Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 7 - November
- Date
- 1898-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Entfremdung. Im Jahre 1895 bestanden 3802 Volksschulen mit 609 724 Schülern bei 980000 schulpflichtigen Kindern; es benutzen also mehr als 300 000 Kinder nicht die Volksschule, darunter dürfte sich ein beträchtlicher Theil jüdischer Kinder befinden. Was vor allen Dingen nöthig sei, ist eine genaue Aufnahme der jüdischen Bevölkerung nach Beruf, Beschäftigung und sonstigen sozialen Verhältnissen. Dann müsste eine zielbewusste, systematische Vereinsorganisation auf geselliger Grundlage zur Regelung des Schulwesens über das ganze Land in's Leben gerufen werden. Redner hat nur Streiflichter gegeben, da die weiteren Ausführungen der demnächst in Prag zusammentretenden Conferenz österreichischer und deutscher Delegirten vorbehalten bleiben. — In der nächsten Sitzung, 10. September, gedachte der Präs. der Verstorbenen. Br. Maretzki hielt einen Vprtrag über seine Wanderung in den Dolomiten, Ortlergebiet und Engadiner Alpen in hygienischer und touristischer Beziehung. Er verbreitete sich über die Ausrüstung, Kleidung, Führung, Gesellschaft und Ernährung. Man müsse die grossstädtischen Gewohnheiten ablegen: Hurtigkeit des Ganges, Ungeduld, Unruhe, "grosse Ansprüche an Komfort. Er besprach die Gefahren, die dem Bergsteiger drohen, als Nebel, Sturm, den er selbst am Ortler zu überstehen hatte, Schwindel, Gletscherspalten, Bergkrankheit. Er belehrte uns über die physiologische Wirkung des Bergsteigens und der Höhenluft auf den menschlichen Organismus und deren Nutzanwendung bei Erkrankung der Athmungsorgane und Nervenleiden, wie die Sinne gestärkt, das Gemüthsleben erfrischt und die Thatkraft erhöht wird. Er schilderte den mächtigen Eindruck, den die grossartigen Scenerien der Natur, die Schroffheit der Felsen, die Gletscher auf die menschliche Seele machen»und machen müssen, das redet eine eigene Sprache, es ist die Sprache der Ewigkeit. Es liegt ein eigener Zauber im Bergsteigen, es ist ein mächtiger Trieb, der die Menschen auf die Höhen zieht. Nicht allein lockt sie der Genuss schöner Aussichten, es ist mehr der Drang, seine Kräfte zu bewähren, die Schwierigkeiten zu überwinden. Es ist etwas Göttliches in der Idee, denn der Mensch ist der Herr der Natur. Redner erläuterte die vielen Sagen, die sich an die Dolomiten des Sehlems und Rosengarten knüpfen. Auch hatte er die Freude, vielen BBr. zu begegnen, mit denen er in angenehmer Weise verkehrte. — In der darauf folgenden Sitzung, 24. September, sprach derselbe Br. über: .Das Versöhnungsfest einst und jetzt". Er gab eine ausführliche Schilderung des Festes, wie es in historischer Zeit gefeiert wurde, sprach von der Macht, Ansehen und Einfluss des Hohenpriesters, wie ungemein feierlich und grossartig sich der Kultus des Versöhnungsfestes zu jenen Zeiten gestaltete, wo der Tempel, das damalige Nationalheiligthum der Israeliten, der Schauplatz jener hochheiligen Ceremonie war. Drei Dinge geben dem Feste ein« besondere Weihe, dass der Hohepriester allein den Diettst ausübte, dass er an diesem einzigen Tage das Allerheiligste betrat, dass er an diesem Tage allein den Namen Gottes in voller Ausführlichkeit ausbrach. Es folgte die Beschreibung der Vorbereitungen zum Feste, des Opferdienstes, des dreimaligen Sündenbekenntnisses, der Entsendung des Sündenbockes in die Wüste, der grossen Freude, .die sich des Volkes bemächtigt, wie es Spalier bildete, als der