Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1898-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ohne Beschränkung auf einen bestimmten Kreis, mit oder ohne Formen und Zeichen, dann werden wir uns glücklich schätzen, sie in unsere Bruderkette einzureihen.. Ein neuer Buftl, ein besserer Bund öffnet ihnen seine, Anrief t Der Bund der Menschheit, der keine Ausschliessung kennt; der Bünd der Arbeit, der nicht erschlaffen wird, bis sein Werk vollbracht ist; der Bund der Liebe, der alle Menschen zu sich ruft, der alle Lebewesen schützt gegen Qualen und Leiden, die ihr Erbtheil sind von Anbeginn an." Zu diesen Ausführungen äussert sich Expr. Br. Heimerdinger: Offener Brief an Herrn Ignaz Creizenach. Frankfurt a. M. Lieber Br.! Entschuldigen Sie die Anrede, aber ich ge hörte vor langen Jahren der Loge Platö zur beständigen Einigkeit in Wiesbaden an. Bin ich auch aus persönlichen Gründen ausgeschieden, nach den Prinzipien der Freimaurerei ist meine Zugehörigkeit zu derselben unbestritten. Ich darf daher .en connaissance de cause" mich zu Ihrem Artikel in der Bauhütte äussern. Lieber Br.! War es wirklich, nöthig, dass Sie in dieser Sache zur Feder griffen? Ich spreche hier zu dem Juden und ehemaligen Meister vom Stuhle der Loge zum Frankfurter Adler. Wenn aber schon, so wäre es eihem Manne von Ihrer Bedeutung wohl ein Leichtes gewesen, ein; anderes, durchschlagenderes System zu finden, wie das Anklammern an den blossen Namen. Ich halte den Ausschluss der Mitglieder des U. O. B. B. aus der Freimaurerei für ungerechtfertigt. Wünschenswerth halte ich es dagegen nicht, dass eine Person beiden Vereinigungen angehört. Die ehrliche Vertretung der Ziele und Zwecke des einen oder anderen Bundes nimmt die ganze Kraft eines Mannes in Anspruch. Ich würde es daher sehr beklagen, wenn es Mode würde, beiden Gesellschaften anzugehören. Die Möglichkeit möchte ich indessen nicht abgeschnitten wissen. .Nun gestatten Sie mir ein wenig, die Gründe zu untersuchen, die dem Orden seinen Zug nach Deutschland so sehr erleichterten. (Stossen Sie sich bitte nicht so sehr an den Ausdruck Orden. Die Zeit hegt noch nicht weit hinter uns, wo man unter Freimaurern ernstlich stritt, ob es Bund oder Orden heissen müsse. Irre ich nicht, so nennen sich, die Logen schwedischer Observanz heute noch Orden). Die Einführung der Logen des U. O. B. B. in Deutschland und deren rasche Verbreitung muss als eine natürliche Folge der antisemitischen Bewegung gelten. Sie freilich, in Frankfurt, standen auf einem verhältnissmässig günstigen Boden. Sie haben zwei Freimaurerlogen, die fast ausschliesslich aus Juden bestehen. Der Einwand, Sie nähmen auch Christen auf, lasse ich nicht gelten, es kommen keine, oder doch nur in seltenen Ausnahmefällen. Dass in den übrigen Logen des eklektischen Bundes Juden aufgenommen werden oder wurden, wer will es bestreiten. Aber wie sieht es damit in dem letzten Jahrzehnt aus? Die Aufnahme von Juden ist in fast allen Logen schwer, beinahe unmöglich zu erreichen. Lange vor Gründung der B. B. Loge hier habe ich es versucht, eine Freimaurerloge ins Leben zu rufen, deren Zusammensetzung die Aufnahme ein wandsfreier Juden möglich machen würde. Meine Müh e bl i eb erfolglos und die Hauptgegner habe ich unter den jüdischen Freimaurern Frankfurts gefunden. Und nun, wer kann es uns verargen, wenn wir dem idealen nachstreben und wenn wir es versuchen, die harten Lehren des Antisemitismus zum Heile der Unsern zu nützen? Zu diesem Ziele verhilft uns die Zusammengehörigkeit im U.'