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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-02-01 · Nr. 1 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 1 - Februar
Date
1899-02-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3 — ieda eil trachtungen haben die Darlegungen des Oberamtmanns Br. Cohn, auf Seite 72 dieser Nummer, besonderen Werth. Es unterliegt ja wohl keinem Zweifel, dass auch in Juden Kentengüter überlassen würden, dass aber 15 Morgan, oder per 1« Morgen schon genügen sollen, eine lebensfähige Stelle zu schaffen, halte ich für unzutreffend, und doch ist selbst hierzu, nach den Berechnungen des Br. Cohnein Baarkapital von Mk. 4 000, bei einer Schuldenlast von Mk. 2 250^ notwendig. Es wird angenommen, der Mann könne Geld in nachbarter Industrie oder grösserer Landwirtschaft Arbeiter verdieneu, Frau und .Kinder bewirtschaften ( Acker.' . So recht.scheint ja nun Br. cdhn der Sache selbst nkht zu trauen, denn vorsichtiger Weise strebt er"vorläufig nur drei Versuche an. Ich bin misstrauischer und halte dijse Zehnmorgenstelleu überhaupt nicht für lebensfähig, ich möc;te wohl von Br. Cohn die genaue Rechnung haben über sämmt 'liehe Jahresausgaben und wahrscheinlichen Einnahmenei ier derartigen Wirthschaft. Ich bin überzeugt, es käme ein klägliches Resultat, ein mehr als karger Arbeitsverdienst für Frau und Kinder heraus,. und dieses bei schwerster^ ingewohnter Arbeit. Ich will meine Glaubensgenossen hundert Mal lieber als Handwerker, denn als Besitzer so elen ler Kleinwirtschaften sehen. Beim Handwerk ist der Msnn bei einiger Tüchtigkeit doch im Stande, für den Unterhalt der Familie alleiu zu sorgen, und hat die Frau Zeit 5ur Erziehung der Kinder und Pflege der Wirthschaft, wogegen bei dem in Aussicht genommenen Kleinbetrieb der Laidwirthschaft dem Juden ein schweres Loos aufgezwungen wird, nur damit gesagt werden kann — seht, wir Juden betheiligen uns am Ackerbau des Landes". — Nun kommt die Frage der Pachtungen kleiner Wirtschaften. Hierzu gehören bei 50 Morgen Pachtkaution auf 1 Jahr .' . . Mk. 500 Inventar und Vieh......„ 3750 Betriebskapital ...... . . H 1250 . Sa. Mk. 5500 Nach allen Erkundigungen halte ich diese Pachtun nicht für lebensfähig, bei!-der ersten geringen Ernte wäre Sadte zu Ende, und doch ist das nothwendige Kapital Mk. 5500 gewiss nicht klein zu nennen. Wir haben nun zu untersuchen, ob die Beamtenliufbahn in der Landwirtschaft den Juden Deutschlands Aussicht bietet. Ich bin der Meinung, dass sich dieses nur für wohlhabende junge Leute eignet, zur Sammlung von Erfahrungen, um späterhin ein eigenes grösseres Gut mit Vortheil bewuth schaffen zu können. Es ist ein grosser Ueberschuss von landwirthschaftlic len Beamten vorhanden, dieselben werden schlecht bezahlt und bessere Stellungen sind schwer zu erhalten, für Juden wahrscheinlich sehr schwer. — Es bleibt der landwirtschaftliche Grossbetrieb. \Ver genügend Mittel, Lust und Kenntnisse besitzt, mag sich rem zuwenden, er wird dabei seine Rechnung finden. Aber auch dieses muss aus sich selbst entstehen, denn diese bevorzugten Kreise werden sich durch äussere Einflüsse nicht bestimmen lassen, irgend etwas zu tun oder'zu unterlassen. Ifen die von Nun giebt es allerdings einen ".Z<veig der Landwirt^ schaft,: der bei Tüchtigkeit,'- Ausdauer und genügendem,; Kapital Aussicht bietet, nicht 'nur zu einer Existenz, sondern unter günstigen Vorbedingungen und Glück, auch zu einer bedeutenden Zukunft, Ich meine die Gartenkultur. Hierzu ist Ahlem als Vörtaihliuigsstation ernsthaft zu empfehlen und später weitere Ausbildung bei unseren Samenzüchtern zu suchen; " .'. Bei der Selbstständigmachung muss der Acker, sowie die Lage der Wirthschaft selbstredend sorgfältig gewählt werden, ' die Nähe grosser Städte wird dabei immer vorzuziehen sein. — i' Das statistische Jahrbuch 1898 Stellt Seite 12 und 13 fest: Es giebt ländliche Arbeiter-}nit Familienangehörige' 1895 : 10 208 615gegen 1882 10 988!'59 also Abnahme in "13. Jahren - 780 34k gegen eine Zunahme beis.runmtTichen 'Erwerfcszwsigen von, insgesammt 2 200 000:. .V Dasselbe Buch bringt Seite 14 und i5: Gesammtzahl der in der Landwirts« haft Erwerbstätigen, Dienenden mit'Familtenangehörigeii Deutschlands * 1895!; 18 501 307 ' gegen ls82 - 19 235.455 also weniger in 13 Jähren 734 148 Personen umT dieses Missverhältniss l>ei -Bevölkerungszunahme in der betreffenden Zeit von 45 222 113 auf 51 770 284, also Zunahme 6 V2 Million. ■; .*," Welche Zustände müssen herrschen, wenn trotz einer Bevölkerungszunahme von ß'/j- Millionen eine derartige Verminderung in der Landwirtschaft stattgreifen konnte und dabei fällt diese •Verminderung; nur auf Preussen, die, anderen deutschen Staaten haben ihren"-allen Stand behauptet. Es ist also klar: „die Gesaminteit der Bevölkerung Deutschlands wendet siclr mehr und meht der Landwirtschaft ab und lohnenderen Beschäftigungen zu, und da sollen nun wir Juden eintreten? — ■ 1 . Uk. Wenn ich nun durch meine Erörterungen auch manche lie Voraussetzung und '-Illusion zerstört habe, glaulie ich als, praktischer Mensch doch. das. Richtige getroffen, das Erreichbare gezeigt und vor t'ebertreibung gewarnt zu haben;'1. — möge sich Jeder seiner Verantwortung bewusst sein. fajlscl alte, p Zu dem Artikel Der Freimaurerbund und der Orden „Bnei Briss" in unserem Bericht No. -8von 1898 glauben wir noch folgende zwei Entgegnungen" Veröffentlichen zu sollen und erachten hiermit diese Angelegenheit für erledigt: .* ■*- J- —" r . .. .; . •/;,;';-;;^;: ■■■ ' . Auf den unter diesen Titel .in deT „Maurerzeitung Bauhütte" von Ignaz Creizen ach-Frankfurt veröffentlichten Artikel erlaube ich mir Folgendes zu erwidern: Ich betrachte es als-. ein erfreuliches Zeichen, als eine stillschweigende Anerkennung" der Thätigkeit des Bnei Briss-Ordens, dass.. gerade die deutschen Freimaurer

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