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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-10-01 · Nr. 6 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 6 - Oktober
Date
1898-10-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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' , — 63 Morgenrolh einer neuen, wir brauchen gottlob nicht zu sagen: besseren, sondern guten Zeit! Als wir vor 3 Jahren das alte Heim der Anhalt-Loge' im Synagogengebäude, dessen würdigen Raum sie so lange Zeit gleichsam als Vortempel zum Tempel innegehabt, verlassen mussten und unsere Wirksamkeit nach einer neuen Halle verlegten, da schien es in der That gar Manchem, als ob wir nicht allein dem Namen, sondern auch der Wirklichkeit nach zu „Grabe" unsere Loge gebracht hätten. Es ging gar manchem unserer c alten Brüder, wie einst den Alten in Jerusalem, deren Augen die Herrlichkeit des ersten Tempels vor seiner Zerstörung noch hatten blicken dürfen, und die nun, als sie den zweiten so klein, so unansehnlich, so winzig aus seinen Anfängen hervprsteigen sahen, ganz laut zu klagen und zu jammern anfingen. Auch bei uns gab es Klagen und gab es Jammer. Auch bei uns schüttelte dieser und jener ungläubig, zweifelnd, missvergnügt das Haupt, und wenn er die Herrlichkeit unseres zweiten Tempels nach all' der Herrüchkeit des ersten bemass, musste er sich allerdings sagen: Wir sind hinab gestiegen, und wer erst einmal -hinab steigt, steigt nicht mehr empor. Meine Brüder! Die Zweifel waren falsch, die. Befürchtungen sind nicht eingetroffen und wenn es eines Beweises dafür bedürfte, dass überall, wo es sich um heilige, ernste, ideale und wahre Dinge handelt, es nicht die Form ist, die das Ganze hält, sondern der Geist, und nicht ein Aeusserliches, sondern der innere lebendige Herzensschlag, meine Brüder, dann haben wir in diesen letzten Jahren diesen Beweis vollgültig geliefert. Wollt Ihr wissen, wie diese letzten Jahre waren; dann vergleichet einfach die Stunde, da wir dort die Halle weihten, mit diesem feierlichen Auge^bUj^ >»■ vergleichet in der Erinnerung die Gefühle alle, die damals if in uns lebten und denen ich damals Ausdruck gab, mit denjenigen, denen ich heute Ausdruck geben darf. Läugnen wir es heute nicht, meine Brüder! Wir waren damals Alle | ein wenig gleich den verzweifelten Alten Jerusalems, wir f waren Alle ein wenig niedergebeugt, Alle ein wenig hoff- * nungslos. Aber ein wenig nur! Denn als wir.sahen, dass wohl unser Vermögen herabgesunken war, doch mit ihm auch die Zwietracht, dass wohl die Zahl sich stark vermindert hatte, doch mit ihr auch die Uneinigkeit, dass wohl der Raum ein kleinerer geworden war, doch mit ihm auch die Schaar der Elemente, die sich als nicht mehr zu uns passend ausgewiesen hatte, da schwanden schnell Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Missmuth, ein frisches, frohes Leben begann auch in dem zweiten Tempel sich zu regen, und siehe da, die Herrlichkeit des zweiten waijd grösser fast noch als die des ersten. Warum sollten wir das nicht mit Stolz beut sagen dürfen? Wohllhätigkeit haben wir geübt in kleinem Maassstab nach unseren schwachen Kräften; aber Eintracht und Bruderliebe, die haben yrir gehalten ffut unseren starken Kräften und alles Finstere, Trübe, Feindliche, das uns beschieden war, fs brach sich zuletzt au diesem eisernen Panzer, mit dem wir Alle uns gewappnet hatten. So haben wir uns durchgeschlagen. Wir sind nicht ausgezogen auf grosse Heldenthaten; aber was wir besassen, das haben wir vertheidigt und, keinen Fussbreit unserer Ideale uns entziehen lassen. Wir sind auch nicht nach neuen Truppen viel umhergereist; wer zu uns kam, freiwillig, mit Rath und That in unsere ,<i ■ ' ' - -. i , i.