Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 7 - November
- Date
- 1898-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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weiss nicht, wie dieselbe wieder ausgefällt werden soll Die meisten von uns haben Sie, lieber Bruder, erst hier in der Loge näher kennen gelernt und den Meisten, ich darf wohl sagen, allen siud Sie ein Freund geworden, wie auch Ihnen alle in herzlicher Freundschaft zugethan sind. Alle die Sie hier und ausserhalb in Ihier Thätigkeit um unsern geliehten Ordeu kennen gelernt haben, achten und schätzen Sie. Wie ich vorhin schon ausgesprochen habe, erleiden wir einen Verlust und dennoch ist jeder von uns erfreut, über die Ehrung, die unserm scheidenden Bruder widerfahren ist. Denn Alle fühlen so wie ich, alle gratulieren unserm Bruder und alle wünschen von Herzen Ihnen diejenigen Erfolge, die Sie sich selbst wünschen. So begleiten Sie,' lieber Bruder, unsere besten Wünsche; mögen Sie mit Gottes Hülfe in Erfüllung gehen. Für unsere Loge aber hoffe und wünsche ich, dass in nicht all zu langer Zeit Sie zu uns für immer zurückkehren mögen, zufrieden mit Ihren Erfolgen und gekrönt mit den höchsten Anerkennungen, die bei Ihrem Eifer, bei Ihrem Fleiss, bei Ihrem bescheidenen Auftreten, vor allem aber bei Ihrem Können und Wissen, nicht ausbleiben werden. Ziehen Sie, in Frieden und unter dem Schutze, den wir Ihnen wünschen!" Br. Bj. Mai hat sich durch die ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten und Ehrungen so gerührt gefühlt, dass er vor lauter Ergriffenheit kaum im Stande war, seinen Dank für all das Gesagte und Gebotene abzustatten; er sagte es und man konnte es ihm glauben, hier in der Loge hat er das gefunden, was er zu finden hoffte: geistige Erholung und geistige Erfrischung nach der Arbeit des Tages, die bei ihm doch gewiss durch seinen Beruf eine geistige war. Wie wohl, wie daheim er sich hier fühlte, das war in dieser Sitzung so recht zu erkennen, indem er sein Herz bei uns ausschüttete, indem er wie zu einem wirklichen, leiblichen Bruder von den- Sorgen, Mühen, Enttäuschungen erzählte, die er gehabt hatte, um das zu erreichen, wonach er von Anfang seiner Laufbahn an gestrebt hatte, ohne besonders ehrgeizig sein zu wollen. Zum Schluss appellirte er an die Eine der Loge, Alles aufzubieten, um dieselbe auf dem seitherigen Niveau zu erhalten; er lehnte es in seiner Bescheidenheit ab, etwas geleistet zu haben und meinte, es seien genug Brüder in der Loge, die seinen Platz gut ausfüllen könnten, wenn nur der Wille da wäre: nocli manchen treffenden, gut gemeinten Gedanken bekamen wir von dem scheidenden Bruder zu hören, sodass es allen anwesenden Brüdern noch einmal so recht zum Bewusstsein kam, wieviel wir durch seinen Weggang verlieren. An diese Sitzung, die nach, der Dankesrede des Bruders Dr. Mai gleich geschlossen wurde, schloss sich sofort ein Brudermahl an, das in grösster Gemüthlichkeit verlief, und gewiss werden alle Theilnehmer mit grosser Befriedigung auf diesen schönen Abend zurückschauen. Sehr anregende Discussionen fanden statt über die Frage: .wie die von den Logen zu veranstaltenden Festlichkeiten in einfachster und doch würdigster Weise zu feiern seien" und über die von Br. Dr. Staadecker in den Monatsberichten augeregte Verlegung der Logensitzungen auf Sonntag, welch letzterer wir einhellig ablehnend gegenüberstehen. Zum Schluss