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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-02-01 · Nr. 1 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 1 - Februar
Date
1899-02-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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land, das uns ja hier einzig allein inleressirt, waren es vorzugsweise folgende Gründe, die bei der Schaffung von Bnei Briss Logen massgebend waren. Die Juden sindjetzt den Bürgern ahderer Confessionen durch die Verfassung gleichgestellt und wir bezwecken durchaus nicht, wie vielj fach oberflächlich und fälschlich angenommen wird, uns von unseren andersgläubigen Mitbürgern abzuschliessen. Wir] wollen vielmehr gerade im Gegentheil durch geistige und sittliche Hebung unserer Stammesgenossen es ermöglichen* dass das durch Unterdrückungen und Verfolgungen aller Art an uns begangene jahrtausendelange Unrecht gesühnt werde und wir uns der weitgehendsten Gleichstellung würdig erweisen Zu dieser mühevollen Arbeit müssen wir aber vorläufig unter uns bleiben und desshalb kann der Orden Bnei Briss nur Juden als Mitglieder aufnehmen. Im Uebrigen sind wir jedoch gegen jede Abschliessung von Bekennern anderer Religionen und wünschen sehnlichst die Zeit herbei, wenn unsere Thätigkeit beendet sein wird, unsere Glaubensgenossen alle die, den früheren Zeiten der Unduldsamkeit und der Unterdrückung entstammenden Untugenden abgelegt haben werden und auch andererseits man in uns nur den gleichverpflichteten, aber auch gleich-, berechtigten Mitbürger erblickt. Dass das Letztere noch keineswegs der Fäll ist, geht schon aus der vorliegenden Schrift hervor, die selbst eingesteht, dass in gewissen Logen Juden nicht aufgenommen werden. Und dies geschieht bei einer Vereinigung, die keinen l'nt^rschied des Standes, der Nationalität und des Glaubens zi} kennen vorgiebt. Aber damit nicht genug, beweist ein Angehöriger der grossen Landesloge — wie der Verfasser ichreibt in überzeugender, meinem beschränkten Verstände nach jedoch in sophistischer Weise —, dass die Ausschliessung der Juden keine Gegnerschaft gegen dieselben in sich schliesst. Auf diese Beweisführung brauchen die Freimaurer nicht gerade sehr stolz zu sein. Ich meine, die Freimaurer sollten das Gute nehmen, wo sie es finden und sich nicht mit unfruchtbaren Prinzipienreitereien abgeben. Der Name .Loge" kann doch nicht allein bestimmend sein, die Mitglieder des Bnei Briss-Ordens als untauglich zu Freimaurern erscheinen zu lassen: Ich glaube sogar, dass diesen etwas Transfusion gar nicht schaden könnte und andererseits viele Bnei Briss gerne bereit wären, ehrlich sich an der Freimaurerei zu betheiligen. In dem vorliegenden Aufsatze spricht Creizenach auch über den Namen „Söhne deJs'Bundes', der ihm nicht gefallt und nennt die Verkündigung des Bundes an Abraham eine Sage. Ob diese Verkündigung Wahrheit oder Dichtung ist, wollen wir hier unerörtert lassen. Aber jedenfalls, waren die Juden die erster» Bekenner eines einzigen Gottes, und die Religionen aller Kulturvölker beruhen auf dieser Grundlage. Wenn sich nun die Juden mit Stolz hierauf berufen und ihrer Ahnen mit Verehrung gedenken, so haben sie doch hierzu mindestens dieselbe Berechtigung, wie so viele Adelige, deren Vorfahren als Raubritter von den sicheren Burgen aus die wehrlosen Kaufleute überfielen und plünderten. Die Nachkommen bilden heute die Edelsten der Nation und jede Freimaurerloge rechnet es sich zur Ehre, sie zu ihren Mitgliedern ztj zählen. Aber Juden, Gott bewahre! Da kommen die Sophisten, pardon die Angehörigen der grossen Landesloge, und beweisen, dass sie die Juden sogar recht gerne haben, aber" vorzugsweise aus der Entfernung. * " ' .- " ' Wort für Wort könnte; manmit ■ Leichtigkeit die Creizenach'schen Ausführungen widerlegen, dehn der Verfasser giebt sich viele Blossen. Dies würde jedoch zu weit führen, und möchte ich desshalb nur den Schlusspassus in den Bereich meiner Betrachtungen ziehen. Die Bnei Briss berufen sich nicht auf jenen viertausendjährigen Bund, im Gegensatz zu einem Bunde, dem die ganze Menschheit angehören könnte und dem. auch ^g?wiss viele von uns gerne angehören möchten. Aber noch ist die Zeit nicht gekommen, wo uns dieser Bund bedingungslos seine Arme öffnet. Bis dahin lass'e man. uns. aber unserer Pflicht genügen, die ethische und. soziale Bildung unserer engeren Brüder zu heben und zu, fördern und alle jene hohen Tugenden zu üben, die auch die Freimaurerei als solche anerkannt und für jeden Menschenh ais -wünschenswerthes Hesitzthurjn hingestellt hat,. Und wenn - dereinst der lichte Idealzustand, den wir alle sehnlichst erhoffen, gekommen sein Wird, dann ist der Bund der Freimaurer und der Bnei Briss gleich überflüssig, dann werden Alle sich zu einem Bunde zusammenschliessen, - iu dem die ganze Menschheit umfassenden „Bunde-der Liebe",. , Präs. Br. iüch/"Wisroch-Frankfurt i. Ii , I. Zangwill und seihe Bedeutung als Vj <. Schriftsteller» Vortrag gehalten in der Frankfurt-Loge vor! Br. Bernhard Rosenihal. Manche unter Ihnen werden sich gefragt haben: Wer ist Zangwül? Was hat der Mann denn geleistet, um ihn zum Gegenstand eines Logen-Vortrags zu machen. Und doch glaube ich, dass es sich lohnen wird, Ihnen diesen Schriftsteller geistig näher zu bringen., Schonsein Lebenslauf ist interessant genug, indem* er vort demjenigen anderer Schriftsteller sehr verschieden ist.'. Seine Dichtungen, seine Werke sind aber ebenso eigenartig wie sein Lebenslauf. Wie eine photographische Platte alle äusseren Eindrücke haarscharf annimmt, so hat Zangwill alle Eindrücke seiner Kindheit, die sich im Londoner Ghetto abspielte, in sich aufgenommen, und er reproduzir.t dieselben so klar und fein, so anschaulich in allen, seinen Werken, dass alle Figuren seiner Romane uns so plastisch" vor die Seele treten, dass wir staunen über diese ausgezeichnete Charakterschilderung. Z. ist im Jahre I864 im Eastend Londons in Wnitechapel geboren als, Sohn aüsgewanderter - russischer Juden. Er wurde in eine dortige ^reischule aufgenommen und bald zeigte der Knabe so hervorragende Fähigkeiten, dass er die Universität beziehen. durfte. Er verliess dieselbe mit dem Titel Bachelor of J\rts. Zuerst wandte er sich dem Lehrberuf zu. Er verliess denselben aber bald und wurde Journalist und Schriftsteller. Als Schriftsteller ist es ihm dann bald gelungen, sich in England einen geachteten Namen zu erringen und.in Deutschland fängt er jetzt auch an bekannter zu werden, -seitdem einige seiner Ghetto- Romane in einer, wenn auch ziemlich mangelhaften deutschen Uebersetzung erscheinen. Speziell an diesen!

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