Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 6 - Oktober
- Date
- 1898-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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^\ ■■■*'** _ <U — I dürfen, meine Brüder, das ist nicht nur ein Blick in unsere Zukunft, das ist die Zukunft selbst, die jetzt in unseren Reihen sitzt. Und neben diesen beiden Wechseln auf die Zukunft liegt endlich noch ein dritter, den schon die Gegenwart, und zwar mit diesem unserem neuen Heim uns einlöst: ich meine nicht nur den schönen Tausch, den wir bezügüch unserer Räume hier gemacht, ich meine auch den Eifer, mit dem fast alle Brüder sich ihrer würdigen Herstellung angenommen, die liebevolle Bereitwilligkeit, mit der sie Alle einverstanden waren, diese heilige Halle zur ewigen Erinnerung an ihre Weihestunde in ganz besonderer Weise noch zu schmücken. Konnte wohl ein würdigerer Schmuck sich finden hier für diesen Raum, als das Bild unseres edlen Landesfürsten, des Herzogs Friedrich, zu dem wir nicht wie Unterthanen, sondern wie Kinder zum Vater, ja wie Brüder fast zum Bruder aufblicken, weil er uns selber ein Vorbild ist der Liebe, der Güte, des Wohlthuns und des Wohlwollens, kurz, der Eigenschaften all', die nach Gebot des Ordens wir selbst besitzen sollen! O möge sein Bild als drittes Bild der Hoffnung uns jederzeit hier voranfeuchten und jeder Blick darauf uns mahnen an die edlen Tugenden dessen, den es verkörpert, wie an die Liebe und Bereitwilligkeit Derer, die es gespendet. Enthüllen Sie, würdiger Vicepräsident, das schöne Bild, und Sie, meine Brüder, erheben Sie sich, als Ausdruck unserer Ehrfurcht vor dem Landesherrn, von Ihren Plätzen! Und nun, meine Brüder, weihe ich unter diesem dreifachen Auspicium die neue Halle unserer Anhalt-Loge hiermit feierlichst ein. Mögen alle Hoffnungen, die. wir an sie knüpfen, sich verwirklichen! Möge Wohlthätigkeit, Eintracht, Bruderliebe, wie in den früheren Hallen, so auch in ihr — in stärkerem Maasse noch — gepflegt werden! Möge von ihr aus das Band, das mit den Schwesterlogen uns umschlingt, noch fester werden! Mögen in ihr Jugend und Alter ihre Kräfte regen! Möge nur von der Gnade und der Toleranz unseres Fürsten und Landes auch weiter in ihr erzählt werden! Und möge es endlich ihr und allen ihren Besuchern auch am Segen des Herrn dort oben, dem ja all' unser Streben gilt, nicht fehlen, auf dass wir .wachsen, blühen und gedeihen! Amen! Der ernsten Arbeit folgte eine frohe Tafelrunde,, Die anwesenden Brüder vereinigten sich im Logengebäude zu einem einfachen, aber durch den Geist des Frohsinns und Humors gewürzten Brudermahle. Br. JDr. Freudenthal brachte vor Beginn der Tafel ein mit Begeisterung aufgenommenes Hoch auf Se. Hoheit den Herzog aus, der die in seinem Hause altererbten Grundsätze der Menschenliebe und Toleranz in ebenso herrlicher Weise hochhalte, wie alle seine Vorfahren. Br. Rosenbaum sprach in humorvoller und doch ergreifender Art über die Ordensarbeit, besonders über die Pflege der ^Brüderlichkeit und leerte sein Glas auf das Wohl der auswärtigen Brüder. Br. Steinhardt Hess die Anhalt-Loge hochleben und wünschte ihr all' den Segen, den der Hohepriester beim Scheiden aus dem Tempel am Versöhnungsabend zu erflehen pflegte. Br. Dr. Cohn versprach in