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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-12-01 · Nr. 8 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 8 - Dezember
Date
1898-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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— 88 — vou dem nothwendige Reform begonneu werden. Freilich lässt sich nicht Alles auf einmal aufnehmen, sondern schrittweise muss vorgegangen werden, nicht eher ein zweites Feld beginnen, bis das erste vollständig gesichert ist und gut arbeitet. Zur besseren Uebersicht des Vorgetragenen habe ich einige Thesen zusammengestellt, die ich Ihrem Urtheil unterbreite. 1) Eine statistische Aufnahme der jüdischen Be- . völkerung Gälizieus nacli Beruf, Beschäftigung und socialer Lage ist erforderlich. . ~2) In grossen Städten mit geeignetem r Material sollen Logen errichtet werden. '5). Es sollen Ver eine mit periodischen Versammlungen auf geselliger Grunc läge zurVerbieitung von Bildung und Kultur gegründet WeTtten 4) Die Geselligkeit ist in diesen Vereinen ganz besonders zu pflegen.. -")) Die österr. Grossloge soll die Organisation in die Hand nehmen ß) Die Vereine unterstehen der Leitung und Obhut der Logen. 7) Die bestehenden humanitären! Vereine sind möglichst hierlür heranzuziehen. 8) In allen Gemeinden sind Vertrauensmänner zu wählen, denen es obliegt, die schulpflichtigen Kinder den öffentlichen Volksschulen zuzuführen und den Schulbesuch zu überwachen 9) Düe Ueberwachuug and Fortbildung ider Lehrlinge ist anzustreben. 1»>) Es empfiehlt sich, einen uueutgeltlielieu.Arbeitsnachweis einzurichten 11) Eine geordnete, auf Prüfung gegründete Armenpflege ist dringend erforderlich 12J Eine Hausindustrie mit'leicht absetzbaren Gegenständen ist-anzubahnen . M. Br.! Ich bin zu Ende mit meinem Referat, ich nicht weiss, ob es nach allen Richtungen erschöpfend ist "oder ob nicht noch bessere Vorschläge zu machen sind. Wie auch Ihr UrtheiL ausfallen möge, wie verschiedentlich die Ansichten auseinandergehen mögen, ein gemeinsamer: Wunsch muss uns beseelen, ein gemeinsames Ziel wird, uns vorschweben. Es gilt einen Jahrhunderte lang in der Kultur zurückgebliebenen V'lksstamm unsagbarem Menschen-Elend! zu entreissen. Es muss ein grosser, wannherziger Zug von unüberwindlicher'Kraft durch die ganzen Orden gehen zur Befreiung dieses unglücklichen Stammes aus geistiger Noth, zur EmancipatioH von allen Schlacken, die ihm anheften, zur Mitarbeit an der geistigen .und sittlichen Vervollkommnung, zur richtigen Würdigung der Arbeit au sich und au Audereu. Niemand ist so elend, dass man sich seiner nicht erbarmen kann, Niemand so uuglücklich. dass man ihm nicht helfen kann, Niemand so verlassen,, dass mau ihm nicht Trost und Liebe bringen kann. Ihnen, m Br.. sei diese schwere aber herrliche Mission im Namen der Brüder aller Welttheile zum Heil und Frommen der Menschheit, zur Ehre des Judenthums übertragen. Sie können dieseerlösendeTnat erfassen, Sie werden diese humane Aufgabe beginnen, Sie-müssen dieses hochherzige Werk vollbringen DieConfeienz tritt in der Berathung über .diesen Gegen-. Stand ein. Dr. Maretzki will nur die Cardinalpunkte seines Referates hervorgehoben haben, wenn nothweudig, noch in die Debatte eingreiteu. Mit seinen Theseu wolle er eiuie Besserung der Verhältnisse in Galizien anstreben und seine .Forderungen nach dieser Richtung können in 3 Punkte zu sammengefasst werden: L Schleunigste Errichtung von Logen; 2 Freie Vereinigungen mit freiem