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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-11-01 · Nr. 7 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 7 - November
Date
1898-11-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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— 75 Victoria-Loge, Görlitz. Der zahlreichere Besuch unserer Sitzungen im abgelaufenen Monat hat bewiesen, dass die Brüder mit dem Beginn der kühleren Jahreszeit dem Logenleben ein regeres Interesse darbiingen, andererseits können wir aber auch von sehr anregenden Sitzungen berichten. . Unser Br. Dr. Freund hielt einen mit grossem Be'ifal aufgenommenen Vortrag über: „Die Juden als Arbeiter", in dem er die Beschuldigung unserer Gegner, dass die Juden im Ackerbau und Handwerk niemals etwas geleistet, schlagenc widerlegte. Aus der Bibel bewies er, wie sich Juden sogar als Kunsthandwerker.beim Tempelbau betheiligt hätten und ferner wie die Gesetzgebung der Bibel und die Art unserer Feiertage, die eigentlich Erntefeste seien, beweisen, dass die Juden in Palästina zumeist Ackerbau getrieben. Er bewies ferner aus dem Talmud, dass den Eltern direkt anempfohlen wurde, ihre Kinder ein Handwerk erlernen zu lassen um dass selbst viele unserer Talmud-Gelehrten in ihrem Hauptberuf Handwerker gewesen. Dem Handwerk sind auch viele Juden bis zum Mittelalter» treu geblieben, dann aber, als die blutigen Verfolgungen begannen, als die Innungen sie auf das Heftigste bekämpften, sind sie direkt zum Handel gedrängt worden, und der Ackerbau sei ihnen unmöglich dadurch gemacht worden, dass sie Grand und Boden nicht erwerben durften. Die neuerdings hervortretenden Bestrebungen, den Juden das Handwerk und den Ackerbau wieder zu erschliessen, müssen, so schloss Redner, thatkräftigst unterstützt werden, dann werden die Juden beweisen, dass sie auch auf dem Gebiete des Handwerks und Ackerbaues ihren Platz ausfüllen können. Unsere Absicht, für die Erziehungs-Anstalt Ahlem innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde Propaganda zu machen, konnte leider noch nicht zur Ausführung kommen, da ein massgebendes Mitglied der Gemeinde, das zuerst hierfür gewonnen werden müsste, durch den Tod seiner Gattin , momentan behindert ist, sich dieser Angelegenheit zu widmen, doch behalten wir dieselbe im Auge und hoffen zu geeigneter Zeit ein erfreuliches Resultat zu erzielen. Zur Feier der Einweihung des eigenen Heims der Lessing Loge hatten wir unseren würd. Präs. Br. Pfeffermann, den Vizepräs. Br. Brinitzer und 4 andere Brüder delegirt und ist in der Loge alsdann über den erhebenden, grossartigen Verlauf der Festloge und des Banketts referirt worden. . Mit grossem Interesse nahmen wir Kenntniss von der Mittheilung der Loge in Bukarest, dass dieselbe eine Hand werkerschule für 150 Zöglinge errichtet und wurde der Wunsch ausgesprochen, dass der hochw. Grossloge die Bitte der Bukarester Loge, sich dafür zu interessiren, geeignete Lehrkräfte für sie ausfindig zu machen, warm ans Herz gejegt werden möchte, was hiermit geschieht. Es wurde hierbei betont, dass die Wohlthätigkeit, die in vielen Logen in letzter Zeit in falsche Bahnen gelenkt sei, sich auch in der Zuwendung von Stipendien an solche Knaben, die bei uns in Deutschland sich dem Handwerk widmen wollen, bethätigen möchte, es würde sicher dies von segensreicheu Folgen sein und die Bestrebungen, die Juden für das Handwerk zu gewinnen, gefördert werden. — Der geeignete Zeitpunkt, mit unserer Propaganda in Liegnitz einzusetzen, scheint jetzt gekommen; wir haben unsere