Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1898-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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schienenen Aufsatz: .Der Freimaurerbund- und der Orden Bnei-Briss", aus welchem namentlich der Umstand von grösstem Interesse für uns. ist, dass sich der Freimaurerbund mit unserem Orden beschäftigt, ohne dass wir bislang eine Ahnung davon gehabt haben. Es wurde in dem Artikel besprochen, dass die Grosslogen der Freimaurerei in Deutschland schon vor Jahren die Frage ventilirt haben, ob sich die Zugehörigkeit zum Ordens Bnei Briss mit der Eigenschaft als Mitglied des Freimaurerbundes vereinigen lässt, dass eine namhafte Anzahl von Mitgliedern derjenigen Grosslogen, für welche diese Angelegenheit überhaupt einer'Beschlussfassung unterlag, sich nicht abgeneigt zeigte, diese Sache in günstiger Weise zu behandeln, dass jedoch schliesslich die ablehnende Ansicht die Oberhand behielt. Eine eingehende Besprechung dieser Angelegenheit wird noch stattfinden. In seinem diese Sache behandelnden Vortrag wies Br. Schwartz besonders noch darauf hin, dass der 13 Oktober d. J. sang- und klanglos vorübergegangen sei, der Tag, an welchem vor 56 Jahren unser Orden in Amerika gegründet wurde und dass es charakteristisch sei. dass niemand an diesen Geburtstag erinnert habe, dass selbst die Grossloge darauf nicht aufmerksam gemacht habe, wie dagegen ganz anders das Johannisfest von der Freimaurerei hochgehalten und verehrt werde und wie man bestrebt sei, an diesem Tage in einer Stadt zu sein, wo sich eine Loge befindet, um vereint mit Brüdern die Freude zu geniessen, welche dieser Tag mit sich bringt. . - Infolge Einladung der Verwaltungs - Kommission der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer, hier,' zu der Feier ihres 5o jährigen- Bestehens am- 7. November 1898 wurde beschlossen, an diesem Tage die Logensitzung ausfallen zu lassen, um den Brüdern Gelegenheit zu geben, sich an dieser Jubelfeier zu betheiligen. Der Br. Expr. Dr. Bergmann hat als Delegirter der Loge unsere Glückwünsche zu dieser seltenen Ehrenfeier überbracht und dabei die Hoffnung ausgesprochen, dass die verdienstvolle Thätigkeit der Anstalt in immer weiteren Kreisen Förderung und Unterstützung finden möge! Frankfurt - Loge in Frankfurt a. M. Nachdem die Brüder erholt und erfrischt aus den Ferien zurückgekehrt, sind wir mit Eifer an die Arbeit gegangen und haben heute schon von einer ganzen Anzahl belebter und interessanter Sitzungen zu berichten. Ganz besonders hat die Frage, wie wir die Noth und dem Elend armer und unglücklicher Brüder am besten und zweckmässigsten zu steuern vermöchten, ejnen breiten Raum in unseren Verhandlungen eingenommen und' war es hier die traurige Lage unserer galizischen Glaubensgenossen, die uns nach verschiedenen Richtungen hin beschäftigte. Infolge von Denunciationen waren im Laufe des verflossenen Sommers in unserer Stadt Ausweisungsbefehle an einige hundert galizische Familien ergangen. Den vereinten Bemühungen hiesiger angesehener Glaubensgenossen und Korporationen gelang es, die Ausweisungsprozedur im Allgemeinen zu mildern und eine grosse Zahl von Ausweisungen rückgängig zu machen. Wir halten es nun für unsere Pflicht, das geistige und sittliche Niveau der hier verbleibenden Familien zu heben, und führten unsere Beralhungen zu dem bereits in praktische Wege geleiteten Beschluss, abgesehen vorr der materiellen Stützung dieser Armen, vor allem dafür zu sorgen, dass sie sich acclimatisiren, dass sie — und zwar Junge wie Aeltere — sich die Kenntnisse des deutsch Lesens und Schreibens erwerben. Hierdurch sollen sie nach und nach für unsere deutsche Kultur gewonnen und in den Stand gesetzt werden, allmählich den leidigen Hausirhandel aufzugeben . und sich einem besseren Erwerbszweige zuzuwendq*. Der Unterricht wurde von dem von der Loge s. Z. ins Leben gerufenen Jünglingsverein „Montefiore" bereitwilligst in die Hand genommen und sind wir mit dem Resultat bis jetzt sehr zufrieden. In der Logensitzung vom 3. November entwarf unser Br. Expräs. Julius Plotke ein erschütterndes Bild von der jammervollen Lage der galizischen Juden in ihrem Heimathlande. Unter dem aut ihnen lastenden Jahrhunderte langen Drucke, der sich in den letzten Jahrzehnten in unerträglicher Weise gesteigert hat, ist die jüdische Bevölkerung Galiziens materiell und moralisch verkommen, während sie früher, in der Zeit der Freiheit ein materiell glänzendes Dasein führte und intellectuell und moralisch sehr hoch stand. Unsere galizischen Glaubensgenossen verdienen also wohl unsere volle Theünahme, denn5 nur unter dem Drucke der Verhältnisse sind sie so weit herabgesunken. Es giebt aber noch einen Grund, der ihnen ein Anrecht auf unsere Hülfe sichert und der besteht darin, dass die galizisch-polnischen Juden unsere nächsten Verwandten sind. Als im Jahre 1348 der schwarze Tod seine schauerliche Ernte in Deutschland hielt, beschuldigte man die Juden, durch Brunnenvergiftung denselben hervorgerufen zu haben. Infolge dieser unsinnigen Anschuldigung wurden Tausende von Juden hingeschlachtet, ausgeraubt, vertrieben, und ihre Häuser den Flammen übergeben. Diejenigen, welchen es gelang ihr nacktes Leben zu retten, suchten die polnische Grenze zu erreichen und ■hier in Polen wurden sie von Kasimir dem Grossen mit offenen Armen aufgenommen: Lange Jahre lebten sie hier geschützt und gelangten zu grossem Wohlstande, bis spätere Verfolgungen viele wieder zur Auswanderung nach Deutschland zwangen. Infolge dieses verwandtschaftlichen Verhältnisses müssen wir unser Hauptaugenmerk darauf richten, wie den galizischen Glaubensgenossen in ihrer Heimath am besten geholfen werden kann, umsomehr, als die Reichen und Angesehenen daselbst, anstatt sich um das traurige Loos ihrer armen Brüder zu kümmern, mit dem Adel, der Schlachta, gemeinsame Sache machen und dadurch einen grossen Theil der Schuld an den überaus traurigen Verhältnissen haben. ' In erster Linie ist die Hebung der Bildung durch Gründung von Schulen mit geeigneten. Lehrern zu erstreben, um Einfluss auf die Jugendzu gewinnen. Aber auch auf die Aelteren muss eingewirkt werden. Die Gegensätze zwischen Chasidim und Orthodoxie, sowie zwischen Neologie und Orthodoxie sind fast unüberbrückbar. Es wäre gut; wenn man Logen bilden könnte, wo sich auf dem Boden gemeinsamer Religion die verschiedenen Richtungen zu gemeinsamer Arbeit zusammenschliessen würden. Die dortigen orthodoxen Rabbiner müssten sich mehr als bisher darum bemühen, Kultur und Bildung in die Massen zu bringen und wenn sie dies nicht von selbst thun, so müssten sie von unseren Rabbinern darauf hingewiesen werden. Es müsste alles ge- 'M F •■ i * ' fc-' •:t3ffl