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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-11-01 · Nr. 7 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 7 - November
Date
1898-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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68 — theünehmen. (Frauenvereine der Logen.) Dadurch wird«'das Interesse an unserer Sache bedeutend gehoben, die einzelnen Familien kommen in näheren Contact und das Ideal der Brüderlichkeit ist in greifbare Nähe gerückt. Die sogenannten ,.offenen Logen" (ohne Ritual), bestehend in Vorträgen allgemeiner, fachwissenschaftlidier oder heiterer Notar, mit darauf folgendem gemüthhchem Beisammensein werden Wunder wirken. ,, ' Atfch die Kosten eines solchen Abends sind unbedeutende, da sehr viete unserer Brüder mit Leichtigkeit ein Vi&fmdiges Heferat über irgend ein zeitgemässes Thema vortragen können. Ünd wenn Redner von auswärts selbst gegeu hohe Honörirüng Vorträge halten, dürften die materiellen Kosten gegen deü geistigen Gewinn nicht in Betracht kommen. Bei •'!, I und 5 gilt das eben Gesagte noch im verstärkten Grade! Die Jetztzeit verlangt gebieterisch neben der Sorge für-Arbeit die Sorge "für Unterhaltung. Machen wir also die eine Concession: Bieten wir unseren Mitgliedern eine genügende geistige Unterhaltung, dann kommen sie ganz von selbst auch zu unserer geistigen Arbeit und werden den regsten Antheil daran nehmen. Geben \ wir unseren Familienangehörigen allüberall da Gelegenheit, wo dies , möglich, mit.uns?u wirken ünd_ zu schaffen, dann haben wir ein Propaganda-Mittel, wie es) uns schöner nicht zu Gebote >teht! Und dadurch wird eben das Interesse jedes Einzelnen stets auf's Neue wach gerufen und wach erhalten. Ich wiederhole: Ohne die richtige Pflege der Geselligkeit ist eine Hebung des Logenbesuches undenkbar, ist die Ausübung der Bruderliebe und Eintracht unmöglich — wir sinken zum einfachen Wohlthätigkeitsverein herab. Wir brauchen keine Pnrimbälle oder Carnevals-Scherze dazu — - unsere geselligen Veranstaltungen sollen bei aller Gemüt Iii ichkeit auf einem höheren Niveau steh en und der Segen wird nicht ausbleiben! Br. .Taeob Strauss-Maunheim. Die Existenzberechtigung des Ordens „Bnei Briss". Festrede anlässlich des 14. Stiftungsfestes der Montefiore-Loge am 10. October 1898 von Br. Maximilian Stein. Bei einem Stiftungsfeste ergiebt sich die Veranlassung, nach den leitenden Gedanken zn fragen, die bei der Gründung massgebend gewesen und die Ideale hervorzuholen, die den Ausgangspunkt des inzwischen zurückgelegten Weges gebildet. Diese Aufgabe wird mir verhältuissmässig leicht. Ich brauchte nicht erst in Archiven zu stöbern und vergilbte Pergamente zu enträtseln, denn jene leitenden Ideen haben sich uns umgesetzt in tägliche Erlebnisse. Was wir bei der Gründung unserer Loge gewollt, das übenwir heute und üben es aus als eine liebe Gewohnheit. Unsere Loge trägt den Namen eines Mannes, der in seiner segensreichen Wirksamkeit an sich schon ein Programm bedeutet. Seinen vorbildlichen Tugenden, seiner bescheiden selbstlosen, geräuschlosen Wohlthätigkeit suchen wir nachzueifern. Nicht mit lärmenden, tönenden Thaten suchen wir zu prunken. Wir gehen leise auf den Fussspitzen, wo wir Wohlthaten streuen und unsere Hilfsbereitschaft schleicht sich unmerklich an das Elend heran, um -es zu ersticken. Die Ziele unseres Ordens sind auf die