Propaganda-Broschüre., enthaltend je eine Rede des hochw. Grossprfis. Timendorfer und des Br. Dr. Freund, 1 an difruns geeignet erscheinenden "Glaubensgenossen versandt und wird unser würd. Präsident sich mit einigen Brüdern. demnächst nach Liegnitz begeben, -um die Sache persönlich in Fluss zu bringen. Am 22. Oktober feierten wir unser Ordensfest durch ein Brudermahl unter reger Retheilignng unserer Brüder und hat dasselbe einen würdigen Verlauf .genommen. Wir haben im abgelaufenen Monat einen Bruder dHrch Austritt, den wir demselben nahegelegt, ausserdem unseren lieben Br. Wilhelm Heilborn leider durch den Tod verloren, m ' * N. ' 1 V i andererseits ist eine Neuanmeldung zu -registriren. Friedrich-Loge in Heidelberg. Seit der Wiederaufnahme der Verhandlungen nach den Sommerferien, entwickelt sich unser Logenleben recht, rege, wenn »war auch eine Reihe unserer Brüder vom Logenbesuch durch Reisen abgehalten ist. Unserem erst gesteckten Ziele getreu, durch Vorträge und Discussionen unseren Brüdern und'auch weiteren Kreisen das Wissen Einzelner zu Nutze zu machen, Hessen wir schon am 4. Oktober d. J. Herrn Haupflehrer Rothschild aus Worms einen Vortrag über .Gabriel Rieser." halten, der wegen seiner klaren und zusammenfassenden "Darstellung sicli des allgemeinen Beifalls erfreute. Einen für die innere Entwickelung unserer Loge beklagenswerthen Verlust erleiden ' wir durch den Weggang unseres ersten Präsidenten des Br. Dr. Mai, der einem ehrenvollen Rufe als erster Assistent des chemischen Laboratoriums der Universität Bern Folge leistete. Aus unserem Protokoll vom 11. Oktober entnehmen wir Über die zu Ehren des Scheidenden gemachten Veranstaltungen fölgeudes: Zuerst nahm unser «w. Präsident das Wort zu etwa folgender herzlicher Ansprache-an Br. Dr. Mai: „Wir haben Sie auf heute eingeladen zu einem Brudermahl. Ich hoffe Sie deshalb mit 'mir einig, wenn ich alle noch unerledigte Fragen.zurückstelle bis zur nächsten Sitzung.- Die Veranlassung zu diesem Brudermahl ist natürlicher Weise eine erfreuliche, denn es gilt unserem w. Expräs. Br. Dr^Mai eine Feier zu bereiten, der einem-ehrenvollen Rufe an die Universität, Bern folgt. Für unsere Loge allerdings .bedeutet dieses einen Verlust und ich kann wohl sagen, einen unersetzlichen. Br. Dr. Mai ist diTjenige, der in der allerschwierigsten Zert diese Loge geleitet hat.' Er war unser, erster Präsident. Wir alle wussteu zu jener Zeit noch 'nicht, was wir eigentlich thun müssen, wie es anfangen, um die uns gestellten Aufgaben richtig zu erfüllen. - Er hat uns den Weg gezeigt und dadurch aucli unserer Loge den Stempel, d. h. ihren Charakter, aufgedrückt. Wie wir heute arbeiten uncTich darf mit Stolz sagen, zum Wohle unseres geliebten Ordens geschieht es, st der Erfolg unseres scheidenden; Bruders. Seiu Geist iegt in unseren Arbeiten, mit welchen wir die höchst« Achtung unserer würdigen Grossloge uttd " unserer Schwesterlogfen errungen haben. Wenn «hier von unsi sich um das Gedeihen und um die Entwickelung unserer Loge Verdienste erworben hat, dann ist es Br. Expräs. Dr. Mai. : Stets hat/ er es verstanden, die Sitzungen interessant zu gestalten. Wir danken ihm eine Reihe lehrreicher und belehrender Vorträge und sein reiches Wissen stellte er bei jeder Discussion in den Dienst unserer Loge. Manche neue Idee, manchen neuen Gedankengang hat er hier entwickelt* immer mit dem Ziel und den rinzipien vor Augen, die sich unser1 geliebter Orden gestellt hat. Lieber Bruder! Sie hinterlassen hier eine Lücke, ich

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