Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1895
- Issue
- März
- Date
- 1895-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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selbe als einen, nicht von Christus, spndern von den Aposteln eingeführten Gebrauch, und die Quäker halten die Wasser' taufe überhaupt für schriftwidrig. So hätte denn die Religion das YYasse/. welche es' so hoch erhoben hat, wieder von seinem Thron gestürzt, und seiner natürlichen Bestimmung überlassen. Der Muhamedaner, welcher wohl auch Reinigungsvorschriften besitzt, kennt allerdings den idealen Standpunkt der andern Religionen nicht oder ignorirt ihn. und darf bei gewissen Gelegenheiten aus Mangel an Wasser sogar Sand anstatt desselben gebrauchen. t rWenn ihr kein Wasser habt, heisst es im Koran, so nehmt feinen, reinen Sand und reibt euer Gesicht und eure Hände damit; Gott will euch damit keine Last aufbürden, sondern euch reinigen und seine_ Gnade an euch vollbringen, auf dass ihr dankbar werdet."') Denselben Gebrauch linden wir, in einem etwas beschränkteren Sinne auch bei den Juden und den Parsen. Die Ersteren dürfen in Ausnahmefällen ebenfalls Sand ge? brauchen, denn es heisst: .er reinigt sich mit dem Sande und hat dann genug gethan*): während die Letzteren sich die Hände mit Sand reiben, um sich zu reinigen, wenn sie in der Einsamkeit auf einen Leichnam gestossen sind und kein Wasser haben. Selbstverständlich ist das alles symbolisch gemeint, und ein jeder kann es auslegen nach seiner Art. Symbolisch sind auch die Phylaktrionen'1), symbolisch die Gebeträder und Rosenkränze4), symbolisch die Verehrung bildlicher. Darstellungen heiliger Persönlichkeiten und Handlungen, und symbolisch tausend andere religiöse Verrichtungen, denenin den meisten Fällen viel mehr Wichtigkeit beigelegt wird als der Religion selbst. (Fortsetzung folgt.) Ein offenes Wort. Vormehralszwei Jahren, bevordie Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem eröffnet war. wurde in diesem ges 'nützten Blatte von verschiedenen Seiten lebhafte Propag^ da für ».) Sura 5.' , . -I Beracho'th •1) Das sind viereckige, aus Pergament geformte Kapseln, Welche während des .Morgengebets an-Wochentagen am linken Arm und an der Stirn befestigt werden. Sic dnthaltön auf Pergamentröllchen geschriebene Sehriftstellen unter atidern auch die Worte V. M. C,4; Höre Israel, der Herr unser Gott i*t ein einziger'Gott. Und Du sollst den Herrn Deinen C.ott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit Deinem ganzen Vermögen, l'nl diese Worte, welche ich Dir gebiete, sollen in Deinem Herzen sein und Du sollst sie binden zum Wahrzeichen an Deiner;Hand, und sie solled sein zum Denkband zwischen D.-inen Augen." H> 4| Die Gebeträder der Buddhisten siud cylinderfiirmig, leicht beweglich und in- und auswendig mit oilner. Bekenntnissformel vielfach beschrieben, i Sie stehen in deu Vorhallen der Hituser, wo sie von jedem Eintretenden zur BegrÜssung gedreht, oder an andern Orten, wo sie vom Winde oder vom Wasser bewegt werden. Sie gelten als Sinnbilder des im endlosen Kreislauf - unstät rollenden Lebens. 8ie existiren in jeder Grösse und man kann sie in der Hand tragen wie die Rosenkranze, die ebenfalls zu ähnlichen Zwecken dienen, und vielleicht vom Morgenlande aus Aufnahme in der christlichen Religion gefunden haben. In der katholischen Kirche werden sie als Andachtsdbung gebraucht, wobei eine Anzahl von Vaterunser nach an einem Faden gereihten KOgelchen abgebetet wird. Errichtung einer Altersversorgungsanstalt und eines Logenwaisenhauses gemacht..; •'• i » Da die Errichtung dieser beiden Institute ein Kapital von mehreren Hunderttausend Mark-erforderte, so nahm ich an. dass ein Theil dieses ''.Kapitals bereits vorhanden sei und das Fehlende ohne allzu grosse Schwierigkeit beschafft werden könnte. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wollte ich die von mir geplante Anstalt in Ahlem, nachdem die vorher projektive Vereinigung mit dem Deutsch-Israelitischen Kinderheim abgelehnt war, der Grosslöge.überleben, vorausgesetzt, dass dieselbe ausser dem. von . mir für die/sen Zweck ausgesetzten Kapital von - 200 OOP Mk. eine Summe von 100 ooo Mk. der Anstalt zuwenden .würde. Bei den alsdann eingeleiteten Verhandlungenerfuhr ich. dass «nicht die Grossloge, sondern die. Kinzeflogeri -über die für Altersversorgung und Waisenerziehung erforderlichen Gelder, zu verfügen hätten.- . "• \ -„"... In der Grosslogensitzung vom Februar 1S93, an deren Vorbesprechung Herr Alphons Jacobson und ich-theilnahmen, wurde die von mir für nothwendig erachtete Summe nicht bewilligt, trotzdem der geplanten Anstalt allseitig die wärmsten Sympathien bezeugt Wurden. Dagegen wurde das General-Comitc autorisirt, mit mir weiter zu verhandeln. W enige Wochen später hatte, ich ,Tuch das Vergnügen, den hochw. Grosspr.. Herrn Dr. Majelzki. bei mir zu sehen, und war es mir vergönnt, ihm das noch im Bau begriffene Hauptgebäude zeigen zu Tsünnen. Trotz des auf beiden Seiten vorhandenen guten Willens war es' nicht möglich, die Verhandlungen zu dem ersehnten Ziele zu führen, wahrscheinlich, weil die Grosslöge nicht im- Stande war, die erforderlichen Geldmittel zu beschaffen. ■■*' ■*.'."• * ■■■*,' ' -? - ' - v'-'j * Nachdem ich die Leberzeügung gewonnen hatte, dass eine förmliche l'ebertragung am den Orden, oder die Grossloge nicht ausführbar! war., entscliloss ich mich, die Isra^ elitische Erziehungsanstalt in-Ahlem einer öffentlichen Stiftung oder einem Vereine zu überfragen, um als'dann nach allseitiger Genehmigung der Staubten die staatlichen Korporations-, rechte für .dieselbe zu beantragen. . Zu diesem Zwecke mussten natürlich die Statuten erst entworfen;-werden, Von den Schwierigkeiten, i welche, hierbei zu überwinden waren, kann sich nur einer voll denjenigen Herrerj. einen Begriff machen, welche bei dem Entwurf mitgewirkt haben. Bei dem Mangel genügender "juristischer Kenntriisse sowohl, wie sachlicher Erfahrung in solchen. Angelegeahciten, war ich natürlich auf die Mithülfe. erfahtener^Männer angewiesen. Trotzdem ich. seit einer, Reihe ..von Jahren im In- und ' ■ ■ v ■ -i ■ .-. - » . ,- •» ' Auslande zahlreiche jüdische .und christliche Erziehungsinstitute und Waisenhäuser besucht und nuch eingehend über deren Ziele und Einrichtungen irvfofmirt_ habe, ist-mir, doch kein einziges jüdisches Institut bekannte, dessen .Ziele und Statuten ich mir hätte als, Norm dienen lassen können. — Mein Grundgedanke,' auch nach' dem Scheitern der Hauptverhandlungen, zwiscHen-dem Orden und der Anstalt möglichst innige Beziehungen anzuknüpfen, 'und die Anstalt selbst nicht zu einem lokalen, sondern zu einem allgemeinen jüdischen Wohlthätigkeitsunternehrrien zu gestalten, auch die Schwierigkeit, bei Wahrnehmung des religiösen Charakters, die liberalen Glaubensgenossen dafür zu ihleressJren. hat erst" nach vielfachen mündlichen und schriftlichen Auseinandersetzungen und persönlichen Konferenzen mit hervorragenden