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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-12-01 · Nr. 8 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 8 - Dezember
Date
1898-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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— 86 — weiteren Fortachritt; aus den ersten Erfolgen schöpfen wir Math und Kraft lür weitere Arbeiten. Aber eines ist vor allen Dingen nothwendig: Entschlossenheit und Beharrlich- ' keit. Man soll flicht zurückschrecken vor der gewaltigen Grösse der Aufgabe, und durch Misserfolge, die nicht aus- 1 "bleiben werden, sich nicht entmuthigen lassen. Es sind auch schon viele verunglückte Versuche gemacht worden, ich eriunere an die Baron Hirsch'sche Unternehmung. Wenn sich der Wagemut h der österreichischen Logen mit der Thatkraft ihrer intelligenten und eiuflussreichen Führer, mit der dauernden Unterstützung der für die Sache erwärmten BBr. vereint, dann sollte wohl die Hoffnung auf Besserung der galizischen Verhältnisse berechtigt und die Zuversicht au: das Gelingen gesicliert sein. Es ist an der Grossloge, die Besserung des dortigeB Kultm zustande« in die Hand zu nehmen und die geistige Befreiung vorzubereiten. Die Grosslogt ist hierzu berufen und verpflichtet; berufen durch die Stellung, die sie im gesellschaftlichen Lebefl der Jaden einnimmt, durch die wachsende Ausdehnung im Lande, verpflichtet durch die hohe Mission, die sie übernommen hat. — M. Br. Das hervorstechendste Merkmal des -Ofdens, sein ureigenstes Wesen liegt auf dem Gebiete der Idealität in des Wortes tiefster und umfassendster Bedeutung. Und darum sollen wir die Devise der Wohlthätigkeit nicht in einen engen, Rahmen spannen. Mehr als der an materieller Noth Leidenden sollen wir uns der geistig Verarmten annehmen. Soll ,der,Orden seine Mission erfüllen, dann muss er das Licht geistiger Aufrichtung und fortschreitender Kultur überall hintragen, wo es noch nicht eingedrungen ist, muss er als Licht und Wahrheit spendender Freund und Berather alle Israeliten erleuchten, erwärmen, heraufziehen zn edlem Willen und reinem Thun. Solche hochedlen Ziele, einmal in ihrer Tragweite erkannt und gefestigt, drängen durch ihre eigene Schwere und Triebkraft vorwärts Unser Bruderbund muss dorthin verpflanzt werden. Man sage nicht, dass dort das geeignete Material fehle. Srcher ist, dass zum Eintritt in unseren Qjraen «in gewisser Bildungsgrad, eine sittliche Reife, eine gesicherte soziale Stellung erforderlich ist, dass auch Empfänglichkeit und Verständniss für ideale Anschauungen und Bestrebungen bei den Mitgliedern vorhanden sein muss. dass zur Begründung einer Loge nicht nur eine gewisse Zahl mit solchen Eigenschaften behafteter Glaubinsgenossen, Modern auch die Bedingungen des Zuwachses gegeben sein mü?sen. Die Loge muss ausdehnungsfähig sein. Nach amtlichem Ausweis befinden sich in Galizien 2 Städte mit über 20 000 jüdischen Einwohnern,.- das ist Lemberg nnd Krakau. 5 Städte von 10—20 000, 6 von 5—10 000, 19 von 3 - 5000, 9 von über 2000 Juden. In ganz Galizien befindet sich eine Löge. ' Wenn ich die letzten 9 Städte ausnehme, sind immer noch 31 Städte mit einer Einwohnerzahl von 3—*20 000 vorhanden. In dieser wird es doch 20- 30 Männer geben, die unseren Anforderungen zur Bildung einer Loge genügen. Man wild nun diese Thatsache ohne weiteres zugeben und doch einwerfen, dass die Empfänglichkeit lür die Ordens-Ideen bei den dortigen Glaubensgenossen entweder gar nicht oder nur in geringem Maasse vorhanden sei. Ich möchte das nicht in vollem Umfange annehmen. Mir sind Berichte von schlesischen BBr zu Ohren gekommen, welche bei den Juden Galiziens einen starken Trieb nach Bildung und Zusammensc-hluss nicht aussohliessen. Aber gesetzt, es M^M; . : ■:» >.'