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Bericht der Großloge für Deutschland · 1895-12-01 · Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1895
Issue
Dezember
Date
1895-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BERLIN, im Dezember 1895. Bericht der Grossloge für -f.«. U. O. B. B. * »' ■ ri ■ * , n 1 1 - Nachdruck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten, veriboten- Fernsprecher: I). Wolff, VI, No. 4til!>, Wilhelmstrasse 118! Das Parlament der Religionen. Vortrag, gehalten vor den Berliner Logen des Ordens B'ne Brith, am 17. Oktober 1895 von Maximilian Stein. M. D. u. H.! In einer kleinen hübschen Erzählung „das Kaffeehaus von Surate" betitelt, schildert Tolstoi, wie . in einer indischen Schenke sich Leute verschiedenen Glaube« treffen, um alsbald in den alten Streit zu gerathen, welche Religion die allein wahre sei? Ein Chinese, ein Anhänge des Confucius, sucht schliesslich den lärmenden Disput mit einer bildlichen Auslegung niederzuzwingen, indem er die Gottheit mit der Sonne vergleicht, die gleichmässig allen scheine, unbekümmert um die mehr oder weniger falschen Vorstellungen,* die die Menschen, je nach ihrem Wissen unc Bildungsgrade sich von ihr machen. -In diesem kleinen Roman, den ich von den vielen schönen Dichtungen gleicher und ähnlicher Tendenz herausgreife, zeigt uns der Dichter eine Zusammenkunft von Religionsbekennern als Bild " seiner Phantasie, wie es dem Poeten oft vorgeschwebt Nichts hat ja von jeher die edelsten und besten Geister mehr beschäftigt, als das Problem der Religion und der Religionen. In der Religion erlauschen wir den Herzschlag der Menschheit. In reichen Bibliotheken stehen kostbare Bücher an Bücher gereiht, in denen Ideen mit Ideen kämpfen, Religiönsideale und Geistesoffenbarungen sich, ablösen und Religionsphilosophien für ibmer neue Auffassungen ein treten — einem toten Religionsparlamente von Folianten und Bänden zu vergleichen, — zum ersten "Male aber in der Weltgeschichte fand i. J. 1893 bei Gelegenheit der Weltausstellung in Chicago dort ein wirklicher Religions congress statt, an dem Bekenner sämmtlicher Glaubensbekenntnisse sich persönlich gegenüber standen, um in friedlichem Gedankenaustausch Auseinandersetzungen zu pflegen. Die mannigfachen Synoden und engeren Concile, die. mehr im Schoosse der einzelnen Confession'en oft getagt, reichen an die stattliche Chicagoer Versammlung nicht heran Unserem, unter dem Zeichen des Verkehrs stehenden Zeitalter war es vorbehalten, Männer aus so verschiedenen Ländern und entfernten Erdtheilen sich an einem Cohferenztisch zusammenfinden zu lassen. Aus sämmtlichen Ländern Europas, aus Egypten, Indien, Japan, China und Brasilien, den Vereinigten Staaten kamen hier Priester und Gelehrte, Prediger und Apostel zusammen. Die Gläubigen des Judenthums, des Christenthums in allen Schattirungen, des Islam, des, Hinduismus, des Buddhismus, Taoismus, Shintoismus, Vertreter der Lehre äes Confucius und Zbrqaster und vieler abzweigenden und neueren Religionen. Die Religionen, die sich oft hochmüthig ignorirt oder bitterlich, befehdet haben, reichten sich die Hände, von der* Schroffheit' und Feindseligkeit schien man nichts mehr, zu wissen;. friedsam und einträchtig sassen hier zusammen: "Der Rabbiner im Talar und der purpurbekleidete KardinaJ, ■. der griechische Erzbischoff im goldgestickten-Prachtgewande und hoher Mütze, neben dem japanischen Hohepriester im weissen Kleide, Buddhistenpriester mit glattrasirten Köpfen, und regenbogenfarbigen Mänteln, den Fächer in'., der Hand, schwarze Negerbischöfe, Chinesen im blauen- Ornat, die Gelehrten Hindus neben den Europäern im Frack und schwarzen Rocke — es war ein farbenprächtiges irrid physiognomiereiches Bild. Der Religionscongress ist verhältnissmässig. wenig beachtet und wenig gewürdigt worden. Zum Theil mag dies an Aeusserlichkeiten des '' amerikanföchefr. Arrangements gelegen haben, das nach dem Gesch'maeke jenes Landes einen Stich ins reklamehaft-pompö'se hatte- und ein. theatralisches Schaugepräge vermuthen Hess, das manche Elemente abkühlen und abschrecken "musstet Und doch war der Congress, dessen Wichtigkeit und Wirksamkeit darum nicht, überschätzt zu werden braucht, ein durchaus "ernstes Unternehmen. Zwei ahre lang hatte' Dr. Barrows, d,em die kühne Idee zu danken war, und der sie_ in meisterhafter Organisation zur That werden liess, an dem .Zustandekommen gearbeitet, unterstützt von dem Vorberalungskomitee, das aus Vertretern von „ 16 verschiedenen Religiohsges.elJschaften. und Sekten zusammengesetzt Viar. Viele Autoritäten, an -ihrer Spitze der Papst, hatten ZuslftamUngsäus'serungen "gesandt, und mit ^echt konnte von alleji Seiten darauf hingewiesen werden, dass ein solcher Congress ein natürliches und in seiner symptomatischen Bedeutung nicht zu unterschätzendes Product und Zeichen unserer Zeit sei! .Ein Blick auf die Strömungen und Erscheinungen unserer reformrascheTi Epoche und auf die . einschlägige Litteratur lässt den starken inneren Drang unserer Zeit nach religiöser Einigung.'wahrnehmen, das Wort Ethik: als Religionsextract ist ein beltebtes Schlagwort in jedermanns Munde; freireligiöse Gemeinden,. Vereine für ethische Kultur, igidysche Bestrebungen für einiges Christer^hum. als Neuestes eine Religion des Geistes, urrd andere-ähnliche, oft kurzebige Programme, die einer neuen "Weltreligion vorzuarbeiten glauben, sifi3~toeflisseh, die in der Luft liegende Neigung nach allerlei peubilddngeh und Neu-Modellirüngen religiöser Wahrheiten .aufzufangen; und auch die streng

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