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Bericht der Großloge für Deutschland · 1895-12-01 · Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1895
Issue
Dezember
Date
1895-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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wissenschaftlich* Forschung arbeitet daran, aus allen bunten vielgestaltigen Religionsarten den ursprünglicher* verbindenden Zug. (der von Religion zu Religion geht, herauszuheben. Erseneint, dergestalt das Religionsparlament mit im Rahmen der Zeilströmung, so. kehrte es sich" theilweise gegen dieselben, indem es derr"Atheismus ausgeschlossen und den ausgesprochenen Willen hatte, der Religion und der 'Religiosität zu dienen — der Religiosität, die. möchte ich sagien. oberhalb der Konfession schwebt, "und die wir mehr als das religiöse Gefühl überhaupt verstehen. So wie wir hier, (die wir sämmtlich Juden sind, es principiell ablehnen, in unserer Mitte Erörterungen aufkonrfmen zu lassen, die in die speeifische intimere Glaubensschattirung der Einzelnen eingreifen könnten, so hätte man in Chicago nicht einen Tag beisammen "bleiben können, wenn man es nicht.verstanden „hätte, die Klippen fu vermeiden-,' die aus einem, wenn auch noch so leisen Rütteln an der individuellen Religiosität entstanden wären Wir wissen, m. D. u. H.. dass wir die eigentliche Religiosität nicht aus Büchern lernen, nicht von Theologen und Philosophen erfahren, sondern sie erleben und durchleben im eigenen Gemüth. Es hat wohl jeder, wenn man so will, neben der officiellen Glaubensformel noch seine eigene Sprache mit seinem Gotte, und soweit ist wohl auch jeder mehr oder weniger sein eigener Religionspbilosoph Ich glaubte daher nicht fehl zu gehn. wenn ich einen Religionsconszre"ss. der den Berufspru'losophen und Fachtheologen vielleicht weniger zu fesseln vermag, der aber eben das allgemein Religiöse als das allgemein Menschliche betont, der Antheilnahme von uns Nichtfachleuten für werth erachtet und da uns bis jeUt in unserem Kreise eine Dariegüng des Kongresses von berufenerer Seite nicht geboten worden, den bescheidenen Versuch machen will. Ihnen in durchaus an-' spruchsloser Plauderei einiges von diesem Parlamente der Religionen zu erzählen. *. Ehe wir uns dem Bildendes Congresses selbst zuwenden, erscheint es nöthig. dass wir uns gewissermassen als Hintergrund, wenn auch nur in flüchtiger Skizzirung, die hauptsächlichsten " Religionen in einjgen ihrer Grundlinien vor Augen führen. - Es giebt. m. D. u: H , etwa 8 oder Q Hauptreligionen, die heute noch in Frage kommen. Zunächst die uns geläufigeren und bekannten monotheistischen Offenbarungs- * t ' religionen: Das Juienthum, j - das aus dem Judenthum hervorgegangene Christenthum, und des. sich gleichfalls an daj Judenthum anlehnende Islam. » Im Mohamedanismus sowohl wie im Christenthum war jüdischer Gehalt zur Macht und Herrschaft gelangt, und um hier nur einen besonders populären Namen zu citiren. Schiller sagt in seiner rSendung Moses": „Zwei Religionen, welche den grössten Theil der Erde beherrschen, das Christenthum und der Islam stützen "sich beide auf die Religion der. Hebräer, und ohne diepe würde es niemals weder ein Christenthum noch einen Kojan gegeben haben.* Unabhängig von '.den drei Religionen semitischen Ursprungs sprossen in anderen Ländern und Erdtheilen die Naturreligionen empor. Die alt-chinesischen, Religionen zeigten ein Gewirr von versuchter Abstraction, Vergeistigung und Verehrung des Himmels, der Erde, von guten und bösen Geistern in abgestufter Klassification. Die Abwesenheit einer eigentlichen Mythologie lässt den Mangel an schöpferischer Phantasie bei dieser konservativsten aller Rassen/'erkennen, und ihre alte Religion die ursprünglich eine Priesterschaft so gut wie gar nicht kannte, erschöpfte sich in einem ausgeprägten Ahnenkultus als hauptsächlichster Quelle religiösen Lebens. Im sechsten Jahrhundert vor Chr. versuchte der weise Laotse die chinesische Religion als eine Vernunftlehre zu reconstruiren. Ausgangspunkt war d.is vieldeutige Tao. das wir uns als das alldurchdringende Urprincip \jorzusteJlen haben, und das die höchste Vernunft und das Denken symbolisirt. Das Tao, dem alles Leben entspringt, dem der Mensch den Athem, die Gestirne ihren Glanz, die Berge ihre Höhe verdanken, ist als unpersönliche und unwandelbare Urkraft. als Grund und \Vesen der Weltordnung gedacht. Laotse. der die Tugenden der Demut. Sparsamkeit und des Mitleids betonte, fordert weniger äussere Bethätigung und mehr seelische Innenarbeit: Er lehrt das Herausarbeiten der eigenen Tugendhaftigkeit als höchsten Zweck des auf sich selbst jgestellten Menschen. Weitgehender und umfassender als die Philosophie dieses oft unklar gebliebenen chinesischen Weisen war die reformatorische Thätigkeit seines jüngeren Zeitgenossen Confucius. In einer Zeit politischer Wirren und Gährung trat dieser kluge und nüchterne Staatsmann als Sittenprediger alter Weisheit auf und fasste in seinem Religionssysteme vor Allem das Wohl des Staatsganzen ins Auge. Allem Mysteriösen und Uebersinnlichen abgewandt, fundirte er die chinesische Reichsreligion auf Basis der Pflicht innerhalb Staat. Gesellschaft und Familie. Er zieht eine geistreiche Parallele zwischen der .Ordnung des Weltalls und der sittlichen Ordnung im Menschen, die sich gegenseitig bedingen, und sieht in der Pflicht des Guten das Mittel, um die Gleichmuth der Seele und das Gleichgewicht der Gemeinschaft zu' erhalten. Das Beispiel - des Guten ist ihm höchste moralische Consequenz. D,ie Ordnung des Weltalls und die sittliche Ordnung im Menschen bedingen sich nach Confucius gegenseitig und die Pflicht des Guten ist das Mittel, um das seelische Gleichgewicht, das Insich ausgeglichen und mit sich selbst Zufriedensein der Person in Einklang zu bringen mit dem Gleichgewicht des Staatswohls und Gesammtwohls, das Gute hier also nicht eigentlich Selbstzweck, sondern mehr Mittel zum Zweck der Staatsordnung, vor der die Person des Menschen vollkommen zurücktritt.. Vom Kaiser als höchste Autorität, als HeTr der Menschen und der Geister, sowie von allen H(jchgegt,ellten verlangt Confucius, dass sie mit gutem Beispiel vorangehen, und giebt im übrigen in erster Reihe weltliche praktische Anweisungen und Ermahnungen ohne rechte idealisjrende Erhebung und Erwärmung. Die Nützlichkeit für Staat und Gesellschaft, die Zufriedenheit in sich und mit sich selbst sind Grundmotive des Systemes, das sich hauptsächlich auf weltliche praktische Anweisungen und Ermahnungen zustutzt. „Thue nicht gegen andere, was andere nicht*\gegen dich thun sollen\u sagt auch Confucius, und seine Religion trägt schätzenswerthe Merkmale an sich; doch hatte sie soviel Elemente des Aberglaubens und der Geisterverehrung beibehalten, dass

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