Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1898-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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. ist das Beispiel auch für andere Kulturstaaten gegeben und wer, wolle behaupten, dass diesem Beispiele nicht auch andere Staaten folgen? Hierüber müsse das Gesammt-.Tudenthum aufgeklärt wenden, damit es erkenne, dass die Besserung der Verhältnisse in Galizien keine Frage der Humanität, sondern eine Selbsterhaltungsfrage für das gesammte Judenthum bedeutet. Im Referat des Br. Dr. Maretzki hat Redner ver mi8St, was zu geschehen habe, um die Rabbiner in Galizien zu veranlassen, dass die Kinder die Schule besuchen, um Aufklärung und Bildung zu^schaffen. Das sollte im Referat nachgeholt werden. . Dr. Maretzki: Was die notwendigen Mittel betreffe, so habe er das Vertrauen, dass die Logen, wenn alle dazu aufgerufen, reichlich an einer solchen Aufgabe mitwirken werden. Eini Mittel, auf diek Rabbiner in Galizien einzuwirken, damit sie die Kinder zum Schulbesuch anhalten dürfte es kaum geben, denn eine Gemeinde-Verfassung wird Galizien wohl niemals erhalten, obgleich der Staadt eine solche Vorlage wohl gemacht hat; sie ist aber von den gesetzgebenden Körperschaften abgelehnt worden und freiwillig werden die Rabbiner nichts von ihrer Macht aus den Händen geben. Deshalb gehen die Vorschläge des Referentendahin, die Rabbiner zu übergehen und die Gemeinden zu stärken. Wenn durch bessere Bildung mit der Zeit die Mitglieder der Gemeinden befähigter werden, .ihre Lage zu überdenken, werden sie von selbst den Kultur hemmenden Rabbinern Widerstand leisten and den unheilvollen Einfluss derselben paralysiren. Dr. Schanzer hebt hervor, wie schön uid vorzüglich Maretzki sein Referat gearbeitet habe und doch beruhe dasselbe nur auf Studien, auf Theorien. Er kenne Galizien auf Grund eigener Wahrnehmungen und Erfahrungen und müsse denen gemäss erklären, dass die Heining des sozialen Niveaus der galizischen Juden so lange un lurchführbar sein wird, so lange die Existenzbedingungen in dem Maasse wie bisher fehlen. 4 Ein weiteres Hinderniss bilds die Orthodoxie, die bisher durch kein Machtmitttel zu brechen gewesen. % der galizischen Juden laufen noch im ] Cattau dnd Peies 'herum, die Bildung gleichbedeutend mit Ab all vom Glauben halten und sich ihre Kinder nicht entführen, nicht zum Apikauras werdet lassen wollen, denn diese betrachtet die Orthodoxie für nojch widerwärtiger als die Andersgläubigen.' So ist es zu versteh/n, dass die Baron Hirsch's;hen Schulen, die mit vielen Millionen im Lande errichtet wir den, leer stehen Aus demselben Grunde werden^auch Verein 3, wie vom Referenten vorgeschlagen, werth- und wirkungslos bleiben. Unter den jetzigen Verhältnissen lässt sich in Galwien nichts anfangen. Die Juden dort gehören allen schweren Gewerben an, sie wollen die schwerste Arbeit selbst; für die allergeringste Entlohnung verrichten und doch haben sie keine Existenz, weil das Land zu arm ist. Zur nc&hwendigsten Existenz eines Juden in Galizien gehörenJ800 Fl. pro Familie und in Galizien leben % Million jüdischer Familien \ das müsse min im Auge behalten, um sich beWusst zu sein, was zur Besserung der Verhältnisse in Galizien gehöre. Um diese herbeizuführen, d. h. die Juden «luf eine geistig, moralisch und auch materiell höhere Stufe iu bringen, dazu dürften Jahrhunderte gehören, wir sehen, das die Hirsch'schen Millionen nichts genutzt