Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-11-01 · Nr. 7 - November · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 7 - November
Date
1898-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4864325-6028946-6029350--0247-4864437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— ,.72 - \ Zeit hat, selbst überall hinzugehen. Es ist dies eine löbliche Einrichtung, da dadurch die Continuität der Comitees nüt dem Vorstand aufrecht erhalten wird, — Sodann kam Redner auf unser Verhältniss zu den Freimaurern zu sprechen. Es ist uns seit langer Zeit bekannt, dass die Freimaurer uns -nicht günstig gesinnt sind, dass in Folge eines Verbotes die jüdischen Maurer in unseren Orden nicht eintreten dürfen Neuerdings ist ein Aufsatz erschienen, der sich mit uns beschäftigt und jenes Verbot zu rechtfertigen sucht. Der Einsender kann nicht umhin, uns manches Lob zu ertheilen, und kann uns die Anerkennung wegen unserer Thätigkeit zwar nicht versagen, doch erhebt er manche Vorwürfe gegen uns, die eine Entgegnung von unserer Seite erfordern. Es ist nicht mehr angebracht, diese Dinge wie bisher mit Stillschweigen' zu übergehen, weil jener Aufsatz falsche Vorstellungen erweckt, die unerwidert den Lesern glaubhaft erscheinen. Aus der Fülle des Materials seien nur ^einige Punkte hervorgehoben, denn es dürfte die Grossloge sich bald mit der Angelegenheit befassen. Der Verfasser macht uns den Vorwurf, dass wir keinen deutschen Namen gewählt und will aus dem Namen schon Tadeln&werthes schliessen Nun, eine der bedeutendsten Freimaurerlogen führt den Namen Royal York und viele andere Logen haben auch keinen deutschen Namen.' Wir wären doch eigentlich eine Wohlthätigkeits-Institution, warum wir denn die .Form des "Logenwesens angenommen hätten? Und uns Loge nennen? Es könnten doch Verwechselungen vorkommen. Das Letztere scheint wohl die Triebfeder des Tadels zu sein. Es sei jedoch wirklich kein vernünftiger Grund vorhanden, dass wir Gutes nicht annehmen sollen, wenn es Andere schon haben. Aber auch andere Vereinigungen haben maurerische Formen in viel weiterem Umfange angenommen, an denen der Einsender keinen Anstoss nimmt. Warum soll es uns verboten sein? Ferner tadelt, er, dass wir unseren Bund Orden nennen. Der Name Orden ist keine Erfindung der Freimaurer, die Bezeichnung Orden bestand schon ehe die Maurer, existirtep; es sei an die Essener erinnert. Ein Beschluss des maurerischen Grosslogen-Tages verbietet den Eintritt beLuns, weil wir nach ihrer Ansicht eine .geheime Gesellschaft seien. Das ist Vollständig unwahr, auch der Einsender glaubt nicht daran. Unsere Verfassung, Gesetze, Mitglieder sind den Landesbehörden vollauf bekannt, es ist nichts verborgen bei uns, unsere Thätigkeit wird veröffentlicht, unser Thun und Treiben liegt klar und offen vor Jedermann. Die paar Symbole, die wir haben, stempeln unsern Bund unter keinen Umständen zu einer geheimen Gesellschaft - ■ * Lf'%i ' I *■ Und haben denn die Maurer nicht noch mehr Zeichen und Symbole? Und jwie wird die Nichtaufnahme von Juden begründet! Wörtlich heisst es: .Die Ausschliessung der Juden begreift in sich noch keineswegs: die allgemeine Gegnerschaft gegen dieselben. Schliessen wir doch Frauen aus — sind wir darum Gegner der Frauen? Wir schliessen Minderjährige aus — sind wirdarum Gegner derselben? So können wir auch Juden nicht zulassen, ohne ihnen darum feindlich gesinnt zu sein.' Bedarf es noch einer Widerlegung dieser Sätze voll Hohn und Spott? Noch ein anderer Grund wird angeführt. Der Einsender behauptet, dass allmählig mit besserer Erkenntniss die