.O. B. B. oder bringt uns 1 demselben wenigstens näher. Keine Ausschliesslichkeit begehren wir, die wir längst ausgeschlossen sind. Wir sind efn .Verein, von und für Juden. Nichts anderes. Wir sind den eignen Fehlern gegenübernicht blind, freimüthig erkennen wir an, dass an vielem die bessernde. Hand gelegt werden kann. Das thun.wir. Nichts anderes. Weit entfernt, der Freimauerei £a schaden, bereiten wir die Unseren durch Bildung und Gesittung, durch Redlichkeit in Handel und Wandel, durch anständiges und ruhiges Auftreten würdig vor, nach dem weltumfassenden Ideal der Freimauerei zu streben. Die Vereinigung macht auch den Schwachen stark und wir lehren die Unseren, des eigenen Werthes sich bewusst zu sein, die Selbstachtung, die Treue zu unseren alten Glauben und die Freude an unserer stolzen ehrwürdigen Geschichte. Die preussischen Logen verlangen von Ihren Mitgliedern, in vollständiger.Verkennung der Ziele und Zwecke des Fre'imaurerbundes", die Zugehörigkeil zum Christenthume.. Wir nehmen, jedoch aus entgegengesetzten Gründen, das gleiche Recht für uns'in Anspruch. Seit einem Menschenalter wirken die beiden jüdischen Freimaurerlogen in Frankfurt. Mit welchen Erfolgen zum Heije der .Gesammtheil? Sind Ihre Stifturigön-nicht fast ausschliesslich den Ihrigen zugänglich? Soll ich Ihnen dagegen die Erfolge der U. O. B. B. Loge, die seit 12 Jahren in Frankfurt besteht, aufzählen; soll ich Ihnen die werkthätige Menschenliebe zum' Wohle der. Gesammtheit, die dorten geübt wird, erst noch ■ benennen? Wäre der Vergleich nicht hinkend, man müsste glaubendes stecke etwas, von Furcht vor dem Erfolg de3* jüngeren Concurrenten in Ihren Anführungen.. Stellt der Freimaurer- . bund die Anforderung,' als Fjihrer sittlicher Bewegung, als Hort der Freiheit und Duldung gehalten zu werden, so mache* er, der Aeltere, vorerst freie Bahn. Er< ermögliche es,- jedem tüchtigen und unbescholtenem Manne zu ihm zu kommen, Trost und Bruderliebe bei ihm zu finden. So lange dies nicht geschieht, übe er wenigstens die äussere Toleranz und gestatte uns, _dass wir uns derer, , die da mühselig und jeladen sind und von denen er doch einmal wenig wissen will, annehmen. Den Blick, auf das Ganze braucht man dabei nicht zu verlieren. Indem wir die Juden zur Sammlung und Erkenntniss des eigenen Werthes aufrufen, lehren wir sie, diejenigen Fehler abzustreifen, die unsere Gegner allen Juden immer und immer, wieder vorwerfen. Wir glauben damit nicht gegen, nein lür die Zusammengehörigkeit zu arbeiten und wir , dürfen für dies Beginnen nicht nur keine Gegnerschaft, nein Förderung von der ^Freimauerei erwarten. Schon das Wort Freimaurerei sollte bedeuten, dass ihre Bekenner frei in des Wortes ^höchster sittlicher Bedeutung sein müssten. Dass vdie Freimaurer dann berechtigt wären, jeder Gesellschaft, die gleiche oder ähnliche Ziele verfolgt, anzugehören, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Wir können uns jeder Heimlichkeit entrathen, bft haben die Aufhebung aller erkennenden Zeichen in unseren Discuisiorien eine grosse Rolle gespielt. So würde es auch die ichtvolle Idee. der Freimaurerei nicht gehindert haben, ihren Siegeszug durch die Welt anzutreten, wenn ihre Ausführungen sich auch nicht in den Schleier des Geheimnisses gehüllt