Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1898-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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— 87 - voller Ueberzeugung and voller Begeisterung zu dienen, Wenn diese Vereine richtig, umsichtig und verständnissvoll geleitet werden, die Führer mit Wärme für die Sache arbeiten, oft und zahlreich besucht werden, mit Strebsamkeit und Begeisterung erfüllt werden, wozu es gar nicht so langer Zeit bedarf, denn das Neue wird seinen Heiz auszuüben nicht verfehlen, dann werden sie befähigt sein, diejenigen Aufgaben zu übernehmen, -die ich Ihnen jetzt auseinandersetzen möchte. Jede Reformation von Kulturzuständen, die zu ihrer Vollen Wirkung lange Zeit, ja Generationen braucht, muss beim heranwachsenden Geschlecht angesejzt werden. Die ganz Alten sind überhaupt nicht zu ändern, die mittleren Jahre schwer, nur die Jugend Iässt sich leichter 'erziehen. Diese Vereine -müssten ihre ganze Kraft dafür einsetzen dass die Kinder der öffentlichen Volksschule zugeführt werden, ohne dass der hebräische Unterricht in allen seinen Phasen zu leiden brauchte. Ueberall müssten Vertrauensmänner angestellt werden, welche den Schulbesuch der Kinder zu überwachen hätten, die Eltern auf den Segen, der ihren Kindern aus dem regelmässigen Schulbesuch erwachse, aufmerksam machen, sie belehren über den geistigen und sittlichen Nutzen, den ihre Kinder aus der Volksschule schöpfen, dass die Kinder in keiner Weise Schaden an ihrer Religion erleiden und erleiden dürfen. Die Schule arbeitet planvoll, folgerichtig, umfassend, die Lehrer haben gründliche und vielseitige Art erzieherischer Vorbildung. Die Schule stellt die Kinder auf eigene Füsse; hier muss sich der Knabe selber helfen, er muss sich unter seinen Kameraden :;urecht finden in selbstständigem und selbstthätigem Kampfe um's Dasein. Die Schule erzieht zum Gehorsam, die Grundlage aller Tagenden, weckt den Ordnungssinn, denn an die Ordnung knüpft sich der rechte Segen der Arbeit, gewöhnt sie an Pünktlichkeit und vor allem an Selbsttätigkeit, lauter Rüst zeuge zum schweren Kampf im Leben. — In den Sitzungen der Vereine soll über die Erfolge gesprochen, - über die Mittel und Wege zur regen Betheiligung am Schulbesuch verhandelt werden. Die Referate darüber müsseu eine ständige Rubrik der Arbeit in den Sitzungen sein. Mit Prämien- und Belohnungen für regelmässigen Schulbesuch, Fleiss und guter Führung soll man in reichlicher Weise vorgehen. Strafen sollten womöglich ganz fortfallen. Hand in Hand sollten damit Beschenkungen und Kinderfeste an bestimmten Festtagen gehen. Ueberhaupt sollte Alles hervorgesucht und ausgeführt werden, was den Ehrgeiz der jungen Seelen weckt. Das ganze Land ist in dieser Hinsicht noch jungfräulicher Boden und bei richtiger ^eirbeituug müsste es tausendfältige Früchte tragen. Das Elend in Galizien schreit zum Himmel, an und für sicly schon gross, durch die feindseligen Ausschreitungen in's Ungeheurje vermehrt. Bei allem unsagbaren Elend, hat es trotzdem das Gute geschaffen, dass die Welt auf die dortigen unglücklichen Glaubensgenossen aufmerksam gemacht wurde, und man allerwärts einsieht, dass dort Wandel geschaffen werden müsse. Und da sollen wir, die Nächsten dazu, zurückstehen? ' JL Auch auf einem andereu Gebiete lässt sich viel thun. Der Handel ^st unter deu dortigen Juden sehr verbreitet; der Klein- und Hausierhandel beschäftigt sehr viele, und manches anrüchige, ja sogar schändliche Gewerbe wird von Ihnen betrieben. Auch da kann Wandel geschaffen werden, dass