Schranken der Nichtzulassung von Juden fallen dürften, und dadurch, dass wir an einem Orden, wo nu*Juden aufgenommen werden, festhalten, wir die Anbahnung des Ausgleiches verhindern, indem wir dem allgemeinen Menschheitsprinzip zuwider handeln, indem unsere auch noch so sittlichen Bestrebungen sich nicht auf das ganze Menschengeschlecht erstrecken, sondern durch die Ausschliesslichkeit eine enge Begrenzung erfahren. Wir verfolgen parallele B< strebungen und arbeiten direkt und indirekt zum Wohle der Menschheit. Keine Gesellschaft darf für sich allein die Befugniss in Anspruch nehmen, idealen Hochzielen nachzustreben. Wenn jeder von uns im Kreise gleichstrebender Brüder an seiner idealen Vervollkommnung arbeitet, wenn wir an den Bestrebungen zur Verwirklichung des Menschheitsideals theilnehmen, sollte man das doch in jenen Kreisen, welche diese Devise ganz besonders . hochhalten, in erster Reih* anerkennen. Redner wollte sich zur Zeit nicht in die/ Sache vertiefen, um den geplanten Maassnahmen der Grossloge nicht vorzugreifen. — Br. Joachim lenkte die Aufmerksamkeit der Loge darauf, dass man mit Ernst bedacht sein möge, sich der israelitischen Jugend anzunehmen. Es sei an der Zeit, die Jugend nach den Grundsätzen des Ordens heranzubilden und sie in ihren Arbeiten zu unterstützen, damit der Ordensgedanke auch in der nächsten Generation lebendig erhalten bleibe, ein Umstand, der bis jetzt nicht genügend beachtet sei, und er wolle in diesem Sinne in nächster Zeit Vorschläge machen. — Br. Weile regte an, dass das Handwerk in jetzigen Zeitverhältnissen viel mehr Wissen und Bildung erfordere als früher, und man möchte dafür eintreten, dass intelligente, mit guten Kenntnissen ausgestattete Jünglinge dem Handwerk zugeführt werden. Diese werden im Berufe besser vorwärts kommen^und dem Handwerk treu bleiben. In der Sitzung vom 29. Oktober entspann sich eine rege Debatte über den Stand der geplanten Bodencuitur anlässlich der Versendung eines Aufrufs und der Satzungen des Vereins. Es wurden^ manche Einwände erhoben, ob die Annahme der heimischen Colonisation durch Juden, dem Judenthum zum Segen gereiche und praktisch ausführbar sei. Es wurden Zweifel erhoben, ob Juden zu Rentengütern zugelassen würden, ob auch genügende Kolonisten üch finden würden, wie theuer sich die einzelne Colonie stellen wird. Br. Oberamtmann Cohn beantwortete diese Fragen dahin, dass seiner Ansicht die Ueberführung der Juden zur * ■ * heimischen Bodencuitur praktisch ausführbar sei. Der Verein wollte auch, sobald die nöthigen Mittel vorhanden, den Beweis dafür geben, indem er die ersten Ansiedelungen aufmacht. Nun ist es wohl klar, dass wir bei solchen Versuchen, so führte der Redner aus, nicht daran gehen werden, einen grossen Besitz zu kaufen und denselben unter Juden auszugeben bez. aufzutheilen und sogenannte jüdische Colonien zu begründen, dies würde zum Antisemitismus reizen, während wir ja gerade das Gegentheil zu schaffen bezwecken. Der Verein will in ein staatliches Rentengutsverfahren als Selbstläufer eintreten und auf die gekauften Parzellen, welche er zur Gärtnerei oder Landwirtschaft einrichtet und mit den nöthigen Gebäuden und Inventar versieht, jüdische Familien ansiedeln und jeder Familie die laut Feststellung der Kgl. Generalcommission zur Ernährung nöthige Scholle von 10-15 Morg. geben. Wie stellt sich das Exempel rechnerisch? Lt. Rentengutsgesetz von 1891 hat jeder Rentengutserwerber den 4. Theil des durch Taxe der Behörde festgesetzten Kaufbetrages baar zu zahlen und die Gebäude und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.