Hohepriester aus dem Tempel schritt, die Festlichkeit, die der Hohepriester gab, wie die Junglinge und Mädchen vor die Ttyore Jerusalems zogen und fröhliche Lieder anstimmten. Er gab eine Schilderung, wie ■jetzt .das Fest gefeiert wird, wie anstatt der Opfer Gebete -.getreten, wie sie entstanden, wie zwei neue Momente hinzukamen, die Seelenfeier und die Idee des Weltgerichts. In der" Besprechung des Monatsberichts durch Br. Simon wünschte derselbe, dass Herr Dr. Frauberger zum Vortrage über jüdische Alterthümer eingeladen werde, damit mau ein Bild bekomme, was man in Frankfurt bezweckt. In Bezug auf die Anregung des Br. Staadecker betreffs Abhaltung der Loge am Sonntag war die Loge mit dem Ref. Br.. Simon, der Ansicht, dass die Berliner Verhältnisse es nicht, zulassen, die Loge am Sonnlag abzuhalten, die meisten Berliner seien Kaufleute und könnten den Sonntag zum Familien-Verkehr nicht entbehren. — Der Feiertage wegen,- fand die.nächste Sitzung am i">. Oktober statt. Br. Maretzki brachte zwei neueste Erscheinungen aus dem Orden zur Sprache, zunächst den Jahresbericht der Henry Jones-Loge. Diese ist die einzige Loge, welche über ihre Thätigkeit^ in giner Broschüre zusammengefasst, berichtet. Es hat den Vorzug der Uebersichtlichkeit. In Harnburg ist man sehr rührig, entwickelt man viel Gemeinsinn, davon zeugen die 16 Spec.-Cömm. und ihre Arbeiten. Der Bericht steht noch unter dem Einfluss des Besuches unseres hochverehrten Ordenspräs. Br. Bien, ein Eindruck, der auch bei uns noch seine Wirkung ausübt. _ Nach dem letzten Briefe an den Redner steht sein Besuch für nächstes;Jahr in Aussicht. Die Henry Jones-Loge hat sich ein grosses Verdienst erworben durch die Angliederung der palästinensischen Ausstellung an die vorjährige Gartenbau-Ausstellung. Es ist rühmend hervorzuheben, dass sie es verstanden hat, alle Schwierigkeiten zu überwinden. Die Ausstellung war sehr gelungen und hat mehr als ailes.Andere dazu beigetragen, den Beweis zu liefern, dass die Juden sich sehr wohl für Ackerbau und Bodenkultur eignen Im Verfolg ihrer Bestrebungen auf diesem Gebiete protegirt sie die Ahlemer Anstalt mit allen Kräften.. Ebenso schön und erfolgreich arbeitet das Comitee zur Beschenkung armer Kinder. Seit 10 Jahren ist das Comitee -thätig und es ist interessant zu beobachten, wie die Thätigkeit zugenommen hat. Auch das Comitee zur Förderung der "Handfertigkeit hat gute Ergebnisse aufzuweisen. Zu bemerken ist ferner, dass die BBr. die Gratulation zum Rosch haschanah ablösen, was ihnen die stattliche Summe von 700 Mk. eingebracht hat. Dieses Vorgehen fordert zur Nachahmung auf/ Von den Beschlüssen verdienen zwei allgemeine Beachtung. Die Loge beschloss nur solche Unterstützungsgesuche zu berücksichtigen, welche eine dauernde Gesundung der Verhältnisse der Petenten herbeizuführen im Stände sind. Und mit Recht! Die dauernde oder oftmalige Unterstützung verarmter Personen gehört eigentlich garnicht in die Löge, solche Personen müssten an die "betreffenden Vereine oder Gemeinden verwiesen' werden. Die Logen sollten vorbeugende Armenpflege üben, nur sich mit solchen Verunglückten befassen, denen durch die Aufhülfe dauernd geholfen wird, dass sie nicht verarmen. Man läuft sonst Gefahr, die hierfür aufgebrachten Gelder zu verzetteln. Eine andere Einrichtung, die die Henry Jones-Loge getroffen hat, empfiehlt sich zur Nacheiferung. Es werden dort Mitglieder des Beamtenrathes in die einzelnen Comit^es deputirt, an Stelle des Präsidenten, der nicht die genügende