können wir noch über unseren diesjährigen Familienabend am 1. November berichten, dass er voll gelungen ist; die Darbietungen unserer Brüder und vor Allem unserer Schwestern auf musikalischem und deklamatorischem Gebiet gaben durchweg Gutes, sodass die sehr animirte Stimmung eine ganz begreifliche war. Noch niemals war die Betheiliguig an diesen von uns auch in diesem Jahr allmonatlich beabsichtigten zwanglosen Vereinigungen eine so ausserordentlich zahlreiche. halbes ersten Julius Bien-Loge, Eschwege. An die Loge, "}fi Sitzungeu fast vollzählig von den Brüdern besucht werden, sind in diesem Monate grössere Anforderungen nicht herangetreten. Man war mit Erfolg bemüht, einem unverschuldet in Vermögensverfall gerathenen verheiratheten Kaufmann eine Stellung in einem auswärtigen Geschäfte zu verschaffen und bewilligte für einen Lehramts-Präparandeu eine fortlaufende Unterstützung. Die Commissioc für den Entwurf der Statuten war fleissig an der Arbeit und der Ausschuss für geistige Interessen ist bemüht, zur Haltung von Vorträgen, zu denen sieh — wie im Vorjahre — die BBr. Dr. Cohn und Peyser bereit erklärt haben, auch noch eine auswärtige Kraft heranzuziehen. Die in den Grosslogenberichten ständig wiederkehrende Frage nach Mitteln zur Hebung des Logenbesuches ist — neben anderen Fragen — lebhaft besprachen worden und hat sich Br. Peyser der Muhe unterzogen, das Resultat dieser Besprechungen in einem Referat zusammenzufassen.*) München - Loge, München. Mehr denn ein Hundert Sitzungen liegen hinter uns und heute zum Male erscheinen wir mit einem Berichte in diesen Blättern. Nicht ganz ohne Grund haben wir gezögert, Mittheilungen über unsere bisherige Thätigkeit zu veröffentlichen. Wollten wir doch zuwarten, bis ein wenn auch nur einigermaassen greifbarer Erfolg dieser Thätigkeit zu verzeichnen ist. Dass das jüdische Selbstbewusstsein, gepaart mit dem Gefühle stolzer Bescheidenheit, gehoben wurde durch die Thätigkeit der Loge und in der Loge, ist zwar auch ein Erfolg, und kein geringer, aber er ist nicht sofort greifbar; geht es doch hier wie mit dem Heranwachsen eines Kindes. Man merkt dasselbe nicht von Tag zu Tag, aber nach einer geraumen Zeit steht ein herangewachsener Knabe vor uns. Es pulsirt jüdisches Leben, jüdisches Fühlen und jüdisches Denken in unserer Loge nicht nur bei den Brüdern, welche festhalten an den alten Satzungen, sondern auch bei den Brüdern, die nicht mehr so fest daran halten und auch bei den Brüdern, die sich von den alten Satzungen losgesagt haben. Das Beiwort „ächt jüdisch" hat nicht, nur den fatalen Beigeschmack, der ihm in manchen Kreisen beigelegt wird verloren, sondern es ist der Inbegriff alles Schönen, Edlen und Guten geworden. i Mit dem heutigen Tage nun "haben wir einen greifbaren Erfolg zu verzeichnen. Mit dem heutigen Tage wurde ein „Bureau für Arbeitszuweis, begründet von dem Verbände jüdischer Wohlthätigkeits-Vereine und -Anstalten in München" eröffnet, an dessen Begründung wir einen lebhaften Antheil haben. Dies giebt uns Veranlassung, in kurzen nüchternen Zügen ein Bild über die bisherige Thätigkeit der München- Loge nunmehr der Oeffentlichkeit zu übergeben. In 54 Sitzungen, darunter 4 ausserordentliche Sitzungen und unter diesen eine Sitzung mit Damen, haben wir gearbeitet, *) Dieses Referat wird in einem der nächsten Berichte als selbständiger Artikel abgedruckt -werden. Das Redaktions-Comitl.