Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 9 - Dezember II
- Date
- 1898-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ganz be gesetzt den Ein grosser Theil der Logen hat es für einen sonderen Vorzug erachtet, und seinen Stolz darin gleich mit einer. möglichst grossen Mitgliederzahl in Verband des Ordens Bnei Briss einzutreten. Ein weiterer Theil unserer Logen glaubt dem Ansporn zur Propaganda nicht besser entsprechen zu können, als dass er sich auf der steten Suche nach neuen Mitgliedern befindet,- um so der Grossloge mit einem ansehnlichen Mitgliederstande auf warten zu können.. Um dies zu erreichen, um möglichst viele Mitglieder' heranzuziehen, darf man naturgemäss nicht sehr wählerisch sein und so kommt es denn, dass jeder Mann, gegen den in Bezug auf seinen Ruf und seine Lebens Stellung im Allgemeinen nichts einzuwenden ist, schlankweg Mitglied der Loge werden kann und auch wird, sofern er nur als bemittelt genug sich erweist, um die mehr oder weniger grossen Ausgaben zu bestreiten, welche m l der Zugehörigkeit zu einer Loge verbunden sind. Die?olge dieser Weitherzigkeit bei der Aufnahme von Mitgliedern ist nun die, dass zwar die betreffende Loge nach aussen hin sich recht stattlich durch ihre grosse Milgliederzahl prä sentirt, dass sie dafür aber nach innen als eine Gesell;chaft sich darstellt, welcher der homogene Charakter, wie ihn eine Loge besitzen soll, vollständig abgeht. Die gesell schaftliche Kluft, welche zwischen den Mitgliedern ma icher Logen besteht, ist glieder stehen sich eine derart infolge des grosse, die einzelner Mitgrossen Unterschiedes in dass »lieh überihrer sozialen Stellung ausserhalb der Loge so ferne, von einem Gefühle brüderlicher Zugehörigkeit untereinander bald keine Rede sein kann. So lange die Loge unc das Logenwesen für' die' Brüder den Reiz der Neuheit h it, so lange insbesondere die Begeisterung für die neue Idee noch glüht, so lange machte sich die Ungleichartigkeit nicht bemer kbar; sie kommt erst zu Tage, sobald man aus der allgemeinen Festes- und Gründungsstimmung in die nüchterne Alltä keit eintritt. Da mag denn bald dieser oder jener die raschende Wahrnehmung gemacht haben, dass er sich in einer Gesellschaft befinde, mit der er bei aller Ehrbarkeit derselben doch nichts weiter gemein habe, wie die G heit des Glaubens und der dadurch gegebenen Gleichheit allgemeiner Bestrebungen. Da ist es denn leicht begreiflich, dass diese Leute in der Loge im Verkehr mit den Br idern nicht so heimisch sich fühlen, wie es die Grundsätz» der Brüderlichkeit und Eintracht erforderten, und weil sit in dem Kreise nicht heimisch fühlen, darum bleiben si; der Loge fern. Mit diesen'Thatsachen muss man bei den besteht nden Logen, soweit sie in den gerügten Fehler verfallen sind, rechnen; es lässt sich vor der Hand daran nichts ändern. Um so mehr aber muss man sich dieselben bei Grürdung neuer Logen zur Warnung dienen lassen und mit Eifersucht darüber wachen, dass die Mitglieder möglichst auf gleicher gesellschaftlicher Stufe stehen. , Allerdings wird danr neue Loge nicht mit einer so stattlichen Mitgliederzah imponiren, wie die früheren Gründungen, dahingegen sie für das, was ihr an Zahl abgeht, durch den festeren Anschluss der Mitglieder unter einander, durch das verstirlfte Gefühl der Zusammengehörigkeit und durch das grössere Interesse an den gemeinsamen Arbeiten, mehr wie reichlich entschädigt werden. Wenn dife Brüder, welche für die Gründung einer nleuen l " die uns wird Loge bemüht sind, die Hoffnung aussprechen, es werde gelingen, die andern betreffenden Platz sosehr in denVordergrund gestellten gesellschaftlichen RangUhterschiede — wie eswörtlich in No.'