zündenden Worten eifrigste Mitarbeit der jüngsten Brüder am grossen Werke nach dem begeisternden Vorbild des w. Präsidenten der Anhalt-Loge, auf dessen Wohl er sein Glas erhebe. Br. Friedländer aus Zerbst begrüsste endlich die neuen Brüder, von denen er auch weiterhin das Interesse erhoffte, das sie auch früher schon so oft der Loge bewiesen hatten. Mit frohem Beifall wurde auch die von den Brüdern Rosehbaum und Dr. Marcus verfassten ernsten und launigen Festlieder begrüsst. Viel zu früh entführten die Züge die auswärtigen Brüder dem frohen Kreise, der bis spät in die Nacht hinein vereinigt blieb. Mögen sich die Hoffnungen, die in aller Herzen lebten, reichlich zum Segen des Ganzen erfüllen! Der w. Präsident verlas alsdann das herzliche Glückwunschschreiben der hochw. Grossloge und ertheilte dem Bruder Dr. Oppenheim er das Wort, der die Wünsche der w. Germania-Loge übermittelte und u. A. hervorhob, der Orden nehme än dem Wohl der Anhaltloge schon deshalb besonderen Antheil, weil sie in der Geburtsstadt eines Moses Mendelssohn ihre Wirksamkeit entfalte, ohne dessen Persönlichkeit das ganze moderne Judenthum und damit auch die Gründung und Entwickelung unseres Bundes nicht möglich geworden wäre. Br. Steinhardt überbrachte die Glückwünsche der w. Mendelssohn-Loge und erklärte, unter dem nachhaltigen Eindruck der ergreifenden Weihe-Worte des w. Präsidenten seien weitere Ausführungen 'nicht am Platze. Nach Verlesung der eingegangenen Schreiben und Telegramme, sowie der Protokolle wurde die Sitzung unter erhebenden Schlussworten des w. Vicepräsidenten Br. R,osenbaum geschlossen. Julius Bien-Loge in Eschwege. Infolge der Herbstieier^age konnten im September nur, 2 Sitzungen abgehalten werden. ■ Die erste dieser Sitzungen — zugleich die erste nach den Ferien — hatte unter der damals herrschenden schwüler} Temperatur zu leiden und beschränkte sich daher im Wesentlichen auf Mittheilungen der Brüder über ihre Erlebnisse während der Ferien. Ein Bruder, früher einer anderen Vereinigung angehörend, bezeichnete es als einen Mangel, dass nicht, wie bei anderen Orden, ein Reise-Passirwort, das von Jahr zu Jahr wechselt, zur Vorbeugung von missbräuchlicher Anwendung durch ausgeschiedene oder ausgeschlossene Mitglieder, gegeben werde. Die! Loge beschloss, diese Anregung durch die Monatsberichte zur Kenntniss der Logen zu bringen. Im Anschluss an einen. Bericht unseres Br. Vice-Präs. über seinen Besuch der Ferien Kolonie in Bad Niuheim beschloss die Loge, zum Zwecke der geplanten und in der Loge bereits besprochenen Gründung einer, Ferien-Kolonie im benachbarten Soolbad Sooden a.d. Werra, weiteres Material ' durch den hierzu bestimmten Ausschuss zu sammeln. Der Br. Mentor rügte die Unzuverlässigkeit des alphabetischen Verzeichnisses der Mitglieder im Anfange zum Adressbuche pro 1898/99, in welchem z. B. die Namen der 3 Brüder Plaut unserer Loge vollständig fehlen, während dieselben allerdings im Ha^pttheüe aufgeführt sind. Es wurde im Interesse der Allgemeinheit beschlossen, hiervon im Monatsberichte Mittheilung zu machen und an die Firma des Verlegers das Ersuchen zu richten, zur Vervollständigung des Verzeichnisses einen Nachtrag erscheinen zu lassen. Buchdruckerei Max Cohn (Inh. A. M. Brodacz). Berlin NO., Kaiser«tr. 41.