haben und< nun sollen wir uns an diese Aufgabe heranwagen? Wie weit würden denn unsere bescheidenen Mittel ausreichen, selbst wenn wir den'ganzen Orden für dieselben dienstbar, machen wollten? Die Expatriirung wäre für jetzt vielleicht das einzige Hilfsmittel, nur dürften die Expatriirten nicht ganz unter sich bleiben, weil dann dieselben Schäden^ w,eiter bestehen blieben, sie müssten unter anderen Völkern aufgehen, dann wäre bei der kommenden Generation eine Besserungzu erzielen. Es sollte erwogen werden, ob es möglioh wäre, "dass je 100 Brüder des U. O. B. B. die Sorge für 20 Galizieiübernehmen. Jeder andere Weg, zu den. von -Maretzki vorgeschlagenem Ziele, scheint dem Redner -aus* den ängeAbenen Gru"den für zwecklos. ■ Timendorfer ist gleichfalls, der Ansieht, dass die Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse; der Juden in Galizien vorangehen muss vor den Bestrebungen, diese Juden zu besseren Menschen zu erziehen, dass dazu aber unsere Kräfte nicht ausreichen. Indess den krass-abTehnenden Standpunkt Schanzers könne e* nicht einnehmen, auqh in Deutschland waren vor etwa 200 Jahren ähnliche Verhältnisse; " bei zielbewusster Thätigkeit müssen auch in Galizien bessere Verhältnisse allmählich erreicht werden können. Die bisherige Debatte habe eine Uebereinstimmung darüber, ergeben, dass . eine Besserung der Verhältnisse in Galizien unbedingt anzustreben seif auch dass diese Bestrebungen vorii V. /O, B, B. ausgehen sollten. Hauptsache werde es nun sein, ob schon jetzt seitens des¬ Ordens diese Angelegenheit in die Hand genommen werden soll, oder ob wir nicht zuerst durch unsere eigenen Organe die Verhältnisse in Galizien studiren lassen sollen, um die richtigen Mittel und Wege znr Lösung der Aufgaben einschlagen und. anwenden zn können.;.- Redner stellt folgende Thesen auf: ' 1. Die sozialen Zustände der galizischen Juden erheischen dringend eine Aenderung derselben. % Der Orden B. B. hält sich für verpflichtet, Inhalts seiner. Tendenz, diese Besserung anzustreben, 3. Der Verband der Humanitäts-Vereine für Oesterreich wird die zur Herbeiführung dieser Besserung vorzunehmenden Schritte unternehmen und setzt hierbei die Mitwirkung de*'.Deutschen pistrikts auch in materieller Beziehüng voraus. Tim^ndorfer erläutert diese Thesen und hebt noch hervor, dass ihm aus der Menge von Anregiingeu.Br. Dr. Maretzki's die Gründung von Logen am sympathischsten gewesen, denn, wie er an sich selbst erfahren, träge die .-Zugehörigkeit zur Loge sehr viel dazu bei,' das Bewusstsein zu wecken, dass man einer grossen Gemeinschaft angehöre und dieser Gesammtheit gegenüber auch Pflichten zu erfüllen habe, die unser Thun und Lassen vorteilhaft regeln. Da aber in Galizien keiu Logenmaterial vorhanden ist, .ersucht T.' seinen Thesen zuzustimmen, dann erübrige sich eine Specialdebatte. Stein stimmt den Ausführungen T's. zu und spricht den Wunsch aus, dass das Referat Mare'tzki's und die heutigen Debatten in ein Promemoria zusämmengefasst und allen jüdischen Gemeinden mit der Anfrage, ob sie an dieser Aufgabe mitzuwirken bereit sind, zugestelltwerden" möchte. Dr. Maretzki erklärt sich mit dem Gange der Diskussion zufrieden. Er habe garnicht erwartet, dass Alles, was er vorgeschlagen, von der Oooferenz werde gutgeheissen werden. Für ihn war es Hauptsache, dass überhaupt etwas geschehe, dass die Welt aufgerüttelt werde aus ihrer Untätigkeit, gegenüber den' traurigen Zuständen in Galizien. In