Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 7 - November
- Date
- 1898-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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häufig erfreut durch die Anwesenheit auswärtiger Brüder aus allen _ Theil en Deutschlands. ~n der am stärksten besachten Sitzung, waren 107 Brüder, in der am schwächsten besuchten Sitzung waren 50 Brüder anwesend. Im Durchschnitt waren die Sitzungen des ersten Temines je von 63 Brüdern besucht. Vm 21. März 1897 wurde die München-Loge feierlich insta'ürt in Anwesenheit zahlreicher Brüder aus Alldeutschland und Oesterreich. Die Anzahl der Brüder stieg im ersten Termine von 107 auf 148, eine Zunahme, welche beweist, auf einen wie fruchtbaren Boden die Logenidee in' Bayern gefallen ist. Ueber die Installation wurde in diesen Blättern von berufener Seite seinerzeit eingehend* berichtet. Nach der ernsten Installationsfeier und 'der ernst-heiteren Festesfeier, welche einen unauslöschlichen Eindruck auf uns hinterlassen haben, gingen wir an unsere ernste Arbeit heran, getragen von dem einzigen Wunsche, es möge uns gelingen, in ernstem Streben die Honnungen zu erfüllen, die man mit der Gründung der München-Loge in uns gesetzt hat. *./._• Im Anfang, bis tief in den Winter hinein, nahm die Berathung der Statuten einen breiten Rahmen in den Sitzungen ein. Bei den eingehenden Debatten klärten sich die Ansichten und manch treffendes Wort ist dabei gefallen. In grundlegenden Dingen einigte man sich nach oft anregender Besprechung, geleitet von der Ueberzeugung, dass,' wenn auch manchmal die Meinungen auseinander gehen, das zu erstrebende Endziel doch immer das gleiche ist und dass der Zusammenstoß der entgegenstehenden Meinungen der helle und lautere Quell ist, aus welchem die Wahrheit entspringt, und nach Licht und Wahrheit streben wir ja Alle. In mehreren Sitzungen wurde die Zionistenfrage behandelt in einem gegenüber dem Zionismus sich schroff ablehnend verhaltendem Sinne, wozu wir überhaupt und besonders um deswillen veranlasst waren, weil die Zionisten ursprünglich beabsichtigt hatten, ihren ersten Congress in München ab- ' zuhalten, was wir wohl nicht mit Unrecht verliindern zu müssen geglaubt haben, denn neben so vielem Anderep, was uns von den Zionisten trennt, musste das Programm der Zionisten unser patriotisches Gefühl verletzen. Alsdann traten wir an unser erstes bedeutsames Werk, die Ausbildung jüdischer Mädchen^u Krankenpflegerinnen, heran. Nach eingehender Berichterstattung durch die Brüder , Dr. Werner, Dr. Sielmann und Dr. Doernberger wurde in der 7. Sitzung am 3. Mai 1897 der Beschluss gefasst, die Ausbildung" von vorerst 6 Mädchen zu Krankenpflegerinnen zu übernehmen und zu diesem Behufe in ganz Bayern einen Aufruf zu verbreiten. ' Wenn es Jemanden gegeben hat, der an dem Erfolge zweifelte, wähnend, dass die Anmeldungen nicht allzu zahlreich einlaufen, und der Zweifler waren es nicht eben wenig, so kann mit Freuden festgestellt werden, dass diese Zweifel sich verflüchtigten wie der Rauch in den Lüften. Mehrmals ein Dutzend Mädchen meldeten sich an, glücklich ob der sich bietenden Gelegenheit, einen so schönen nnd idealen Beruf erschlossen zu sehen, mit der dringenden Bitte, sie demselben zuzuführen und nach einer sorgfältigen Auswahl