Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 1 - Februar
- Date
- 1899-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 12 — Aus den Logen des VIII. Distrikts. Berthold Auerbach-Loge in Berlin. Aus dem letzten Quartal des abgelaufenen Jahres können wir über ein ausseroi deutlich regsames Logenleben berichten. Der Besuch unserer Sitzungen hat sich erfreulicherweise erheblich gesteigert, wozu in erster Reihe die regelmässige Anwesenheit vieler unserer älteren Brüder beitrug. Die mannigfachen Anregungen derselben, welche im Allgemeinen die Hebung des Logenlebens bezweckten, erwiesen sichvon vorzügliclrera Einfluss Wir erwähnen hierbei der ausführlichen und kliren Darlegungen des Br. Expräs. I). Wolff über die Delegirteu-Conferenz in Prag, sowie über die Sitzung des General-Comitt's am 4. Dezember und eines Referats des Bruders Rechtsanwalt Kfitschke über die Festrede des Br. Expräs. Staadecker, anlässlieh der Einweihung des neuen Logenheims in M-mtiheim. An der jedesmaligen Belichtetstattung knüpften sich längere and, interessante Debatten. Die Berathuug unseres reviditteu Gesetzentwurfs wurde in sachgeinässer Weise zu End« geführt, so dass jetzt am Beginne des neuen Jahres unseren Brüdern das neue Gesetz übergeben wurde. Den Bemühungen einzelner Brüder ist es zu danken, dass wir im letzten Vierteljahr 10 neue Mitglieder unserer Loge zuführenkonnten. Die Einführungen gestalteten sich besonders feierlich durch die freien iuhaltreicheu Einführungsreden unseres würdigen Präsidenten Br. Kreslawsky. Der Geselligkeit wurde durch eine grössere Ballfestlichkeit Ende Oktober, sowie durch gesellige Arrangements an den Einführungsabenden in zweckmässiger Weise entsprochen. Semeinsam mit uuseru hiesigen Schwesterlogen veranstalteten ' wir allmonatlich einen Vortragsabend. Im Oktober sprach nnspi hochwürdiger Grosspräs. Br. Timendorfer über „Uriel Acosta-, im November Br. Dr. Landau über „Theodor Fontane-1 und im Dezember der Landtagsabgeorduete Dr. Max Hirsch über .die Neugestaltung des deutschen Reiches und der Antheil der Juden au derselben'. Die nach vielen Hunderten zählenden Anwesenden folgten diesen Vorträgen mit grösster Aufmerksamkeit und sichtlichem Interesse. Nach Schluss eines jeden Vortrages fand noch ein geselliger Theil statt, welcher die Brüder und deren Familien in schönster Harmonie vereinigte. Mit dem bestell Vertrauen treten wir in das Jahr 1899 ein und hoffen zuversichtfich, dass dasselbe ein segensreiches für unsere Loge werden möge. •Zion-Loge in Hannover. Mit. grösster Genugthnüng können wir konstatiren, dass seit Mitte November unsere Sitzungen verhältnissmässig sehr gut besucht sind, und zwar niclrt zum geringsten Theil deshalb, weil unsere verehrten Logenschwestern, welche seit einer Reihe von Jahren sich zusammen gefunden hatten, um in regelmässigen Zusammenkünften Kleidungsstücke zur Bescheernng armer Kinder herzustellen, beschlossen haben, ihre Arbeitszeit gleichzeitig mit den Logen-Sitzungen in den Vorräumen unserer Logen- Lokalitäten abzuhalten. [ Am 17. November 18fM hatte eiue gut besuchte Logenfestlichkeit stattgefunden und dürften wir wohl nicht feld gehen, wenn wir annehmen, dass bei dieser Gelegenheit unsere Logenschwestern sich bezüglich der Verlegung ihrer Arbeitszeit auf den Montag Abend mit einander verabredet haben, wie ja immer das ewig Weibliehe seine besondere Anziehungskraft