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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-12-01 · Nr. 8 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 8 - Dezember
Date
1898-12-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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mit anderen Logen, unzufrieden zu sein, da durchschnitt lieh die Logenabende von circa 40 % der Br Brbesucht werden. Trotzdem bemühen wir uns sehr bei den lässigen Br. Br. das Interesse neu zu erwecken, damit dieselben häufiger zu uns kommen. H Langsam, sehr langsam ist unser Voranschreiten, aber wir kommen voran und das ist die Hauptsache. % ' - *■ I August Lamey-Loge in Mannheim. In der Sitzung vom 2. November d. J. hielt Br. Dr. Rothenberg einen Vortrag über: Krankheiten bei den Juden. Die auffallende Thatsache, däss gewisre Leiden bei den Juden in einem unverhältnissrnässig hohen Prozentsatz auftreten, ist nach Ansicht des Vortragenden nicht als eine den Juden zukommende Rasseneigenthümlichkeit aufzufassen, sondern viel eher als das ProduktderjahrhundertelangenVerfolgungenund Bedrückungen einerseits, andrerseits als die Folge der Lebensweise und Beschäftigungder Juden zu betrachten. Nur die normalen körperlichen Rassenmerkmäle, soweit sie sich auf Haut. Haarfarbe, Schädelbildung und Körpergrösse beziehen, möchte Vortragender als spezifisch jüdischen Rassentypus gelten lassen. Diesen aber als rein semitischen aufzufassen, ist wohl nicht angängig im Hinblick auf die Vermischungen, die mit anderen Volkselementen zu verschiedenen Zeiten überaus häufig stattgefunden haben. (Aus diesen Rassenmischungen erklären sich denn auch gewisse Abweichungen von dem sogen, monumentalen Hebräertypus, so z. B. das Vorkommen I .. -M andere Augenübel, die auch* bei den gebildeten Juden des Westens ein häufiges Vorkommniss darstellen: Besonders aber ist es die auffällige Neigung zu Nerven- und Geisteskrankheiten, die dem modernen Judenthum ein charakteristisches Gepräge verleihen. Alle die Ursachen, die unser Jahrhundert im Allgemeinen zu einem nervösen stempeln, finden bei den Juden mit ihrem leicht erregbaren Temperament, ihrer hervorragenden geistigen Begabung und Bethätigung und dem für sie ganz besonders erschwerten Kampf um's Dasein ein umso ergiebigeres Feld, als dasselbe häufig noch durch die neuropathische Belastung genährt ist. — Einer ungeeigneten Ernährung verdanken neben der erblichen Anlage ferner Krankheiten wie die Fettsucht, die Zuckerkrankheit, Steinkrankheit, und <}er Magenkatarrh ihre Entstehung. ' 1 Indem Redner die verschiedenen Ursachen der geschilderten Krankheiten recapitulirt. führt er des Näheren aus, wie eine Besserung mancher dieser beklagenswerthen Erscheinungen erreicht werden könnte durch eine allgemeine Hygiene drt Berufslebens sowohl wie der Ernährung. Sum Schluss weist er aber auch auf die erfreuliche Thatsache hin, dass trotz aller Gebrechen die Lebensverhältnisse wenigstens der gebildeten Juden des Westens im Allgemeinen als überaus günstige zu bezeichnen sind. V . So ist es für Deutschland, England und Deutsch-Oesterreich statistisch erwiesen, dass sich die Juden dort im allgemeinen einer grösseren durchschnittlichen Lebensdauer erfreuen, was einerseits darauf zurückgeführt wird, dass dieselben von blondhaarigen und blauäugigen Juden.) I selten einer direkt gesundheitsschädlichen oder gar 1 . Lu Einzelnen recht Rednernsn -lie~~v«&cbiel" r -gef?»»dichfin_Be»ch§ßignng sich widmen nid dem A Krankheitsbilder in ihren ursächlichen Beziehungen zu den den Juden früher und jetzt drohenden Schädlichkeiten zu beleuchten. In den licht- und luftlosen Gassen des alten Ghetto, denen die schmutzigen Judenquartiere bei unseren östlichen Stammesgenossen von heute an die Seite zu stellen sind, fanden, unterstützt von der materiellen Not, die Rachitis und Tuberculose 1 mit ihren mannigfachen Folgezuständen einen günstigen Nährboden. Namentlich sind es die Kinder in der ersten Lebensperiode, die dadurch zu Hunderten hinweggerafft werden. i- Für das auffallend häufige Vorkommen von Blindheit und Taubheit bei den Juden führte Redner traurige Beweise der Statistik an. Die Ursachen dafür liegen zum grossen Theil wohl in wirklichen organischen Erkrankungen der Augen resp. Ohren, wobei einerseits eine durch Erblichkeif bedingte Disposition, andererseits auch der Einfluss blutsverwandter Ehen niqht ganz ohne Bedeutung sein mag. Besonders wird auf die Schäden verwandtschaftlicher Ehen bei bereits degenerirten Eltern hingewiesen, und aus ihnen die angeborene Taubstummheit, die Farbenblindheit, sowie schwere Gehirnkrankheiten als Folgen abgeleitet. — Mit der Art der sozialen Stellung (der Beschäftigung, Lebensweise etc.) stehen andere Uebel im Zusammenhang. So entwickeln sich bei den armen Juden der östlichen Provinzen infolge ihrer sitzenden Lebensweise (Schuster. Schneider, Talmudlernende) Haemorrhoidalleiden, Kurzsichtigkeit und genuss weniger «geben and, Andrerseits darauf, dass der Pflege der Angehörigen eine grössere Fürsorge ZU Theil wird. Das drückt sich besonders in der geringeren Sterblichkeit der Wöchnerinnen und Kinder aus. Von Bedeutung ist ferner auch der beträchtliche Ueberschuss der Knabengeburten. - Diese Thatsachen im Verein mit der in einer Jahrs tausende langen Leidensgeschichte bewiesenen Widerstandskraft des jüdischen Volkes geben uns einen Fingerzeig für den ans Wunderbare grenzenden' unerschütterlichen Bestand des Judenthums, für welches jene Göthe'sche Prophezeihung in der That gilt: Es ist das beharrlichste Volk der Erde, es ist, es war und es wird sein! — In der Sitzung vom 9. November d. J. hielt Br. Dr. Heinemann aus Frankfurt a. M. vor offener Loge in Gegenwart der Angehörigen der Brüder einen hochinteressanten Vortrag über .Heinrich Heine und seine Stellung zum Judenthum*, Redner erbrachte den Beweis, dass Heine, wenn er auch in der ersten Periode seiner dichterischen Thätigkeit sich vom Judenthum entfernte, doch stets ein volles Verständniss für dasselbe bewahrte und vor seinem Tode seiner ganzen Gesinnung nach sich zu demselben wieder bekannte. An den Vortrag schloss sich im grossen Festsaale eine gemüthliche Unterhaltung an, welche die Br. und ihre;Anhörigen bis zur späten Abendstunde zusammenhielt. Die nächste Nummer erscheint gegen Ende dieses Monats. Buch'dru£kerei Max Cohn (Inh. A. M- Brodacz), Berlin NO., Kaiserstr. 41. (

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