schickten wir einen Theil nach Berlin, einen Theil nach Cöln zum Zwecke der Ausbildung. Im nächsten Jahre, so es Gottes Wille ist, hoffen wir ia der Lage zu sein, durch Begründung eines Vereins für Ausbildung jüdischer Mädchen zu Krankenpflegerinnen den, Beweis zu liefern,., dass gerade jüdische Mädchen ganz besonders zu diesem Berufe geeignet sind. I Noch war die Frage der Krankenpflegerinnen nicht ausgetragen, als wir in unserer 12. Sitzung vom 31. Mai 1897 wiederum einen bedeutsamen Beschluss fassfen, der zum Ausdruck brachte, es sei wünschenswerth, der Frage der Schaffung einer Arbeitsnachweisungsstelle näher zu, treten und in der 17. Sitzung vom 25. Oktober 1897 wurde auf Berichterstattung der BBr. Ad.olf Fraenkel und Dr. Frankenburger der weitergehende Beschluss. gefasst, es sei nothwendig" in München eine Afbeitsnachweisstelle zu begründen. Zu diesem Behufe setzte sich die München-Loge mit'dem Centralverbande jüdischer Wohlthätigkeits vereine, dessen Mitglied sie ist, in's Benehmen und in gemeinsamem Zusammenwirken ist nunmehr nach ' vielen Sitzungen und Tagungen heute das Bureau für Arbeitszuweis in's Leben getreten, von dem, so hoffen wir, reicher Segen ausgehen wird. Von Brüdern sind als Gommissionsmitglieder in diesem Arbeitszolweis thätig die- BBr. Adolf Fräenkel, Rechtsanwalt Beer, Adolf Einstein,'" Max Engjaender, Benno Epstein, Simon Leiter, Rechtsanwalt Ofner, Jacob Regensteiner, Oscar Tietz und Rabbiner Dr. Werner. Ausserdem sind ebensoviele .der Loge nicht angehörige Herren als Commissionsmitglieder thätig. Während der 3 Monate dauernden Ferien fanden sich zahlreiche Brüder an. den Montag-Abenden mit Familie auf dem Augustinerkeller " zusammen^ um auch während der Sommermonate das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu pflegen. Leider wurden wir während der Daner der Ferien von einem herben Verluste betroffen, indem Br. Raphael Bauer uns durch den Tod entrissen wurde. Damit war der Kreis der Brüder zum ersten Male durchbrochen. Der allzufrüh Verlebte bat in der kurzen Zeit, die er-Mitglied des Ordens war, gezeigt, dass er durchdrungen war von dem idealen Ziele unserer Bestrebungen. Wir werden demselben ein dauerndes Andenken bewahren, " Nacli Ablauf der Ferien gingen'wir..mit neuen Kräften an unsere ernsten uns lieb und theuer gewordenen Arbeiten heran. Es wurde zunächst beschlossen, wenn möglich itf jeder dritten Sitzung "einen -kurzen Vortrag durch einen Bruder halten zu lassen,' an welchen sich eine Diskussion anschliesst. Inzwischen war der \ bisherige Sitzungssaal zu klein geworden und wir bezogen einen grosseren, der Loge würdigeren Saal und zwar in den Räumen der Gesellschaft Concordia. Bisher wurden von den, nachgezeichneten Brüdern über die nachbezeichneten Themata-Vorträge gehalten: 1. Br. Br. Dr. Stelmann uad^Dr. Doernberger: Die Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen. 2. Br. Br. Adolf Fraenkel und Dr. Frankenburger: Schaffung einer Arbeitenächweisungsstelle. 3. Br. Sigmund Fraenkel: Die Beschlüsse der jGrqssloge und die Entwickelnng des Ordens in Deutschland. 4. Br. Dr. Friedsam: Innere-Colonisation. 5. Br. Rabbiner Dr. Werner: Toleranz im Judenthnm. 6. Br. Oscar Tietz: Produktivität des Handels. 7. Br. Dr. Auerbaeh-Rheinland-Loge: Die jüdische Handwerkerfrage.