Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1899-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4864325-6028956-6029356--0322-4864508
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Geiste einzelner hinaus in die Herzen und Köpfe grösserer und immer grösserer Massen zieht, sowie die Sonne, wenn sie des Morgens aufgeht, zuerst die höchsten- Berggipfel bescheint, dann allmälich die Gebirgskette ringsum beleuchtet, um endlich die ganze Landschaft in herrlichem Morgenglanze ^strahlen zu lassen. Von dieser Auffassung geht unser Orden aus und beschränkt sich darauf, diejenigen Israeliten um sich zu schaaren, die sich schon als edeldenkend und geeignet erwiesen haben, für unsere Ziele aktiv zu wirken. Zu den Regeln der Ethik würden wir uns freilich in grellsten Widerspruch setzen, Wenn wir einen in unseren Bund einzutreten Begehrenden anders als nach Gesinnung und Gesittung prüfen wollten. Das wollen wir ebensowenig vergessen, als das, dass unsere Aufgabe nur erfüllt werden kann, wenn die von (unserem Geiste Beseelten in Wahrheit auf weitere aussenstehende Kreise ethisch einzuwirken allen Ernstes bemüht sind. Diese Aussenthätigkeit hat aber einzusetzen bei der eigenen Familie, vor allem bei den Frauen unseres Bundes; denn indem wir diese vonvunseren Arbeitsstätten fernhalten, begehen wir entschieden einen Verstoss gegen die Forderung der Ethik, dass zur Mitarbeit an ethischen Zwecken beide Geschlechter gleichberechtigt und gleichberuten sein sollen, ein Verstoss, der mit ähnlichen Gründen, welche wir für die Beschränkung unseres Ordens auf erlesene Elemente anführten, entschuldigt werden kann. Denn das darf wohl ausgesprochen werden, dass im Grossen und Ganzen die jüdische Frau in ihrem Interesse und in ihrem äusseren Auftreten noch nicht die Stufe erreicht hat. aut der unsere Mitkämpierschaar Posto zu fassen hat. Immerhin wird mit <\er fortschreitenden Einschränkung der männlichen GewoHnheitspriVilegien durch Gesellschaft und Staat und der Erweiterung der weiblichen, Interessensphären auch unser Orden im Sinne des ideellen Verlangens der Ethik eine grössere Berücksichtigung weiblicher edeldenkender Israeliten eintreten lassen müssen. Wir wollen uns darauf vorbereitet halten, dass auch für unseren- Orden die sogenannte Frauenfrage allmählich grössere Bedeutung erlangen wird. Für zwei grosse Ürdensaufgaben ist die Mithülfe der Frauen heute schon unerlässlich. Die eine betrifft die Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes im Sinne unserer Ideale, im.Sinne des ethischen Idealismus. Ohne die Mithülfe der Mütter wäre die Zukunft' unseres Ordens nich.t -gesichert. Für diese Mission der Fraüen unseres Bundes gilt das Bismarck'sche Wort: Was unsere Frauen sich angeeignet haben, das werden unsere Kinder vertheidigen. Zur Erfüllung einer weiteren ethischen Aufgabe,, ist die treue Mitarbeit der Frauen nöthig, nämlich zu einer Reform oder mindestens einer Hebung unserer inneren jüdischen gesellschaftlichen Zustände. Auch hier bat sich unser Orden zur Pflicht gemacht, ethisch bessernd einzuwirken, und in das gesellschaftliche Leben der Juden unserer Ordensideale, Bruderliebe und Eintracht, gewissermassen als Sauerteig zur ethischen Ausgährung einzuführen. Diese Aufgabe ist um so wichtiger, als eben das gesellschaftliche Leben der Juden meist ein spezifisch abgegrenztes sein muss und ist um so schwieriger, als den Juden in dem eifrigen Streben nach Erwerb und Besitz vielfach der richtige Maassstab gesellschaftlicher Werthschätzung verloren gegangen ist. Der ethische Charakter unseres Ordens wird vielleicht durch nichts besser erwiesen,*: als durch unser Verhalten dem Antisemitismus gegenüber. 