*•:'•/'""-."*! -:. ' ,:. ■ Reihen einzutreten, er war uns. hoch willkommen. Aber die Enttäuschungen, die wir in unserem ersten Tempel einst erlebt, sie haben uns im zweiten klug und weise gemacht; wir wollten lieber klein an Zahl, doch einig, friedlich, zu einander stimmend bleiben, und darum haben wir auch da, wo wir mit etwas stärkerem Druck gar manchen hätten uns gewinnen können^ es ( nicht gethan und nimmer es bereut. Und .heute, meine Brüder, ein neuer Tempel ist es wieder, den wir aus äusseren Gründen beziehen müssen! Doch heute, welches lieben Bruders wohlbekanntes Angesicht ich auch betrachte, kein Missmuth und kein Fürchten und kein Bangen und kein Zweifeln, nein, Hoffnung, Freude, Zuversicht in jeder Miene, gerade als ol^auf jedem Antlitz es geschrieben stände: die Herrlichkeit dieses Tempels wird noch grösser sein als jede vorige. Meine Brüder! Haben wir Grund, uns in solchen Hoffnungen zu wiegen, oder ist dieser Tempel "hier auf-leichtem, Sand gebaut und unsere Zukunft nUr ein Luftschloss, das'wie ein Phantom verschwinden kann? Ich glaube nicht, ich glaube wir dürfen zuversichtlich sein-, denn heute dürfen wir mit Thatsachen Technen, nicht mit Hoffnnngen allein! Zum ersten Mal seit unserem .allerersten Weihefeste,, zum ersten Mal seit Grüdung unserer Loge sind an einem unserer Ehren- X tage auch andere Logen unseres grossen Ordensbundes wiederum vertreten. Es ist der erste Segen, den unser inniges Zusammenhalten uns gebracht hat. Wären wir nicht ein kleines zwar, doch einig Volk von Brüdern jetzt gewesen, es wäre uns nicht möglich •geworden, das Liebesband, das uns umschlingt, auch anzuknüpfen an das Band der nächsten Schwesterkjgen, und wäre der Geist des Ordens nicht in uns stark und lebendig gewesen, wahrlich wir wären so wenig bei unseren Brüdern auswärts, eingekehrt, so wenig wie sie bei uns erschienen wären. So sind wir denn den Brüdern unserer Germania-Mutterloge und unserer Mendelssohn-Schwesterio^e, die heute unser einfach Fest durch ihre Anwesenheit verherrlichen helfen, nicht nur für ihr Erscheinen Dank schuldig, sondern auch für die Segens- .kraft, die wir für unser-neues Heim aus ihrer Antheilnahme an unserer Arbeit schöpfen. Aber, meine Brüder, auch mit einer zweiten Thatsache, die uns mit froher Hoffnung füllt, dürfen wir noch rechnen. Zum ersten Mal, seit unsere ' Loge wirkt und wacht, ist es lieben Brüdern derselben vergönnt, ihre Kinder selber in den Bruderbund zuführen, den sie begründen und erhalten halfen. Fürwahr, das ist ein Sonnenblick, der alles Wolkendunkel aus unserer Zukunft scheucht!. Wir fühlen heute den glücklichen Vätern die Rührung und die Freude nach, von der sie voll sind in diesem ernsten Augenblick; wir fühlen unseren allerjüngsten Brüdern auch' die stolze Genugthuung nach, dass sie — die Jugend — gleichberechtigt als Kinder nicht mehr, sondern als Brüder mitarbeiten dürfen neben dem Alter, neben den Vätern an den höchsten und heiligsten Ideen. Aber wir fühlen nicht nur Änderen nach in diesem Augenblick; uns selber füllt-es mit Freude, Stolz und Hoffnung, dass in ■die zweite Generation nun .unsere Anhalt- Loge eintritt, dass frisches, junges Blut in ihre Adern einfliesst, dass neue und gesunde Säfte ihr zu weiterer Triebkraft helfen wollen. Und" dass wir auf dieses frische Blut, das heut in uns geflossen, besonders'grosse Hoffnung setzen

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