man durch Vertrauensmänner auf sie einwirken lässt, die ihnen die- Unwürdigkeit solchen Treibens begreiflich machen. Diese Ermahnung allein wird nicht genügen, sie vom verderblichen Wege abzubringen» man wird solchen' Leuten in den meisten Fällenandere Erwerbszweige zu-., weisen müssen. Diese Umstände drängen von selbst auf die | . Einrichtung unentgeltlicher Arbeits - Nachweis - Stellen. Es wird dies um so mehr uothwendig werden, als durch Arbeitslosigkeit und die Verfolgungen ein starker Zuzug nach grossen Städten mit entwickelter Industrie sich bemerkbar machen dürfte. Auch ist damit die Schaffung einer Hausindustrie von leicht absetzbaren Artikeln zu verbinden. Es müssen Mittel gefunden werden, dieSesshaftigkeit dieser Leute zu erleichtern; < die Wohlthat der Aufhülfe müsste an die Bedingung geknüpft werden, am Orte zu verbleiben und die bisherige Beschäftigung^ beizubehalten. Besteht eiu gut geleiteter Arbeitsnachweis in vielen Städten, die mit einander in Verbindung stehen, So kann der Ueberfülluug mit seinen uacntheiligeu Folgen gesteuert, eine angemessene Vertiieilung bewirkt werden. Diese Einrichtung kann mit Leichtigkeit Einfluss auf die Handwerker gewinnen, und die Lekrlingsfrage -kann eine bedeutende Förderung erfahren. Eine Unterbringung der Lehrlinge in passende Lehrstellen, deren Ueberwachung und Fortbildung kann damit verbunden werden. Die grössere Betheiligung der Juden an Ackerbau oder Bodenkultur dürfte sich bald von selbt ergeben. Doch sollte man jede Schablonisirung vermeiden, den lokalen Bedürfnissen soll man Rechnung tragen. — Ich kann nur die Grundzüge aufstellen, allgemeine Gesichtspunkte geben, die praktische Nutzauwendung mit den nothwendigen Abänderungen uud Gestaltungen bleibt den ausführenden Vereinen überlassen. Die Vorschläge beziehen sich nur auf die Thätigkeit, welche von uns im Orden zu» entfalten wäre, greifen keineswegs in diejenige ein, welche der Staat oder die Gemeinden* ins Werk gesejtzt zu sehen wünscueu. Es schliesst jedoch nicht aus, dass alle Faktoren miteinander arbeiten, sich gegenseitig unterstützen sollen. Nidit minder nothwendig Und mit dem Arteitsnachweis in engem Zusammenhang stehend, ist, eine zielbewusste, geordnete uud auf gründliche Prüfung jlea- Petenten gerichtete Armenpflege, um die. Wohlthaten "nicht zu*! verzetteln, die richtige Gabe an die richtigen Leute zu bringen. Hierfür müssten besondere >Cqmites gebildet werden oder im Fjalle des Anschlusses,-an jschon bestellende, müssten die Statuten darauf hin geändert und erweitert werden. Aber eine genaue Prüfung aller Gesuche ist unbedingt erforderlich, denn ohne diese ist die. ganze Armenpflege werthlos, denn sie öffnet alhjn Verschleierungen, Doppelwährungen, unrichtiger Vertiieilung Thür and Thor. -Die genaue Prüfung erhindert die Gewohn-heitsbettelei und Arbeitsscheu, wirkt auch erziehlich auf die ffylfesHohenden, indem die Arbeitslust geweckt^ die Sorge für< die Familie den Leuten als eine unumstössliclie Pflicht beigebracht wird. Die Armenpflege- Vertine müssen einander Auskunft über die Petenten sowie ,! Bewilligungen uud Ablehnungen-<ertheileu, um dem Wanderbettel ernstlich zu begegnen. — Fürwahr, m. Br., eine grosse Anzahl von Vorschlägen, fast verwirrend und in der Gesammtheit fasflP erdrückend! Und. noch dazu in einem Lande, wo noc\i nichts derartiges geschehen ist, wo weder Institute noch Personen zu einer so "umgestaltenden Organisation vorhanden sind, wo fast Alles fehlt, wo eine Reform ansetzen kann. Und doch muss es geschehen, muss die schon lange '