Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 1 - Februar
- Date
- 1899-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Im" zweiten Theil des Romans führt uns der Dichter nach Kensington, dem Viertel, wo die reich gewordenen Juden wohnen, die Halbgötter, wie man sie im Ghetto nennt. Und dort seheint Zangwill ebenfalls gute Studien gemacht zu haben. Das sind lauter Photographien, die er da schildert, wie der reiche Mr. Goldsmith, der. von seiner ehrgeizigen Frau aufgestachelt, darnach strebt, Parlaments-Mitglied für Whitechapel zu werden, bis zum Hausfrieund Percy Saville, der eigentlich Peiser Samuel heisst, und Sidney Graham, der Skeptiker, dessen Ehrgeiz es ist, -möglichst wenig Jude zu scheinen, oder daran erinnert : zu werden, bis endlich die Liebe zu einem gottesfürchügen. jüdischen Mädchen, aus dem indifferenten /Skeptiker, einen dem Jujdenthum, wieder anhänglichen Manschen macht. ., ' In diesen Kreis kommt nun Esther Ansell, die Töchter des alten Moses, von Frau Goldsmith, die kinderlos ist, adoptirt. Sie sieht diese Halbgötter nun in nächster Nähe, sieht ihre Schwächen, und eine immer mehr wachsende Bitterkeit bemächtigt sich ihrer. In dieser Stimmung verfasst Esther einen Roman, in w'elcliem sie die Schwächen der besseren jüdischen Gesellschaft schonungslos geisselt und Typen schildert, die mit photographischer Genauigkeit der Wirklichkeit, dem Leben nachgebildet sind. An-- dieses verbitterte Leben tritt Rafael Leon, der für das Judenthum begeisterte Denker, der orthodoxe Philosoph mit dem echt jüdischen Herzen. Es gelingt diesem endlich, das geistig-hochstehende Mädchen. das\er innig liebt, wieder in die rechten Bahnen wahren Gottvertf^rens zu leiten und ihr auch den Glauben an die Menschheit, ^n das Judenthum, wiederzugeben. ' ' Den grössten Gegensatz zu Rafael Leon bildet der Prediger der Kensington - Synagoge. Josef Strelitzkv. Dieser, von Geburt ein Russe, ist im Laufe der Zeit von sozialistischen Ideen so durchtränkt worden, dass er, am- Glauben an seinen Beruf verzweifelnd, sich entschliesst, denselben aufzugeben und er sieht die Zukunft und das Hei! der Menschheit nur noch im sozialistischen Zukunftsstaat. Er, der in Russland Verfolgung und Druck im Uebertluss erlebt hat, sieht in Amerika, dem Lande-der Freiheit, das gelobte Land. I Damit sind wir zu dem religionsphilosophischen Theil des Romans angelangt, der einen grossen Theil des zweiten Bandes ausfüllt. Zangwill lässt in den Gesprächen zwischen "Rafael Leon und Jdsef Strelitzkv diese zwei Anschauungen sich bekämpfen. Jeder von Beiden verfechtet begeistert seinen Standpunkt. Strelitzky, durch den Druck seiner Kindheit, durch die trüben Erfahrungen seines Lebens zum sozialistischen Schwärmer geworden, wird von Rafael Leon, der von der grossen Mission des Judenlhums durchdrungen ist, zu überzeugen gesucht. Diese Kapitel gehören mit zu den geistreichsten des Buches. Die höchsten Fragen des" Judenlhums und der ganzen Menschheit t werden darin besprochen. Wahre Geistesschlachten^ liefern sich die Beiden, ähnlich wie oft im Talmud derartige Streitfragen in der scharfsinnigsten Weise zum Austrag kommen. Leber allen diesen Gesprächen aber, wie überhaupt über der ganzen Schilderung Zangwills schwebt seine Liebe zu seinem Vojk, seinen Glaubensgenossen, und das giebt auch allen seinen Schiidarungen, auch den realistischsten, das warme Colorit, den verklärenden Schimmer, der sich wie ein Glorienschein um das bedrückte Volk webt. Zangwill zeigt) uns die Bewohner des Ghetto mit ihren Vorzügen und [ihren Fehlern. Ihre Vorzüge schildert er mit stolzer Freude, ihre Fehler sucht er uns zu erklären und begreiflich zu machen. So bringt er uns diese polnisch-russischen Juden, diese Parias der Gesellschaft, nicht allein geistig, sondern auch rein menschlich naher. Wir ersehen, dass auch sie, unsere geistig zurückgebliebenen Brüder, dennoch unsere Achtung, unser Mitgefühl verdienen, dass auch s|ie Fleisch von unserem Fleisch sind, und dass ihre Art zu: leben und y.u denken das Produkt der Verhältnisse ist, in welchen sie aufwachsen. Alles verstehen, heisst Alles verzeihen, und wir schulden Zangwill Dank, dass er es unternommen hat. uns einen-Einblick in das Geistesleben dieser Aermslen der Armen va gewähren. Und diesen Dank können wir Z. am besten dadurch ablegen, dass wir s^ine Schriften lesen und daraus lernen, wozu ich Ihnen heute die Anregung geben möchte. Aufruf zu Gunsten des (Hospitals ..Sehaar-Zion-', Jaffa, $n die geehrten Brüder des U. O. B. B. in Deutschland. Sehr geehrte Brüder! Die Krankenpflege ist eine der höchsten Tugenden des jüdischen Volkes. Immer ,und überall hat der Jude die grösste Opferwilligkeit an den Tag gelegt, wenn es galt, die körperlichen Leiden seiner Mitmenschen und insbesondere seiner Gla^bensbrüder zu lindern. Dass die Barmherzigkeit, dieser edle Zug des echt jüdischen Charakters sich auch unter unseren Brüdern hier in schönster Weise bewährt, beweist das mit schwerer Mühe ins Leben gerufene und seit nunmehr einer Reihe von Jahren hier bestehende „Schaar- Zion-Hospital" unserer Loge. Das überaus segenbringende Wirken dieser Anstalt erstreckt sich nicht allein auf die jüdische Bevölkeruqg Jaffas und der umliegenden Kolonien, sondern auch vielen Kranken, die alljährlich aus Jerusalem und andern Orten (zuströmen, um in dem milden Seeklima und den Seebädern unserer Stadt Heilung zu suchen, bietet das am Meeresufer gelegene Hospital eine Zuflucht. Sehr oft wurden arme Einwänderer, die kaum den Boden des heiligen Bandes"*betreten, hier von den Strapazen ihrer mühseligen Reise zusammengebrochen sind, wochenlang in dem Krankenhau.se gehegt und gepflegt. Wir haben keine Opfer an Geld, Zeit und Mühe gescheut, um den grossen Bedürfnissen der "Anstalt gerecht zu werden. Jedoch hat besonders ein Umstand die Existens der Stiftung ins Schwanken gebracht, und zwar: der Mangel eines eigenen Hauses. Hat d'oeh schon mehr als einmal der Besitzer des Hauses, weil das Hospital den rückständigen Miethzins zum- Termine nicht entrichten konnte, gedroht, die Betten mit sammt den Kranken auf die Strasse schaffen zu lassen! In diesen traurigen Zeiten haben sichj auch Gönner gefunden, die sich der