Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1898-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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hätten. Und doch« diese Heimlichkeit, hundertmal enthüllt und verrathen, für wenige Pfennige in jeder Buchhandlung zu kaufen, ist noch heute ein Hauptanziehungspunkt für den Aufnahmesuchenden. Können Sie es leugnen, dass grollend sich ein grosser Tbeil der Aufgenommenen wieder abwendet, weil hinter dem Geheimniss sich, eben Menschen bergen, Menschen mit den besten Absichten aber auch mit den Fehlern des Menschenthums. Dies Uebel des Geheimnisses haben wir längst erkannt und es werden Stimmen bei uns laut, die zum Verzicht hierauf mahnen. Genau ebenso gebt es mit dem Worte Logen, wir können es entbehren. Ziele und Zwecke müssen bleiben. Ueber die Form können wir uns verständigen, wenn diese Verständigung zum Frieden führt. Der Name kommt uns von Amerika, dort wirkt unser Orden einträchtig mit den Freimaurern aller Systeme zusammen. Und das sollte in dem idealen Deutschland unmöglich sein? Diese Meinung ist kaum ernst zu nehmen. Genügt ein Name, um die ihm Anhängenden auf den Index zu setzen, dann sind die Bannflüche Anderer verständlich. Dass Sie, als Jude und Freimaurer, die traurigen Ausführungen des Herrn Gartz auch nur erwähnen, ist mehr wie bedauerlich, dafür giebt es nur Stillschweigen. . Lassen Sie mich schliessen, verehrter Br. mit der Versicherung, dass der. Freimaurerbund, ■ wenn anders er dies will, an uns treue Mitarbeiter am Wohle der Menschheit haben wird. Möge er' das, was als Erstes auf seinem Banner steht, die Duldung, auch gegen uns üben. Dann wird es sich erweisen, dass wir wohl befähigt sind mit ihm gemeinsam zu arbeiten, als Horte der Freiheit zum Heile unseres Vaterlandes und der Menschheit. Hochachtungsvoll Moritz Heimerdinger, Wiesbaden. Die Delegirten-Konferenz in Prag am 13. November 1898. Es sind auwesend: Vom 10. Distrikt die.BBr. Dr. Hammerschlag, Dr. Stein Dr. Schänzel-, Dr. Rosenbaum, Vom 8. Distrikt die BBr. Dr. Maretzki, Timendorfer, Wisloch, D. Wolff. Der Vorsitz wird Dr. Ha mm erschlag, das Schriftführer amt Dr. Hosenbaum übeitrjgen, und soll letzterer gehalten sein, das Protokoll innerhalb 14 Tagen zu fertigen. Dr. Hammerschlag begrüsst die Anwesenden und spricht die Hoffnung aus, (fass auch die heutige Konferenz befriedi- 'gende Resultate zeitigen werde. Der 1. Punkt der Tagesordnung betrifft die Frage: Was hat zu geschehen, um die Glaubensgenossen in Galizien in ihrem Kulturzustande zu heben? Hierüber hat Dr. Maretzki in der Sitzung der „Bohemia* -am 12. November folgendes Referat erstattet:. * rEs könnte befremdlich erseheinen, dass ein Norddeutscher es unternimmt, Rathschläge zur geistigen Kultiviirung der galizischen Juden zu ertbeilen. Kennt er doch das Land nicht aus eigenem Augenschein, hat er doch nie darin verweilt, sein Wissen darüber aus Büchern* und Zeitschriften geschöpft. Muss er sich doch sagen, dass seine Schlüsse möglicherweise falsch gezogen sind, dass sein Urtheil vielleicht in mehr als einem Punkte Berichtigung erfahren wird. Und nun gar Rathschläge ertheilen Brüdern, welche an 1er Grenze des Landes wohnen, mit den dortigen Glaubeisgenossen in vielfache Berührung verschiedenster Art komm m, Land und Leute besser kennen müssen. Doch dies Ajles war nicht geeignet, Ihren Referenten davon abzuhalten, (die Frage zu studireh, sich ein Urtheil zu bilden und es Ihnen vorzutragen, selbst auf die Gefahr hin, dass es schief und nicht stichhaltig sei. Denn mir lag vor allen Dingen daran, dass die Frage „Galizien" einmal angeschnitten und tüchtig durchgesprochen werde, gleichgültig, ob^ alle Voraussetzungen und Schlüsse zutreffen. Zudem verhandeln wir doch im Bruderkreise. Warum soll denn der Br. dem Br. nicht seine Meinung sagen, wenn sie ihm auch nicht gefällt? . Eine sächlich geführte, vom Geiste des Wohlwollens getragene Diskussion kann unserem Gegenstande, dem wir Alle die regste Sympathie entgegenbringen, nur förderlich sein, und wenn die heutige Diskussion Anstoss zu einer fortgesetzten Aufmerksamkeit in dieser Sache, zu weiteren Studien und öfterer Behandlung giebt, so ist für den Augenblick schon viel, sehr viel erreicht. Soweit zu meiner Entschuldigung und Legitimation, in der .galizischen Angelegenheit das Wort ergriffen zu habeji. . Nach amtlichen statistischen Erhebungen befanden sich im Jahre 1895 in 252 selbstständigen Gemeinden beinahe % Millionen Juden, fast l/0 der Gesammtbevölkerung. Am meisten wohnen sie in grossen Städten, aber auch in allen kleineren, mittleren Städten, Dörfern, ja, sogar in Weilern befinden sich Juden. Abgesehen von wenigen Glaubensgenossen der grossen Centren, stehen fast alle in den Dörfern, in Städten und sehr viele selbst in den grössten Städten auf einem niedrigen Kulturzustand. Im allgemeinen kann man sagen, die Juden haben den Kulturzustand, der durch die Gesammtbildung des ganzen Landes vertreten wird. Es ist zu bedauern, dass die amtliche Statistik Aufschluss über die galizischen Bewohner nur nach Konfession und Geschlecht giebt, dass eine Berufsstatistik mir nicht zu Gesicht gekommen ist. Aber ich glaube nicht zu irren, wenn ich annehme, dass die allermeisten Juden dem Handel in seinen vielfachen Objekten und Abstufungen obliegen. Eben so sicher ist, dass sie in den denkbar schlechtesten sozialen Verhältnissen leben; die Erwerbsverhältnisse sind äusserst schwielig und ungünstig: der Klein- und Hausirhandel überwiegt, der Verschleiss von Spirituosen wird zumeist betrieben. Es ist einleuchtend, dass die bittere Noth, die durch die antisemitischen Umtriebe noch vermehrt wird, und der niedrige Bildungszustand die dortigen Menschen nicht nur indolent, gleichgültig .gegen edle Triebe und geistige Arbeit' macht, dass vielmehr eine arge Rücksichtslosigkeit und Skrupellosigkeit im Handelsverkehr Platz greifen muss. — Dazu kommt, dass die politisch-rechtliche Gemeinde-Verfassung der Juden in Galizien, seit einem Jahrhundert bestehend, hemmend auf die kulture^e Entwickelung gewirkt hat und noch wirkt bis auf den heutigen Tag. Die galizischen Juden haben seit den Zeiten Josef II. eine ausgedehnte Selbstverwaltung unter Leitung des Rabbinats. Der Landesrabbiner an der Spitze der Gesammtverwaltung fährte nach der Darstellung von Dr. Grünwald Aufsicht über die Religion und Erziehung der jungen Generation, kontrollirte die Thätigkeit der Rabbiner der Gemeinden, sorgte für Synagogen und Schulen. An der Spitze