Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 7 - November
- Date
- 1898-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 74 — ' -..!'.> habenen Ziele entgegen. Die.Sitzungen finden bei uns jeden Sonnabend, Abends 87* Uhr statt. Die Anregung des Bruders Staadecker, die Sitzungen auf den Sonntag zu verlegen, fand nicht dieBilligung der BBr., da bei unseren Verhältnissen die meisten BBr. Sonntag Vormittag nicht abkömmlich sind, die Nach .mittage aber, im Winter in der Familie verbracht, im Sommer zu Ausflügen etc. benutzt werden. Einer Aufforderung zur Erwerbung der Mitgliedschaft des „Ve/Bß zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" hat unsere Loge Folge gegeben. Mamreh - Loge, Beuthen O.-S. Sollte dem Monate Oktober bezüglich unserer Logenthätigkeit eine richtige, charakteristische Bezeichnung beigelegt werden, so dürften wir ihn mit vollem Rechte als „Festmonat" bezeichnen. Unsere Loge beging am 13. Oktober in feierlichster Weise „das Ordensfest ', welches durch die vortreffliche und inhaltvolle Festrede unseres w. Expräs.'Br. Dr. Kopfstein einen überaus würdigen und schönen Verlauf nahm. In stattlicher Zahl betheiligten sich sodann am 16. Oktober er. die Brüder unserer Loge an den Einweihungsfestlichkeiten der w. Lessirig- Loge in Breslau, worüber Br. Dr. Kopfstein in der Sitzung vom 20. ausführlich berichtete. Am 2-1. vereinigten unsere Brüder nebst ihren Damen sich zu dem Einweihungsfeste unseres neuen Logenheims, welches sehr zahlreich besucht war und in Folge des vorzüglichen Arrangements seitens - des Vorstandes unseres „Schwesternbundes" und Unseres Geselligkeits-Comitees recht glänzend verlief. Sehr erfreulich war es für uns, an unserem Feste eine Anzahl Brüder aus unseren Nachbarlogen begrüssen zu dürfen. Ausgehend von der Ansicht, dass durch gegenseitige Antheilnahme an Freud und Leid die freundschaftlichen Beziehungen und die gemeinsamen Interessen' der Schwesterlogen gehoben und gefördert werden, nahmen wir auch sehr gerne Veranlassung, uns am 30 Oktober recht zahlreich an dem Stiftungsfeste der Humanitas- Loge zu Gleiwitz zu betheiligen und sind ganz entzückt von der äusserst würdigen Festloge, wie auch von dem harmonischen und geselligen Verkehr, wie er sich bei dem Festbankett kund gab. Dass sich bei dieser Gelegenheit wiederum die allbekauute, liebenswürdige Gastfreundschaft der Humanitas in vollstem Glänze dokumentirte, muss gern und in dankbarster Anerkennung erwähnt werden. /"Ausser an diesen allgemeinen Logenfestlichkeiten nahmen die BBr. freudig Antheil an den Familienfesten unserer Brüder und zwar an 3 Silberhochzeiten, 1 Hochzeit und 1 Confirmation. „Plenus venter non studet libenter" — dieser alte Wahrspruch dürfte sich auch auf unsere fernere Logenthätigkeit anwenden lassen. Zü unserer Freudekönnen wir künden, dass der Logenbesuch in unserem neuen Lokal sich sehr gehoben hat, und dass, zum Theil auch durch vorzügliche Verpflegung in unseren Räumen, die Geselligkeit sich bedeutend zu heben beginnt. Zion-Loge, Hannover. Nach Beendigung der Sommerferien hatten wir die Sitzungen am 12. September wieder aufgenommen. -*- Eine recht lebhafte Diskussion verursachte das Bittgesuch der Solidaritas-Loge bezw. das Schreiben der Grossloge wegen Unterstützung der geschädigten Glaubensgenossen in Galizien. Wenngleich auf allen Seiten die Stimmung für die Opfer der Verfolgung eine durchaus