ö des Grosslogenberichtes pro 1898 heisst — £u überbrücken, so möchten wir auf G/und der bisher gemachten Erfahrungen doch davorwarnen, jdiese Gegensätze zu verkleistern und Leute zu ein«r Gesellschaft zusammen zu schweissen, die absolut nicht zusammen passen. Man wird uns hier entgegenhalten, dasseine solche Rigorosität bei der Aufnahme von, Mitgliedern, diese Betonung und Berücksichtigung der gesellschaftlichen Stellung der Brüder ausserhalb der Loge im Widerspruch stehe, mit den Grundsätzen unseres Ordens. , Dies ist -indess nicht* der Fall. Die vornehmsten Grundsätze unseres Ordens in Bezug Verhalten" der Brüder untereinander sind: Eintrac Bruderliebe.- Gelangt' man zuder Erkenntniss, wahre Eintracht und Bruderliebe -nur auf dem vorgeschlagenen Wege zu .erlangen ist, so erfordert ejnfach das Prinzip der Selbsterhaftung diesen Weg zu betreten. Wir wollen wahre, aufrichtige Eintracht und Bruderliebe; wir wollen uns nicht mit derir leeren Wort begnügen. Ein weiterer Gründ, welcher den '.Logenbesuch nach*- theilig beeinilusst; lieget .in dem zu -rossen Centralisationsbestreben der Logen. Je kleiner die Lege ist, -um so intimer ist die Fühlung, welche'die einzelnen Brüder untereinander haben, um so häufiger hat der.eitfeeme. Bruder die Gelegenheit in der_ Loge selbst das Wort zu ergreifen,' seinen Rath auszusprechen und sich selbst in Logenangelegenheiten zu bethätigen. Geht die . Zahl der Mitglieder über ein gewisses.. Maass hinaus, dann lockert sich.naturgemäss das. Band der Intimität unter den Brüdern; in den Sitzungen werden in der Regel nur einzelne. besonders befähigte Personen als Redner hervortreten, die Mehrzahl der Brüder, die grosse Masse kommt gar nicht zur Geltung. Bei solcher Sachlage erschlafft dann in der Regel das Interesse der Brüder an den Logensitzungen und die Mehrzahl bleibt derselben ferne, weil ja doch die Anderen die Sache schon besorgen werden. Es muss demnach an die Stelle des Prinzips! der Centralisation das der Decentralisalton . treten, dergestalt, dass jede Loge eine bestimmte-Mitgliederzähl .nicht übersteigen darf. Demgemäss müsste man darauf bedachtsein', gerade in den grossen Städten an Stelleeiner einzigen grossen Loge, deren mehrere erstehen zulassen r~ wie dies ja auch in Berlin der Fall ist — und immer wieder, falls eine Loge eine gewisse Mitgliederzahl .erreicht hat, Mr Gründung einer neuen ^oge schreiten, indem die bestehende Loge zur Gründung der neuen Loge eine Anzahl ihrer. Mitglieder als Stamm abgiebt. '■- .' i . S. ' - «. Die Befürchtung, dass durch die Detentralisation, durch" die Begründung vieler kleiner,; statteinzelner' grosser Logen, es der einzelnen Loge nicht rnehr möglich sein würde, sich mit grösseren Aufgaben zu befassen, weil hierzu die Kräfte und Geldmittel nicht ausreichen, ist eine durchaus unbegründete. Hier körinen wir auf jene ..bewährte Taktik verweisen: „Getrennt marschiren, vereint schlagen". Sobald grqsse Aufgaben zu .lösen sind, welche die Kraft der einzelnen Loge übersteigen, müssen sich mehrere Logen zu 1 gemeinsamer Thätigkeit verbinden und — wenn eine solche Verbindung* infolge des Widerstrebens der angerufenen Loge