Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 1 - Februar
- Date
- 1899-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN, im Februar 1899. No. 1. Bericht der Grossloge für Deutschland | U. O. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel a 'S us diesen Berich t e n: ,v e r bo-l en. Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619, Wilhelmstrasse 118. Sollen die Juden Deutschlands sich der Bodenkultur zuwenden? t * 1.1 * * *. Aus einem Vurtrage <les Kx-Pi ii<. Br. Cr. Heyne.mftnn-i^agdeburg, Man kann den Bestrebungen des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands sehr wohlwollend gege^nübei stehen, man kann die feste- Ueberzeugung haben, dass nur durch Erfüllung dieser Bestrebungen die vollständige Verschmelzung unseres Stammes mit der Mehrheit unserer Mitbürger zu erreichen ist, und darf trotzdem nicht über die entgegenstehenden Schwierigkeiten hinwegsehen. Nicht nur diese Schwierigkeiten will ich einer Erörterung unterziehen, sondern mir auch darüber Rechenschaft ablegen, ob das angestrebte Ziel überhaupt ausführbar, und.feiner ob solches wirklich auch erstrebenswetth ist. Der Verein hat Circulare zum Beitritt erlassen, «ich die Sache dabei leicht gemacht, indem er die Notwendigkeit des Werkes als selbstverständlich voraussetzt und die Ueberführung eines grossen Theils' deutscher Juden zum Betriebe der Bodenkultur als ernsteste Forderung hinstellt. Beigegeben ist das Referat des Br. Tuch Br. Tuch will sicher das Beste, aber er ergeht sich zu viel in theoretischen Betrachtungen, und doch entscheiden in wichtigen Fragen nur Thatsachen und bei der Frage, die uns heute beschäftigt, nur Zahlen. Denn ob Juden Ackerbau treiben sollen, ist keine Sache der Politik, der Ethik; der Religion oder Gleichberechtigung, sondern in letzter Instanz eine Frage des Magens und sollte einfach lauten: „ist es möglich, und wie ist es möglich, dass Juden sich durch Ackerbau ernähren können?" Doch bleiben wir vorerst beim Referat des Br. Tuch und halten uns au das' Thatsächliche. Auf Seite 2 des Referats wird hervprgehobeu, dass in Russland 95 000 Juden Ackerbau treiben, und zwar bei einer jüdischen Bevölkerung von insgesammt 5 Millionen, wogegen in Deutschland unter?/, Million Juden sich nur 3200 Ackerbau treibende sich befinden. Von Letzteren sind die Hälfte selbstständig, die Hälfte dienend. Danach würden die deutschen Juden nur zu einem Drittel gegen die russischen Juden am Ackerbau ihres Landes betheiligt sein. , Aber ist denn hier ein Vergleich zu ziehen, liegen denn nicht ganz verschiedene Verhältnisse vor? — Mau vergegenwärtige sich-' die ausserordentliche Armut h der Juden Russlands, eine Noth, welche es schon.als Wohlthat erscheinen lässt, irgend welche Arbeit, irgend welchen Verdienst zu finden, wenn auch noch so gering. So arg liegen die Ver- ' ~ ■ — - w * ■* ■ ' '■ ■ ■ * . ' ' . >* '■ r hältnisse in Deutschland denn doch nicht, hier hat fast Jeder einen festen Beruf und auch meistens ein Einkommen, welches gegen den Arbeitsverdiehst dienenden Kräfte in der Landwirtschaft als hoch zu bezeichnen-ist, "Hervorheben will ich auch, .dass die Landwerthe in Russland mit den Werthen in Deutschland nicht in Vergleich *ü stellen sind. *• Z. B. brachte der Verkauf der, Fürstlich' Hohenlohesoheu Güter nur 2 500 000 Rubel für «las riesenhafte Areal von f72 000 Morgen bestes Ackerland und Wald. Also - nur 15 Rubel -pro Morgen — wo sind in Deutschland ähnliche Verhältnisse zu finden? Der Hausirhaudel überwiegt' auch bei den Juden^ Deutschlands nicht in der angenommenen gefahrdrohenden Weise. Auf Seite 5 wird die Zahl'der jüdischen Hausirer mit 3075 angegeben, also ungefähr mit ';//„ %• der gesarainten jüdischen Bevölkerung Deutschlands, ich kann "hierin nichts Ausserordentliches finden, eine HerabnHiidentug ist dabei immer anzustreben. . ■ Auf Seite 7 des Referats werden die Kapitalansammlungen in Industrie, Oeditwese.n und Handel hervorgehoben, ja liegt denn dieses bei der Landwirtschaft besser? ( Sehen Sie sich doch um in unserer Provinz, M iß der mit technischem Gewerbe vereinteGrossgrundbesitz die kleineren,- bäuerlichen Besitzungen immer mehr und mehr aufsaugt, eseiistirt ja dagegen das Anerbegesetz, das Höferecht, aber derai tige,8trömungen lassen sich zwar zurückdrängen — aber nicht beseitigen. Gewiss giebt es tüchtige Lainhr irthe jüdischen Glaubens, als Beispiel nenne ich nui -Mankiewicz-Falkenriede, diese,- mit genügender Kapitalkraft* und tüchtigen Kenntnissen ausgestattete, über grosse Flächen fj^bjetende' Männer sind allerdings Vorbilder. Wer Kapital,. Lust und Kenntnisse besitzt, mag diesen Männern folget,. er 'wird dabei-nicht schlecht fahren. . \. Anders aber verhält es >ich mit dem Kleinbesitz, l'nausgese'tzt fleissige Arbeit,-gftfsste. Bedürfnislosigkeit bei verhältuissmässig grossem Kapital j werden - wohl eine Existenz ermöglichen, ohne aber eine bessere Zukunft zu bieten, und was soll schliesslich bei zahlreichel Nachkommenschaft werden? etwa ländliche Arbeiter? Haben «ich die Gründer des Vereins klar gemacht, unter welchen Bedingungen diese zu arbeiten haben? Die Männer/. Verdienen pro Tag 1,40 bis 3 Mark, die Weiber 60 Pf. bis 2 Mark, dieses aber nicht etwa bei voller JahresbeschäfHgung. Die Wohnungsverhältnisse ländlicher manchen Fällen nicht frei von-Bedenken Sittlichkeit. Arbeiter sind in in Bezug auf die