höchsten Güter der Menschheit gerichtet, auf die Veredelung unseres Stammes, auf die Pflege von Kunst uud Wissenschaft. In den Einzellogeu machen wir Detailarbeit. Hier ziehen wir Fäden der Sympathie von Haus zu Haus, hier schaffen wir Beziehungen von Familie zu Familie, Bekanntschaft reiht sich an Bekanntschaft, Freundschaft fügt sich au Freundschaft und über den ganzen Logenverkehr legt sich, wie frischer Tb.au am Ftühlingsmorgen, ein Hauch und ein Zauber der Familie. Sorformt'sich.aus anscheinend kleinen Theüen und Gelegenheiten mosaikartig unser Bund, im Zeichen der „Wohlthätigkeit,-Bruderliebe und Eintracht". Den,-' Zwecken geselliger Annäherung dient auch unser heutiges Fest. Wir: dienen mit-ihm deti Logenzwecken. Um so ehe«.: darf es verstattet sein, gleichsam zur Selbstcontrolle, das Fest, mit einigen ernsten Bemerkungen einzuleiten und uns und Unser Ordensljeben zu beschauen im Lichte unserer Zeit und inf Spiegel der Selbstbetrachtung. Als unsere Institution begründet wurde, gingen die Wellen des Antisemitismus hoch. Unter dem Vorwaud religiöser und wirtschaftlicher Bedenken und unter dem Vorwande des Rassenstolzes hat sich uns die niedrigste Missgunst an die Fersen geheftet. Wohl hat seither diese Verhetzung wider uns sich abgestumpft und müde gelaufen. Aber so alt wie das Judenthum ist auch seine Verfolgung. Die Geschichte der Welt bis auf die jüngsten Tage wirft immer von Neuem judenfeindliche Strömungen auf. Ob der Judenhass sich im Mittelalter an den Scheiterhaufen der Inquisition entzündet oder heute sich nährt von verwerflichen Theorien, immer schwebt über uns und um uns das bange Fragezeichen des kommenden Tages. Wandelbar und unverlässlich sind die jeweiligen Zustände, wie die Instinkte der Menge. Auch der gereifte Kulturstolz unseres zu Ende gehenden Jahrhunderts bietet uns keine hinlängliche Versicherung gegen die Pöbelgesinnung der Strasse und des Salons. Durch alle noch so dicht aufgetragene offizielle Emanzipation hindurch sickert die nnausrottbare Juden-' feindechaft und unser ganzer Kulturstolz läuft leicht Gefahr durch die Ansprüche und Leidenschaften der Menge über den Haufen gerannt zu werden. Wir haben allen Grund, uns zusammen zu schliessen und zusammen geschlossen zu halten im Zeichen unseres Ordens. Wir sind. kein Bund von Kämpfern, die herausfordernd auf die Gasse treten; der inneren Stärkung und Festigung gilt unser Streben in der Loge, als dem Bollwerk gegen den äusseren wie den inneren Feind. Denn gefährlicher als der äussere Gegner, der uns mit scrupellosen Waffen zur Wehr reizt, ist der innere Feind, der Indifferentismus in unseren Reihen, der jüdische Antisemitismus , der mit unseren eingestandenen Gegnern kokettirt und pietätlos die eigene Tradition verräth und preisgiebt, um des Linsengerichtes gesellschaftlicher Vortheile willen. Wie oft sind es unsere besten und fähigsten .Köpfe, die sich uns abwenden, um ihren Ehrgeiz auf allen anderen Gebieten tummeln zu lassen, nur nicht auf dem des Judenthums. Jedes Unternehmen im Dienste der Wissenschaft, mag es unserem landläufigen Verständniss noch so weit abliegen, findet die Förderung aller und nicht zuletzt jüdischer (Kreise. Expeditionen werden ausgerüstet in's unbekannte Land der Combination und in alle unerforschte Gefilde. Es gilt als wissenschaftliche Grossthat, Sanscrit zu . treiben, *

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