geltend macht, so auch bei uns. Die Damen kommen gern zu den Logen-Abenden und nothgedrungen folgen ihn^n die Gatten und Brüder zu den Sitzungen, ohne dass die Einen ihrer Näharbeit oder die Anderen in ihren Diskussionen sich gegenseitig irgendwie stören. Allen Schwesterlogen, welche über mangelhaften Besuch klagen, möchten wir dieses Vorgehen unserer Damen zur Nachahmung, wenn auch nur versuchsweise, empfehlen. , Am 28. November liiert der Königl. preuss. Schauspieler Herr Adalbert Stefter/vor unseren Brüdern mit ihren Damen einen Vortragsabend ab; die Darbietungen des genannten Herrn fanden allseitigen Beifall. Sehr 'erliebliche Diskussionen fanden auf Veranlassung unseres Comiies zur Umarbeitung unserer Nebengesetze statt und eutsclried sich eiue sehr stark besuchte Loge fast einstimmig dafür, die bei Errichtung unserer Loge bestandene Sterbekasse aufs Neue — wenn auch in veränderter Form — ins Daseiu zurückzurufen. Es würde zu weit führen, die Gründe hierfür mitzutheilen; das eine aber könnet/wir sagen, dass übereinstimmend mit der grössteu Wärme betont wurde, dass unsererseits' in Bezug auf die Verpflichtung, den Wittwen verstorbener Brüder nach jeder Richtung hin dauernd mit Rath und Tliat zur Seite zu stehen, garnicht genug geschehen könne und dass dieses zweifelsohne eine unserer vornehmsten Verpflichtungen sei*]. Am Sonntag den 18. Dezember 1899 hielt Herr Rabbinats- Kandidat M. Zuck ermann vor unseren Schwestern und Bindern eiueu Vortrag über das Thema: „Zur Entstehung des Chiistenthums." Wohl keiner der Anwesenden hat den wohldurchdachten und formvollendeten Vortrag angehört, ohne Neues und Lehrreiches daraus mitzunehmen. Schwesterlogen können wir diesen vorzüglichen Redner nur aufs wärmste empfehlen. Allseitig wurde dem Wunsche ^usdruck gegeben,: denselben recht bald wieder zu hören. Henry Jones-Loge in Hamburg. Es ist erfreulich, zu sehen,.dass die rege Beteiligung der Logen an der Berichterstattung im (Monatsberichte es erforderlich macht, diesen zweimal im Monat erscheinen zu lassen; das Band, das die einzelneu Logen untereinander verbindet, wird dadurch gestärkt uud fester geknüpft. Uusern letzten Bericht schloss ich mit dem Versprechen; den BBr. über den Verlauf des aus Anlass des Ordensfestes an angirten Simchas - Torah - Feier einige Mittheilungen zu machen. Die vereinigten Comitvs für Geselligkeit uud geistige Interessen hatten sich die Aufgabe gestellt, den Brüdeni und ihren Angehörigen eine nach allen Richtungen hin ausgezeichnete Festlichkeit zu bieten, ohne für die Veranstaltungen irgendwelche pecuniäre Aufforderungen an den Einzelnen zu I stellen und es war wirklich ein Fest von ausserordentlicher Schönheit; ein sorgfältig zusammengesetztes <'om ert-Programm folgte der vom Br. Sal. Goldschmidt gehaltenen Festrede, namhafte Geigen- und Ciaviervirtuosen, Sänger nud Sängerinnen, sowie eine rühmlichst bekannte Recitatorin boten das Beste ihres Könnens. An das Concert schloss sich ein Festessen, gewürzt von heiteren Liedern und Toasten. Unser würdiger Expräsident Br. Gustav Tuch gedachte des sehr würdigen Ordenspräsidenten Br. Julius ~ , i r ■ *) Die Grossltfge bat die Zion-Loge darauf aufmerksam gemacht! dass nach dem Jeschluss der Grossloge vom 0. 2. 90 der nur durch das I'lenun der Gcossloge wieder aufgehoben werden könnte, eine ,Sterbekasse" in unserem Distrikt nicht existiren darf. 4