Charakter für erziehung und Fortbildung: 3 Errichtung von Arbeitsnachweisen mit orgjanisirter Armenpflege. Jugend- Timendorfer ersucht Br. Dr. Maretzki, sich zunächst darüber zu äussern, woher die Mittel für solche Zwecke fiiessen und ob Alles, was Dr. M. vorgeschlagen, im Namen des Ordens geschehen solle. Dr. Maretzki ist der Ansicht, dass die Besserung der Lage unserer Glaubensgenossen nur erfolgen könne, wenn die Bestrebungen hierfür von einer Stelle ausgehen und sollte diese Stelle der Orden sein. Wenn Logen in Galizien errichtet würden, dann mitsste die Organisation des Hilfswerkes durch die Logen mit Hilfe der Gemeinde - Mitglieder erfolgen. hn so für diese Aufgaben erst grössere Kreise gewonnen sind, dann dürfte die Beschaffung der Mittel, die Redner garnicht so hoch veranschlagt, keine grosse Schwierigkeit bereiten, mindestens dürfte der Geldpunkt kein Hinderniss bieten für die Durchführung seiner Vorschläge. Wolff glaubt, dass bei Erörterung dieser grossen und schwierigen Frage, das Hauptgewicht auf die Möglichkeit der Durchführung so weitgehender Pläne zu legen sei. Nach seinen Informationen sei aber in Galizien fast gar kein geeignetes Material zur Errichtung von Logen vorhanden. Die erste Maretzki'sche Voraussetzung erscheine somit gänzlich undurchführbar. Was die Mittel betreffe, die zur Bessemug der Verhältnisse in Galizien erforderlich wären, so ist Redner der Ansicht, dass hierfür unendlich mehr, gehöre, als seitens des Ordens geschehen könnte, auch fürchte er, dass die Beihülfen aus den Logenkreisen für diese Aufgabe nicht gar zu reichlich fiiessen dürften. Dr. Hammerschlag verweist darauf, dass in Krakau ja bereits eine Loge bestehe, ob in Lemberg eine Loge errichtet s werde oder nicht, das liegt in der Hand des dortigen Bruders Samuel v. Horowitz, Mitglied der Frankfurt-Loge, der freilich einige Aussichten gemacht habe. Wisloch: Auch die Frankfurt-Loge habe, wie Dr. Maretzki, geglaubt, dass den Uebelständen in Galizien am Besten durch Errichtung von Logen daselbst entgegen gewirkt werden könnte; nachdem aber, wie Redner heute gehört, doit kein geeignetes Material vorhanden ist, müsse diese Idee fallengelassen und die Errichtung von Vereinen, die im Sinne des Referenteu zu wirken hätten, angestrebt werden, um. einen Cenfralpuukt zu schaffen, von welchen das Hülfsweik auszugehen hätte und dirigirt werden könnte. Wisloch schildert, wie der Chassidismus in Galizien herrsche^ wie Bergwerksgesellschaften, bei welchen Juden in der' Verwaltung sind, die jüdischen Arbeiter biodios machen, wenn letztere am Sabbath nicht arbeiten und weist nochmals die Notwendigkeit der Errichtung von Vereinen in Galizien nach, die, wenn consolidirt, leicht zu Logen umgestaltet werden könnten. Stein betont, dass das gesammte Judenthum sich bewusst werden müsse, welche grosse Gefahr ihm aus den galizischen Verhältnissen drohe, denn wenn nicht bald etwas Grosses geschehe, dürften die dortigen Juden in nicht langer Zeit unter Ausnahmegesetz gestellt werden. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass der weit, weitaus grösste Theil ler galizischen Juden nur das nackte Leben fristet. Den Gulden, den er täglich zum Stillen des Hungers haben muss, den jagt er den Bauern, auf welche Weise auch immer, ab und ist es somit kein Wunder, wenn Hass die Keule schwingt und der Antisemitismus immer von Neuem wieder auflebt. Tritt erst eine Beschränkung der Juden in Galizien ein, dann

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