'Auch gegen diese schmachvolle Bewegung treten wir mit ethischem Rüstzeug auf und entwaffnen den Gegner -durch : unser ethisches Verhalten, ja selbst aus dem antisemitischen Schmutzwasser isoliren wir den Troplen ethischen GefsteSider. in ihm enthalten ist. Der Antisemitismus wirft, in ""boshafter Tücke Wucher und Ausbeutung mit der jüdischen Rasse zusammen und macht sich schwerer Heuchelei schuldig, wenn er alle wirtschaftlichen Missstände mit der Judehfrage , in Zusammenhang bringt. Dadurch begiebt er. sich der - berechtigten ethischen-Idee, die, in ihm steckt, dass gegen unsaubere Geschäftspraktiken, wich wenn sie nicht das Strafrecht treffen kann. die Gesellschaft Front machen muss. Wir haben die Idee aülgegnffen und-suchen sie speziell für die Juden der Verwirklichung entgegen zu bringen. Wirdulden Niemand unter uns... der , statt von der ehrlichen Arbeit, von Ausbeutung und/Täuschung Anderer leben will. Wir suchen ferner sozial ümgeslaltend zu wirken aui tdie jüdische. Bevölkerung des Landes, wo die. Geiahr der Verletzung der Geschältsethik: grösser ist durch das Fortleben in den einmal üblichen, den Juden aufgezwungenen Berufsarten, sowie durch die Verschlechterung der sozialen Ver^ hältnisse auch der anständig und» e-lrrlich ringenden jüdischen Bevölkerung durch wirtschaftliche Reformen und gesetzgeberische Maassnahmen: Wir erfüllend wenn wir hier hellend eingreifen, ein schönes Stück Sozialethik, das die gewaltigen sozialpolitischen Bestrebungen' -der- Gegenwart leider völlig bei Seite liegen und uns' überlassen Iraben. Und wie wir den Kampf; gegen die äusseren Feinde mit ethischen Waffen führen,' bekämpferrwir auch den gegen das ErJ warten der AussensterJenden mächtigen'Antisemitismus in den Reihen der Juden selbst'. Die blosse Gleichgültigkeit ist hier schon Feindseligkeit, 'Wo es des Zusammenschlusses Aller bedarf, um das grosse Eraanzipations'wtrk. zu .vollenden. Als bestes Mittel zur Herbeiführung dieses notwendigen Zusammenschlusses haben wir die -Pfleg« der jüdischen Gest lachte- und der jüdischen Litteratür erkannt^ Aus ihnen lernen wir zunächst, dasses eine. Ehre ist', anzugehören dem Volke, das stets ethisch und ideal gesinnt .über -Macht und Gewinn,' ,a über das Leben, seine Eth'ilc, seinen'Idealismus hochhielt. J ■ - - Aus der Pflege der jüdischen Geschichte heraus 'treten an uns die Pflichten gegen die. noch iA.Gqluth steckenden Genossen unseres- Stammes;als -historische und ethische kategorische Forderungen .heran,. Das Studium, der jüdischen Geschichte macht uns toleranter gegen die Eigentümlichkeiten der. Juden, und auch" das Ihaben .wir nöthig. Von autorativer ethischer Seiten erfuhr kürzlich die Pflege der jüdischen (nachbiblischen i Geselchte' einc'sthöne Würdigung. Der Sekretär des deutschen-euHschen Bundes hat in den ethischen JugendunterrichC;-weIc'hehv er Kindern aller. Konfessionen . gemeinsam erteilt," 'die jüdische Geschichte als Lehrgegenstand eingerührt," um schon .bei den Kindern den arischen, wie den jüdischen- : eine" richtige Werthschätzung der guten, ein historisches Begreifen der weniger guten Eigenschauen und Eigenheiten derjüdischen Rasse, anl zubahnen. Liebe Brüder! Ich habe in den.vorausgehenden Aus- . führungen nur jene Punkte'in .Erörterung gezogen, welche unsere Sonderstellung und Sdnderbestrebungen markiren, um

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.