Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1898-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 93 .•:"•! i'; ) schehen, um die Macht der Wunderrabbiner zu brechen, die ein Interesse daran haben, das Volk in seiner Dummheit zu erhalten. Die Verhältnisse liegen dort heute schlimmer, als bei uns vor hundert Jahren. Damals hat der Geist eines Moses Mendelssohn das deutsche Judenthum wach gelcüsst Wann wird der Geistesfürst erscheinen, der dort das schlafende Domröschen erweckt? — Am 13. November erfreute Uns Br. Dr. Schlesinger mit einem Vortrag „Ueber jüdischen Chauvinismus". Redner geht davon aus, wie schwierig es sei, zu einem unanfechtbaren Ergebniss zu gelangen, wenn man sich selbst mit einem anderen Menschen vergleicht. Die Schwierigkeiten wachsen beim Vergleich des eignen Volkes mit einem anderen Trotzdem steht der Chauvinismus in allen modernen Kultur Staaten in üppiger Blüthe. Auch das jüdische Volk hat seine Chauvinisten, welche meinen, sie seien das erste Volk und in intellectueller und ethischer Hinsicht allen überlegen Die Lehre vom „auserwählten Volk" kann als religiöses Dogma dem Aussenstehenden gegenüber nicht als überzeugender Beweis der Superiorität geltend gemacht werden., Nun ist sicher, dass die jüdische Intelligenz nach jeder Richtung hin Gewaltiges geleistet hat, aber dass die Juden die intelligentesten von allen seien, ist nicht erweislich. In socialer und ethischer Beziehung ist ein Gesammturtheil nicht möglich;. denn ein grosser Theil der Juden steht durch den Druck, der auf ihm lastet, auf niedriger Stufe der Civilisalion (Russland, Rumänien) Die westlichen Juden stehen unter dem Zeichen des Antisemitismus, der Gutes und Böses für die Juden geschaffen hat, Böses besonders insofern, als er zu einer erheblichen Fahnenflucht geführt hat, obgleich der moderne Antisemitismus nicht entfernt mit den Judenverfolgungen des Mittelalters sich vergleichen lässt. Die Judentaufen haben dreierlei Motive: Liebe zu einer andersgläubigen Person, Ehrgeiz oder der Wunsch gesellschaftlicher Gleichberechtigung. Die beiden letzten Kategorien handeln unmoralisch und unvernünftig Schon diese Umstände mahnen zur Bescheidenheit. Auch die Volksgesundheit speciell der deutschen Juden giebt zu denken. Die einseitige Kopfarbeit führt zu Nervensystem erkrankungen, mit denen die Juden besonders schwer belastet sind. Daher sind die Bestrebungen zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden sehr beächtenswerth. Es ^ist also der jüdische Chauvinismus zu verwerfen Dagegen thut ein auf vernünftigen Erwägungen beruhendes Selbstbewusstsein noth, das nicht an der Zukunft des Volkes verzweifeln lässt, sondern zu ernster schwerer Arbeit stachelt, damit das sociale und ethische Niveau des Volkes sich immer l steigert * In unserer Sitzung vom 20. November hatten wir das Vergnügen, einen Vortrag des Br. Rabbiner Dr. Grünfeld- Bingen, von der Rhenus-Loge in Mainz .Ueber die soziale Frage im alten Judenthume* zu hören. Redner begründete ausführlich, wie der Grundsatz: Freiheit und Gleichheit für Alle und innige Brüderlichkeit unter Allen dort in der ganzen sozialen Einrichtung und religiösen Gesetzgebung durchgeführt und respektirt war. Das sittliche Prinzip der Arbeit war erkannt und stets hochgehalten. Das Golteswort „Im Schweisse Deines Angesichtes sollst Du Dein Brot essen" galt nicht als Fluch, sondern