sympathische war, so wurde doch eindringlichst hervorgehoben, dass bei sovielen Gelegenheiten immer nur auf die vortreffliche Organis ition der Bne-Briss-Logen zurückgegriffen werde, während der bei weitem grösste Theil unserer Glaubensgenossen, welche nicht dem Orden angehören, von allen solchen Inanspruchnahmen befreit seien. Namentlich wurde dieser Umstand aus dem Grunde gerade bei den galizischen Juden erwähnt, weil diese eine Inanspruchnahme der allgemeinen Hilfe seitens unserer Glaubensgenossen dringend bedürfen. Hier am Platze gehören dem Orden nur ca. 70 Mitglieder an, während die 700 übrigen Mitglieder der hiesigen Gemeinde von einem Nothstande bzw. von einem Aufrufe wegen der galizischen Juden garnichts erfahren. Es wäre daher dringend zu wünschen, dass in allen Fällen, in denen grosse Unterstützungen nöthig sind, seitens der sich dafür interessirenden .Kreise mehr an die allgemeine Vertretung unserer Glaubensgenossen herangegangen würde. Als solche allgemeinen Vertretungen sind z. B. der deutsch-israelitische Gemeindebund, sowie die in dessen Jahrbuche benannten Vorstände der einzelnen Gemeinden in erster Linie zu nennen und vermochte man durchaus nicht einzusehen, weshalb immer wieder und immer wieder Anforderungen an die Logen kommen, welche doch wahrlich auch sonst noch genügend in Anspruch genommen werden. Wir empfehlen diesen Punkt der reiflichsten Erwägung des General-Comitees und der Schwester-Logen.--, Ferner wurde eingehend besprochen das Rundschreiben des Vereins zur Förderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands in Berlin. Der mit diesem Gegenstand sehr vertraute Bruder Consul Simon giebt ein eingehendes Referat darüber und trat die Zion-Loge dem Verein als Mitglied bei. Auch hat es ein Mitglied der Loge übernommen,. zu Propaganda-Zwecken für den Bodenculturverein demselben erhebliches Material zu liefern. Auch hierbei wurde betont,, dass es wünschenswerth sei, ausser den Logen - Mitgliedern weitere Schichten unserer Glaubensgenossen, namentlich solche, die gut situirt seien und wohl Beiträge für die Bodencultur-Bestrebungen übrig hätten, zu gewinnen. — — f Ueber die von der Grossloge gewünschte regelmässige monatliche Berichterstattung entspann sich ebenfalls eine eingehende Diskussion. Selbstredend wird dem Wunsche gern willfahrt, doch darf nicht verhehlt werden, dass damit .eine erliebliche Arbeitslast verbunden ist. Manuscripte über Vorträge, welche bei uns gehalten werden, werden aus dem Grunde wohl kaum zur Veröffentlichung gelangen können, weil unsere Vortragenden allermeist gewohnt sind, frei zu sprechen. -- Verschiedene Brüder haben auf ihren Erholungsreisen, z. B. in Norderney, Carlsbad etc. Vereinigungen von Brüdern besucht und interessante Anregungen mitgebracht. Es wäre wünschenswerth, wenn an den verschiedenen Badeplätzen und Sommerfrischen Centralstellen geschaffen i^ürden, wo die ankommenden Brüder ihre Adressen niederlegten, sodass Freilogen-Versammlungen noch leichter als bisher arrangirt werden könnten. I In der letzten Logensitzung wurde die hochinteressante Gedenkrede des Schuldirektors Br. Ephraim Cohn in Jerusalem auf den bekannten Bruder Dr., Herzberg zur Verlesung gebracht. Diese tiefdurchdachte, formtollendete Rede ist in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" abgedruckt und erregte bei allen anwesenden Brüdern ausserordentliches Interesse.