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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-12-01 · Nr. 8 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 8 - Dezember
Date
1898-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 82 — I ■ f „Wir finden hier das Programm des Freimaurerbundes wieder, die gleichen Zwecke, die durch die gleichen Mittel erreicht werden sollen, aber leider verkümmert und .verfälscht dadurch, dass es sich nicht ran die Menschheit, sondern an die Angehörigen einer bestimmten Religionsgemeinschaft, der israelitischen, wendet. Andersgläubige sind schon durch den Namen unbedingt von der Mitgliedschaft ausgeschlossen." Der Einsender fährt dann fort: „Bei den entsetzlichen Verfolgungen, welchen die Angehörigen der israelitischen Religion in uncivilisirten oder halb civilisirten Ländern oft ausgesetzt sind, bei den uner-? hörten Angriffen und feindseligen Beschuldigungen, welche auch bei uns in Deutschland, in Oesterreich und Frankreich unausgesetzt gegen sie gerichtet werden, ist es nur zu natürlich, 'dass Vereine zusammentreten, um diejenigen zu schützen, die am meisten davon zu leiden haben." Sodann sagt der Verfasser wfeiter: ..Wer wird entgegentraten wollen, wenn ein solches Bedürfniss wirklich den Anlalss zur Gründung gegeben haben sollte! Dass für ein so nützliches Werk eine Reihe von Seltsamkeiten zu Hilfe genommen wird, ein geheimes Ritual, ein Gelöbrtiss der Verschwiegenheit und sonstige wunderbare Bestimmungen, könnte einem solchen Unternehmen zwar eher hinderlich sein. Man beneidet uns Freimaurern diese Vorsichtsmassregeln, die wir eher abzustreifen geneigt sind, und auf welche sich z. B. die Gesellschaft für ethische KuRur nicht eingelassen hat. Diese Zuthaten aber dürften uns vollständig kalt lassen, wir könnten achselzuckend daran [ . vorübergehen, wenn die Verbindung sich auf ihren ursprünglichen Herd, auf Amerika, beschränkt hätte. Wir stehen aber der Thatsache gegenüber, dass sie in einer den Freimaurerlogen ziemlich genau nachgebildeten Form nach I Europa, insbesondere in die bedeutendsten Städte unseres deutschen Vaterlandes herübergreift. Der Umstand, dass j .Verwechslungen unvermeidlich sind Und von gewisser Seite gern benutzt werden, nöthigt, uns, als Freimaurer Stellung dazu zu nehmen, insbesondere diejenigen Freimaurer, die zugleich Israeliten sind. , Von den Grosslogen Deutschlands hat zuerst, soviel mir bekannt, diejenige von Hamburg von dieser Nachbildung des Freimaurerbundes Kenntniss genommen und zwar dadurch, dass sie in ihrer Quartal-Versammlung vom 13. November 1886 die folgende Resolution einstimmig annahm: „Die Grossloge von Hamburg betrachtet nach Kenntnis-nahme der Konstitution des „Unabhängigen Ordens Bnai Brüh" diesen Orden als' eine geheime Gesellschaft und erklärt die Zugehörigkeit zu demselben für unvereinbar mit der Mitgliedschaft des Freimaurerbundes." Dieser Resolution sind die übrigen hier in Betracht kommenden Grosslogen beigetreten, und wir würden uns diesem Beschluss zu fügen haben; auch ohne ihm ganz zustimmen zu können. Ob bei der vollkommen klaren Darlegung der Zwecke und der Bekanntgebung des Mitgliederbestandes die Verschweigung einiger Erkennungszeichen und Gebräuche genügt, um die Verbindung zur geheimen Gesell- ■schaft zu "stempeln, darüber wird man wohl verschiedener Meinung sein dürfen. Für uns aber kommen noch andere