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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-02-01 · Nr. 1 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 1 - Februar
Date
1899-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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sich regen und unsern Orden, gelinde gesagt, in den von ihnen so verpönten Bann tht*n; ja ich gehe noch weiter, ich sehe in diesem Verhalten der Freimaurer (ihnen selbst vorerst noch unbequemerschein6nde)Regungen,des Gewissens darüber, dass die Freimaurer ihre Pflicht gegen die Mit bürger jüdischer Confessi >n nicht oder doch nicht in vollem Umfange gethan, und gerade dadurch die Entstehung und das Wachsen der jüdischen Logen-Bewegung in Deutschland befördert haben. j Was hat denn die Juden gezwiingen. speciell jüdische Logen zu gründen? Die Wahrnehmang, dass selbst im geistig so weit fort- geschrittenen deutschen Vaterlande mit wenigen um so hervorstechenderen Ausnahmen selbst die vorurteilslosesten Mitbürger christl. Confession nichts thaten, um der schmach vollen Bewegung voller Hass. Xeid und Bosheit Namens des . beleidigten Nationalgefühles und des Geistes der Freiheit und Gerechtigkeit entgegenzutreten - Und was' hat denn der Freimaurerbund in Deutschland gethan f Er ist der Bewegung nicht nur nicht entgegen getreten, sondern hat selbst derselben Rechnung getragen, indem r— am Ende des 19. Jahrhunderts — viele Logen Juden von der Mitgliedschaft ausgeschlossen haben. Ich meine, dieses Verhalten des Freimaurerordens sollte die Logen des Bnei Briss-Ordens veranlassen, eher die vom Maurer Creizenach gestellte Frage umgekehrt zu stellen: «Ist es unter sothanen Verhältnissen einem Mitglied des B. B -Ordens, also einem ideal denkenden, sich und seine Confession achtenden Juden gestattet, Mitglied einer Freimaurerloge zu werden? Und ich meine, unser Orden müsste diese Frage so lange verneinen, als nicht der Freimaurerbund klipp und klar Stellung, nimmt gegen die von mir erwähnten " Freimaurer-Logen und dieselben als dem Maurer-Gedanken untreu geworden perhorreszirt. Im Uebrigen geht Herr Ignaz Creizenach in seinem Aufsatze von ganz falscher Voraussetzung aus. Der Orden B. B. ist keine Wohlthätigkeits-Anstalt. sondern eine Verbindung mit speciell-jüdischen Zwecken, welche der Verfasser des Bauhütten-Artikels inhatlich des Letzteren genau kennt. Die Warfen, mit welcher unser Orden seine Zwecke verfolgt, sind rein geistiger und idealer Xatur, sie ähneln denjenigen, mit welcher der Freimaurer-Orden ebenfalls kämpft. Unser Orden und der Freimaurerbund haben einen gemeinsamen Feind und es ist daher sehr bedauerlich aber nicht unsere Schuld, dass wir Juden, weil uns, von diesem Feinde angegriffen. Niemand beistand, genöthigt waren, uns. wie geschehen, zusammenzuschliessen. Wenn , der Freimaurerbund auch jetzt noch, statt uns zu unterstützen, uns angreift, so beweist diese Haltung, wie nöthig es^ war, uns zu organisiren. " I Am unverständlichsten und schwächsten aber ist der Angriff wegen des jüdischen Namens, welchen der B. B.-Ordens seit seiner Gründung trägt, und will er nicht undankbar und pietätlos erscheinen, tragen muss. Wenn der Herr I. Creizenach schliesslich selbst zugiebt, dass jnnerhalb der Freimaurerloge .die confessionelle Schranken" heute noch bestehen,' so verliert für jaden ehrliebenden Juden, die Aussicht Mitglied des Freimaurerbundes werden zu können, jeden Reiz, denn wir deutsche Juden wollen nicht wieder Schutzjuden werden, selbst wenn der Freimaurerbund sich als Schutzherr anbietet. Wenn der Br. Garz tröstend den un—begreiflichen Satz aufstellt: „dass die Ausschliessung der Juden noch keineswegs die allgemeine Gegnerschaft gegen dieselbe in sich begreift und damit den Beifall seiner Brüder gefunden, so beweist dies jedem Denkenden klar, dass,der Freimaurerbund zwar kein offener angreifender Feind der Juden, aber — eine unduldsame unfreie Vereinigung ist, welcher sich nicht anschfiessen zu können ein dem O. B. B. angehörige Jude niemals bedauern kann. l'räs. Br. Dr. Fr iedber b - Karlsruhe. II. Der in der Bauhütte enthaltene Aufsatz .der Freimaurerbund und der Orden Bnei Briss" von Ignatz Creizenach bedarf einer Widerlegung von unserer Seite. Trotzdem Schreiber Dieses nicht zweifelt, dass sieh hierzu eine berufenere Feder linden wird, so fühlt er; sich doch Verpflichtet, einzelne Irrlhümer, welche in dem Aufsatze enthalten sind, aufzuklären, und zwar um so mehr, als die entwickelten Ansichten denjenigen entsprechen, die man in Freimaurerkreisen allgemein von unserer Verbindung hegt. Man urtheilt eben, hier nach Aeusserlichkeiten, ohne sich die Mühe zu geben, in den Kern der Sache einzudringen. Dies ist um so bedauerlicher, als Freimaurer und Bnei Briss keine Gegensätze sind, vielmehr Pendants, die, sich ergänzend, zusammen arbeiten und wirken sollten. In den unabänderlichen Grundsätzen der Vereinigung Bnei Briss ist der Satz enthalten: „Der Orden Bnei Briss ist keine geheime Gesellschaft." Es liegt gar kein Grund vor, dies trotzdem zu behaupten, da unsere Gesetze offen vor Jedermanns Augen liegen und auch den Behörden bekannt sind. Es ist doch nicht anzunehmen, dass einige Zeichen das Ausschlaggebende für eine geheime Gesellschaft abgeben und schwer zu begreifen, dass die Freimaurer-Grosslogen auf solche Aeusserlichkeiten hin unsere Vereinigung für eine geheime Gesellschaft erklären und unseren Mitgliedern die Aufnahme in ihren Bund verweigert haben. Der Verfasser inerkennt die sich nicht auf die Angehörigen einer einzejnen Religions-Gesellschaft beschränkenden Leistungen unserer Vereinigung, irrt jedoch in der Annahme, dass die Bnei Briss-Logen mit Abänderung dieses für die Freimaurer so anstössigen Namens, auf das Niveau einfacher Wohlthätigkeitsanstalten herabsinken würden. Unsere Prinzipien umfassen natürlich auch die Wohllhätigkeit, und zwar entgegen den Gepflogenheiten der Freimaurer, vorzugsweise die Wohlthätigfkeit nach aussen,-getreu unserem Grundsalze: „Nichts für uns. Alles für andere". .Aber es wäre bedauerlich, wenn wir uns nicht höhere Ziele gestellt hätten. Wohlthätigkeitsvereine giebt es in der Welt zu Tausenden, dazu ist das feste Gefüge der Brudergemeinschaft nicht nöthig, das hiesse mit Kanonen nach Spatzen schiessen. ' Richtig ist der Ursprung des Ordens angegeben, der in Amerika seinenj Mitgliedern vorzugsweise Hilfe und Unterstützung gewährte. In Europa und speziell in Deutschland bezweckte man jedoch höhere Ziele, indem man die ethische Seite in den Vordergrund stellte, was jetzt übrigens auch in Amerika der Fall ist. Für Deutsch-

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