als Segen, und Jedermann, unsere grössten Gelehrten nicht ausgenommen, widmete sich der Arbeit. Während die übrigen Völker des ai Alterthums nur durch ihre Sklaven Arbeiten verrichten Hessen, da sie dieselben des> freien Mannes unwürdig hielten, war im Gegensatz hierzu im alten Judenthume der Arbeiterhochgeachtet. Die Milderung und vorzüglichste Ausgleichung sozialer Gegensätze war erstrebt und erreicht durch die Agrargesetzgebung, Erbgesetzgebüng, durch, die Gesetze betr. Pfandleihe, Armenschutz, Sklavenrecht ü. a. m. Jeder war an den intellectuellen und ethischen Schätzen' der Kultur betheiligt, sogar dem Thiere als Mitarbeiter des5 Menschen war Schutz und Erholung gesetzlich gewährleistet; Ebenso war die öffentliche Gesundheitspflege in einer Weise geregelt, die heute noch das Erstaunen unserer modernen Hygieniker erregt. Das alte Jndenthum huldigte dem Prinzip: Brot für Alle, Bildung für Alle, Freiheit für Alle. Die soziale Frage konnte also nicht acut werden und zu den schweren sozialen Kämpfen, wie wir sie heute sehen, könnte, es damals nie kommen. * .-.^-'t »- ,•,'.-.(< « ' Unitas-Loge, Strassburg ii;E. Seit Mitte October hat die Unitas-Loge ihre Thätigkeit für das Arbeitsjahr 1898/99 begonnen und harren ihrer viele-Aufgaben, deren Lösung in anderen Gegenden unseres Distriktes leichter ist wie hier. Gelegentlich des Besuches des Hoehw. Grosspräsidenten bei uns, der bei allen unseren Br. Br. noch in freudiger Erinnerung ist, wurde das Feld unserer Thätigkeit nach allen Richtungen hin beleuchtet, und es -wurde anerkannt, dass* unsere Erfolge von einem anderen Standpunkte zu betrachten seien, wie bei den Schweste'rlogen» Da die Ursachen der sich uns entgegenstellenden Hindernisse, besonders^bei der Propaganda, auf einem Gebiete liegen, dessen Behandlung nicht Aufgabe des Ordens ist, gehe ich nicht weiter auf diesen Punkt ein. ' % Wir hatten auch in diesem Jah grosse Zahl Kinder zu einem Genesungsaufenthalt nach Nauheim schicken zu können. Die hierzu waren durch die Chanükaspende autgebracht worden. Der Erfolg bei den Kindern war, wie ärztlich const'atirt wurde, ein in jeder Beziehung zufriedenstellender. Winters wollen wir versuchen, nach- ••"tr- - i * - » dem wir bereits in der vorigen Session uns mit diesem Gegenstand beschäftigt hatten, den Hausbettel am hiesigen Platze zu beseitigen und eine.Zentralstelle zur Unterstützung Bedürftiger zu schaffen. ' Wir wollen versuchen adf den Religionsunterricht Einfluss zu bekommen um denselben, " wo er mangelhaft ist, verbessern zu können. Da. einflussfeiche Br. Br. Mitglied der Gemeindeverwaltung sind, glauben wir mit beitragen zu können, das erstrebte Ziel zu erreichen. fc Durch Vorträge, welche auswärtige Redner wie auch hiesige Br. Br. zu halten versprachen und zu welchen Aussenstehende zugelassen werden sollen, werden wir versuchen für unsere Sache Propaganda zu machen. » So weit bis jetzt zu beurteilen ist, darl angenommen werden, dass diejenigen Br. Br., welche bisher regelmässig die ^ogensitzungen am Samstag besuchten, auch am Sonntag kommen dürften. Ob aber solche" Br. Br,., deren Interesse an unseren Arbeiten erlahmt ist, am Sonntag mehr Zeit für die ^oge zu opfern gewillt sind wie bisher, scheint recht zweifelhaft. , Im Grossen und Ganzen hat die. Unitas-Loge keine Ursache, mit dem Besuch der Logenabende, im Vergleich die Freude, eine und Erholungs- Mittel