Motive in Betracht, die wenigstens mich für meine Person veranlassen, nicht nur in meiner Eigenschaft als Mitglied einer Freimaurerloge selbst dem Orden der Söhne des Bundes fern zu bleiben, sondern auch, ungeachtet meiner sonstigen Hochachtung, die Zugehörigkeit zu demselben für unvereinbar mit der Mitgliedschaft des Freimaurerbundes zu erachten. Niemand wird darüber im Zweifel sein, dass die Form, welche der amerikanische Wohlthätigkeitsverein angenommen hat, der unsrigen nachgebildet ist. Schon die Bezeichnung ihrer Zweigvereine als Logen zeigt dies aufs Klarste. Durch den aufdringlichen Uebergriff in unser deutsches Vaterland in dieser mit unverkennbarer Absichtlichkeit zur Schau getragenen Form wurden und werden unsere eigensten wichtigsten! Zwecke und Bestrebungen in unerwarteter Weise gekreuzt. Noch sind innerhalb des Freimaurerbundes die konfessionellen Schranken nicht gefallen. Von acht deutschen Grosslogen haben zwei, und' zwar die an Umfang und Mitgliederzahl' weitaus bedeutendsten, das Hinderniss noch nicht beseitigt, welches Andersgläubige von der Zulassung ausschliesst. Aber wohl durfte man sich der Hoffnung hingeben, dass der Wegfall dieser Ausschliessung nur eine Frage der Zeit sei. Ist doch die Wirksamkeit der Freimaurerei überall eine allmähliche und langsame. Sie rückt vorwärts wie der Stundenzeiger der Uhr; sie wächst heran wie der Knabe, dessen Aussehen sich nicht von Woche zu Woche ändert, von dem wir aber doch wissen, dass er zum Manne heranreift. Hier aber stehen wir einem Vorgang gegenüber, der' unsere Hoffnungen nur dämpfen, das lichte Bild, das unserem geistigen Auge vorschwebt, nur verdunkeln kann. Wir sehen hier, wie die Religions- Gesellschaft, die bisher von dieser Ausschliessung hauptsächlich betroffen war, durch eigene Abschliessung der Unduldsamkeit eine willkommene Berechtigung zu verleihen sich anschickt. Wir sehen, wie aus ihrer Mitte eine Verbindung hervorgeht, die in Form und Tendenz offenbar die Freimaurerei kopirt, ihr Bestes aber, die Ausdehnung auf das ganze menschliche Geschlecht, von sich weist." „Einer der hervorragendsten Angehörigen der Grossen Landesloge — Br. Garz — hat in überzeugender Weise nachgewiesen dass die Ausschliessung der Juden noch keineswegs die allgemeine Gegnerschaft gegen dieselben in sich begreift. Derselbe sagt mit beredten Worten: „Schliessen wir iloch auch die Frauen aus — sind wir darum Gegner der Frauen? wir schliessen Minderjährige aus — sind wir darum Gegner derselben? So können wir auch Juden nicht zulassen, ohne ihnen darum feindselig gesinnt zu sein". — Dagegen lässt sich vom Standpunkt der Grossen Landes-Loge aus nichts einwenden.* Der Verfasser nimmt daran Anstand, dass wir uns die Bezeichnung Orden beigelegt haben, dass wir damit prunken. Schliesslich ruft er uns zu: „Die Mitglieder des Ordens nennen sich „Söhne des Bundes". Welchen Bundes? Das lehrt der hebräische Ausdruck Bnai Brith. Kapitel 17 des ersten Buches Mose bringt uns die wunderbare Verkündigimg von einem Bunde, dessen der Erzvater Abraham gewürdigt worden sei." „Mögen sie aufhören, sich auf jenen alten viertausendjährigen Bund zu berufen, mögen sie anerkennen, dass Gott das ganze Menschengeschlecht in seinen Bund aufgenommen hat, mögen sie als schlichte Unterstützungs¬ und Wohlthätigkeitsgesellschaft auftreten, sei es mit oder

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