jethrq, er solle das K:nd prüfen: auf eine Seite des Knaben solle man die prächtigste^ Edelsteine, auf die andere ■ eine Pfanne voll glühender Kohlen stellen: sei nur kindliche Einfalt im Spiele so wird das Kind gewiss nach dem Feuer greifen und die kostbaren Steine unberührt lassen." Der Rath gefiel und die Probe wurde angestellt. Schon wollte das Kind nach den schönen Edelsteinen greifen und sein Verderben herbeiführen, erzählt die Sage, als seine Hand plötzlich, wie durch eine unsichtbare Macht geleitet, auf die glühenden Kohlen gerieth. Das Kind führte sie zum Munde und verbrannte * - r ' ~ sich die Zunge, wovon Mosche zeitlebens eine schwere Sprache behielt. Aber sein Leben hatte er gerettet. Nicht allein das Leben Mosche s war vor diese Probe gestellt, das seines Volkes, das der Menschheit hat diese Prüfung zu bestehen. Die Edelsteine sind die Zeichen des Egoismus, der Gier nach äusserem Glanz und Besitz, die feurige Kohle is't das Svmbol der in -den Dienst der Menschheit, gestellten Arbeit. Ganze Völker sind zu Grunde gegangen, weil sie nach den Edelsteinen gegriffen haben, weil äusserer Schein und Luxus die humane Arbeitskraft und Freude erdrückt haben. Das Volk Mosche s hat fortgelebt, weil es. gleich ihm. nach der Kohle griff, sich die schwere Arbeit im Dienste der Menschheit erkor. Und die Menschheit wird nur leben und fortschreiten, wenn sie. statt zu den Kdelsteinen. zur feurigen Kohle greift. Die feurige Kohle ist das Symbol der humanen, ethischen Arbeit Wohlan, meine Brüder. sie_ sei das Zeichen, unte» dem auch unser Orden lebt. kämp". und siegen wird. Installationen neuer Logen. Hin letzten Monatsberichte hatten einen so grossen l m-;iug, da&s alles, was nicht dringend gewesen, zurückgestellt werden musste. Desshalb kann erst jetzt über die Installationen der Silesia-, Gabriel Riesser- und Hohenzollern-Loge berichtet werden. ' Die Installation der Silesia-Loge in Liegnitz vollzog am l!t. März er. der Grosspräsident Br. Timendorfer in der nur ihm eigenen Weise und hoffen wir, seine dort gehaltenen Ansprachen später skizziren zu können. Durch Errichtung dieser Loge sind 42 hochachtbare Männer dem Orden neu zugeführt worden und Hess der äusserst würdige Verlauf der Feier bei allen Theilnehmern den Eindruflc zurück, dass die Gewinnung der Brüder in Liegnitz nicht nur einen numerischen Zuwachs für den Orden darstellt. Br. Dr. Julius Moses, dem die Errichtung dieser Loge zu danken ist. ist zum Präsidenten erwählt worden und was bisher über die Thätigkeit der Silesia-Loge. trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens, bekannt' geworden, rechtfertigt die Hoffnungen und Erwartungen iu vollem Maasse. die an die Errichtung derselben geknüpft wurden. Die Bestrebungen der Brüder in Liegnitz sind . vornehmlich darauf gerichtet, das tstammesbewusstsein bei unseren Glaubensgenossen zu wecken und darzuthun, dass Jude zu sein eine Ehre ist: Beziehungen, die. wie kaum an einem anderen Platze unseres Vaterlandes, gerade in Liegnitz ihre Berechtigung haben und sicherlich gute Erfolge zeitigen werden. Schon in einem unserer nächsten Berichte dürfte die Silesia-Loge selbst zu Wort kommen und durch ihren eigenen Bericht erweisen, was sie bisher schon, besonders auf geistigem Gebiet, geleistet hat. Die Installation der Gabriel Riesser - Loge in Thorn ist am lfl, April er. vom zweiten Vizepräsidenten der Grossloge Br. Adolph Mayer vollzogen worden, der seinen Ansprachen hier Betrachtungen über das Leben und Wirken Gabriel Riesser's zu Grunde legte und nachwies, wie sehr die Bestrebungen dieses für das Judenthum so bedeutsamen Mannes den Tendenzen unseres Ordens entsprochen haben. Br. Adolph Mayer fand mit seinen Ausführungen den lauten Beifall aller Anwesenden. In Thorn bilden 2'» Männer, die sich ihrer übernommenen Pflichten bewusst sind, den Stamm der Gabriel Riesser-Loge; zum Präsidenten derselben ist Br. Rechtsanwalt Radt gewählt worden, ^unter dessen Leitung die*'Loge sicherlich gedeihen und vorwärts kommen wird. Unmittelbar an der Ost grenze unseres Vaterlandes gelegen, ist es natürlich, dass unsere dortigen neuen Brüder ihr Hauptaugenmerk auf die Besserung der Lage unserer Glaubensgenossen im Is'achbarreiche zu richten beab- -irhtigen und ist hierauf auch uer Wunsch um Zulassung einer grösseren Anzahl Ausländer als Gründungsnfitglieder der Gabriel Riesser-Loge zurückzufahren, den die Grossloge freilich nicht gewähren konnte, da wir ein deutscher Distrikt sind und bleiben wollen. Die Errichtung, der Loge in Thorn ist freudig zu begrüssen, denn diese bedeutet .eine wichtige Etappe auf dem Wege zur Gewinnung auch des Ostenls unseres Vaterlandes für unsere gute Sache und es ist berechtigte fioffnuug vorhanden, dass durch die Biüder in Thorn uns bald weitere Städte erschlossen werden. Die Installation der Hohenzollern-Loge in Krotoschiu fand am 17. April er. statt und wurde gleichfalls vom zweiten Vizepräsidenten Br. Adolph Mayer vollzogen. Wie eine unserer Hauptautgaben, die Pflege des Patriotismus, bei uns geübt wird, ist bi.»her. iu unseren Druckschriften weniger dargethan worden" und nehmen wir desshalb

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