Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 1 - Februar
- Date
- 1899-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Auf Seite 10 des Referats wird Prof. Götz als Autorität herangezogen, dass die deutsche Landwirtschaft in der Lage sei, den Bedarf des Landes an' Brotgetreide selbst zu produziren Ich widerspreche dem entschieden. Wohl ist die Produktion zu hel>eu, aber nicht eiumal im Verhältnis* zur Bevölkerungszunahme des Landes, um wie viel weniger aber um die jetzt .einzuführenden Mengen. Nehmen wir die Statistik zur Hand. •' *. Im Jahre 1^96 wurden 'eingeführt: Weizen .- . Koggen . . Hafer . . Gerate . . . [Haid . .. Hülsenfrüchte TWfriichte .' Meld '£ . 17 580 Dopp.-Ctr.' lä562Of!0 „ 5 680 790 _„ t0s'MI.ÜMl K $534 060 rm i ' «r, 130 „ / %ßg& 130 r>28 2**D Sa. 64 772102 Dopp.-Ctr. 12:! .VI 4 3:2m Ctr. im ungetähren Werthe von 1 Milliarde Mark. Dagegen war im Jahre ls>6 die Ausfuhr für die bezügli. hen Fruchtarteu ü 743 920 Dopp.-Ctr. '13 487 840 Ctr, Die Etafahr überwiegt also um 110 056 400 Ctr. im Weite von ungefähr 900 000 000 Mk. * -O ' m Um diese Zahlen richtig zu würdigen, stelle ich fest, das» die eigene Ernre Deutschlands in den betreffenden Fruchtgattungen nur 356 9S2 600. Ctr. lietrug, dass also ein Quantum gleich dem dritten Tlleil unserer eigenen Ernte zur Einfuhr gelangeu inuss, um den Bedarf Deutschlands zu decken. Wo soll nun «las Land hergenommen werden, um diese ungeiteiueu Mengen noch zu gewinnen? und was hat es damit zji thun. ob die .Juden ^Landwirtschaft betreiben? Mir ist es unverständlich. — pk&i es aus wirthscliaftlichen und sittlichen Gründen Bichl angebracht ist, die jüdische Bevölkerung Deutschlands der Landwirtschaft als dienende Arbeiter zuzuführen, glaube ich bewiesen zu haben,, diese-würden aach bald keine Juden mehr feat.. — Ks kommt nun die Frage, ist es angebracht, dass die jtdisclje Bevölkerung unseres Landes sich dem Kleinbetriebe in der Landwirtschaft zuwendet? Zur Herstellung dieser Frage habe ich *rir durch eingehende Fragebogen Information bei einer Reihe anerkannt nichtiger, praktischer Autoritäten der Landwirtschaft verschafft und stehen die Original-Antworten bei hiir zut Einsicht frei. Diese ergeben folgendes Resultat: . - Eine Familie, welche sich durch eigene Arbeit, ohne fremde Volks&räfte in der Landwirtschaft ernähren soll, benohtjgt: bei lie-tein Boden in Magdeburger Gegend 80 Morgen Luid ä Mk. 100$ Mk. 20000 Wirtschaftsgebäude . 1 „ 10000 Inventar ind Vieh . . . ..... . . I * „ 2000 Betriebskapital .'. ......... L „ 1000 Sa. Mk. 33000 Hierauf darf nicht mehr als höchstens Mk. 10 000 Schulden ruhen, .-onst ist der Verfall unausbleiblich. Bei unausgesetzt schwerer Arbeit kann diese Familie sich sehr bescheiden ernähren, ein Vorwärtskommen ist sehr unwahrscheinlich. Alle diese Wirtschaften fallen in kürzerer oder längerer Zeit dem Verkauf an den benachbarten Grossbesitz auheim. — In mittleren und leichten Boden gebraucht eine Familie zur Erhaltung: 50 Morgen Acker und Wiesen ä 300 Mk. 15 000 Wirtschaftsgebäude . . . . . ( \, 10 000 Inventar und Vieh ..... „ 4 000 Betriebskapital...... ,,;'l 000 Sa. Mk. j)0 000 Hierauf darf höchstens Mk. 7500 Schulden ruhen, wenn kein Zusammenbruch erfolgen soll. Nur durch fortgesetzt schwerste Arbeit, sparsamste Lebensführung können sich diese Wirtschaften erhalten. Es liegt nun auch die Möglichkeit vor, iu den östlichen. Ansiedlungsgebieten jüd. Kolonisten bäuerliche Besitzungen zu beschaffen. Angenommen, ein grosses Gut von 5 000 Morgen würde zur Bildung von 100 Wirtschaften verwendet, dann stellt sich folgende Rechnung für je eine Stelle: 50 Morgen Laiid.i 200 . . . . . Gebäude . j ....... . Inventar und jvieh . ..... Betriebskapital....... SaT Mk. 10 000 5 000 3 750 1 250 Mk. 20 000 Die Landbank würde mit einer Anzahlung von Mk. 5 000 zufrieden sein, der Rest könnte durch Amortisation getilgt werden und j so die Wirtschaft nach .Jahren freies Eigenthum werden.. Die Lahdbank würde auch sonst alle möglichen Erleichterungen gewähren, natürlich würde je^les ohne Schonung seine Stelle» verlassen müssen, bei Nichterfüllung der eingegangenen Verpflichtungen. Diese Ansiedler müssen in allerschwerster Weise mit ihren Familiengliedern arbeiten, und dabei ein karges Leben führen, um bestehen zu können. Eiu Vorwärtskommen ist nach meiner Ansicht nur möglich, wenn das jFamilienhaupt ein Handwerk erlernt hat und betreibt, und hierdurch der Wiithschaft baare Mittel zugeführt werden. Sie sehen aus raeinen Dai legungen, dass selbst zu den kleinsten Betlieben veihältnissmässig giössere Mittel gehören, die Existenz ist schwer, wer Neigung dazu hat, mag sich dem zuwenden, in künstlicher AVeise durch Agitation dieses herbeizuführen, kann ich nur abrät heu, Enttäuschungen, ja Elend wäre unvermeidlich. — Im Uebrigen würden auch diese Bevölkerungsschichten entfremdet sein. Die Hauptsache aber ist, dass zur Schaltung von nur 3000 solcher Betriebe, nach den vorhergegangenen Berechnungen Mk. 61 750 000 baarer Mittel gehören, und zwar bei einer Schuldenlast von Mk. 31 250 000. Wo ist der Baron Hirsch, der diese ungeheuren Summen zur Verfügung stellte und was soll schliesslich aus der Nachkommenschaft werden? — Proletarier! Meine, bisherigen Ausführungen gründen sich auf die Urteile Sachverständiger und auf meine eigenen Erfahrungen, und nun kommt mir der Bericht Xo. 7 der Grossloge zur Hand, welcher sjcn an verschiedenen Stellen mit der Bewegung ihr Bodenkultur beschäftigt. Für unsere Be-