[:■ ■ r . lagerte eine geistige Finsterniss über dem anglücklichen Lande, ist es darum nicht am so mehr unsere Pflicht, mit einer geistigen Fackel hineinzuleuchten? Sehen wir doch nach Amerika! Was haben die amerikanischen Brüder nicht fj aus den polnischen Juden (die Juden Rasslands, Galiziens und Rumäniens gleichen sich, wie ein Ei dem andern) gemacht! Sie Alle wissen es ja, und uns sollte es nicht gelingen? Freilich verkenne ich nicht, dass die ausgewanderten Juden, losgelöst von ihrer Scholle, unter hartem Druck der Noth sich leichter zusammenfügen und belehren lassen, als in ihrer Heimath, wo sie Scheu vor einander haben, an den anerzogenen Dingen hängen, sich gegenseitig überwachen, die althergebrachten Sachen täglich vor Augen haben. Eingewurzelte Anschauungen und Neigungen streifen sich in der Heimath schwer ab. Das verkenne ich Alles nicht und darum sollten wir andere Wege wählen, zu anders geformten Mitteln greifen, die Juden Galiziens zu» organischen Gebilden zu vereinigen. — Eine systematische Vereinsorganisation kann nur dann mit Erfolg in Angriff genommen und durchgeführt werden, wenn man eine genaue Kenntniss der Einwohner nach Beruf und Beschäftigung in den Gemeinden hat. Und ich stelle die Behauptung auf, dass diese Kenntniss vollständig fehlt. ^Das muss das allererste Erforderniss sein. Es muss eine zuverlässige Statistik nach Art des israelitischen Gemeindebuhdes oderin anderer Weise angelegt werden. Besteht eine solche schon, um so besser. Dann-sollte man baldigst daran gehen, in grösseren Städten unter sorgfältigster Auswahl Logen zu gründen. Ich lege ein Hauptgewicht auf die sorgfaltigste Auswahl, denn diese sollen die Spitze aller Vereinigungen and die Oberaufsicht über diese bilden, untadelhaft in seinen Mitgliedern und vorbildlich in der Arbeit. Und wenn nur 5 Logen gegründet werden, ist schon sehr viel gewonnen. In zweiter Reihe sollten in vielen Städten Vereine auf rein geselliger Grundlage gebildet werden. Ks ist mir nicht unbekannt, dass schon mehrfach Vereine für Wohlthätigkeit und Krankenpflege existiren. Man möge diese in ihrer Thätigkeit belassen, ihnen, wenn angängig, einen tieferen Inhalt geben undl vor allen Dingen zu periodischen Versammlungen veranlassen. Wo solche Vereine nicht vorhanden sind, oder wo es nicht möglich ist, solche Vereine umzuwandeln, solle man neue, mit rein geselligem Charakter und möglichst wöchentlichen Versammlungen etabliren. Die Periodicität der Versammlung ist aber der springende Punkt. Sie lernen sich einander besser kennen, sie nähern sich einander, bekommen gemeinschaftliche Interessen, befestigen sich im Vertrauen zu einander, die gähnende gesellschaftliche Kluft gleicht sich mit der Zeit aus nnd sie reifen allmählich aus zur Erfassung höherer, idealer Bestrtbüngen. Die Geschichte des .Judenthums und Litteratur, Naturwissenschaften in fassicher Form wie für die unmündige Jugend, in einem anderen Gewände, als sie bisher zu hören Gelegenheit hatten, müsste ein unversiegbarer Quell der Belehrung und ein ewig grüner Baum der Erkenntnis werden. Hier muss ein starker, felsenfester Glaube an die Wahrheit und Nothwendigkeit der Bestrebungen zur Hebung der unglücklichen Glaubensbrüder alle unsere kleinen Bedenken überwinden, die Israeliten aller gesellschaftlichen Schichten aufrütteln, alle kleinlichen Gegensätze unter ihnen besiegen, um als Anhänger dieser wohlthätigen Idee alle Kräfte daran zu setzen, dieser Idee mit : . ■

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