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Bericht der Großloge für Deutschland · 1895-03-01 · März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1895
Issue
März
Date
1895-03-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Wem er im Sturme die bewegten Wellen toben und ' scbäumer sah. wenn er sah. wie das Meer in der Sturmfluth unaufhaltsam, wie von Furjen getrieben, aus seinen Grenzen trat und meilenweit um sifch her alles zerstörte, und wenn er den mächtigen Strom vom hohen Felsen mit DfJnnergeroll ins tiefe Thal hinunterstürzen sah, ist es zu verwundern wenn, o ine die Ursache dieser Erscheinungen zu kennen in, ihm c er Glaube erwachte, dass in die&em Toben und Rasen si( h vielleicht der Zorn eines höchsten Wesens kund thut. das« sich in dem leisen, plätschernden-Spiel der Wellen seine besänftigende Stimme äussert, ocjer dass e% am End gar in dt m Wasser seinen! Wohnsitz hat ' Diese mächtige Naturerscheinung hat sieb der .Mensch nach und nach dienstbar zu machen gewusst. so wie sich die Noth vendigkeit dazu herausstellte. Er hat es zufallen mögliche 1 Dingen im täglichen Leben'verwendet, und als sich seine wohlthuende und wohlthätige Macht herausstellte haben di^ ersten Religionsstifter nicht ermangelt, es eben " falls zu ihren Zwecken zu verwenden und es mit in ihre Verordnungen hineinzuziehen, welche ein*n sehr wichtigen Platz in jhren .heiligen'Schriften einnehmen. W orin wir die vielen Vorschriften über die verschiedenen Waschun jen lesen, dann n üssen wir denken, dass es sich nu um eine peinliche Reinigung des Körpers handle, aber wir haben sei lon bei -dem Opf;r der rothen Kuh gesehen, dass ihre Asche zum Sprengw isser verwahrt worden ist. um in verschied?nen Fällen Ehtsündigungen damit vorzunehmen daher ditse Waschungen'?ine mehr symbolische Bedeutung hatten. - j ■•■ . , ' Im I entaieuch wird ginz genau beschrieben, auf welch , Arr»und Weisse diese Rei ligungen' vorzunehmen sind, wo auch zug eich.empfohlen wird: ..sein Fleisch mit tliessendem Wasser /U baden,•• Bei dieser Verordnung blieb es aber nicht, uni es wurde nach und nach -in ejn ganzes System gebracht,' welches sogar bei den Essäern noch lange nicht seinen Höhepunkt erreicht hatte. Aber ich beschränke mich auch hier nur darauf, zu j eigen, dass dasselbe Ritual auch vonXichtjuden mit. derselbe:!Peinlichkeit ausgeführt worden ist Schoi bei den Aeg/ptern linden wir die häufigen Waschun >en. die sich in ier Tha| nur auf' Aeusserlichkeit bezogen :u haben scheinen. Sie kleideten sich nur in Leinen 'welches immer sauber u'evi-aschen sein musste. Besonders die Priesier röussfen sich m Laufe des Tages zweimal und ebenso o t in der Nacht-vaschen.1) . Einen anderen Gebrauch nimmt das Wasser bei den Parsen ai: —' die Reinigungen, des Leibes machen einen wichtigen Tiieil ihrer Ceremonien aus, und sie. ist ihnen zugleich;in Bild der innei n Reinheit des Herzens. Befindet sich aber ein Parse im Z.i stände der Unmöglichkeit in Absicht der Reinigung, so ist eine aufrichtige Reue des Gesetzes Erfüllung, und ein Gebet aus Demuth und Reinheit des Herzens ersetzt alle äussern Ceremonien.2) Die Lpbgesänge über das „Wasser im Ze^d-Avesta sind ebenso hoch und mannigfal ig wie die vom Feuer. Ausserdem haben sie auch zwei gehjeiligte Wasser: -— Zur -^"K'raft — und Horn. Jenes wind aus gewöhnlichem Wasser unter mancherlei Cere- >) Herodot, Buch 2, K. 37 2) Kleuker, L«?hrbegri1f der Parsen S. 49, 50. 16 — - monien und Gebeten um Mitternacht bereitet und beim Gottesdienst verwendet. Horn ist der Saft des heiligen.Hombaumes, daher das Wasser des Lebens und der Unsterblichkeit. Die Reinigungen bei allen religiösen Handlungen der Hindus sind ebenfalls sehr genau in ihren Gesetzbüchern ') vorgeschrieben. Das Hauptmittel der Reinigung ist meist Waschen und Baden. Heilige Teiche sind zu diesem Zwecke zahlreich angelegt, am höchsten gilt das Baden im heiligen Ganges, oder — man nimmt Wasser in den Mund, berührt eine KuJj, die als Symbol der zeugenden Naturkraft heilig ist: oder — man sieht in die Sonne.2) Ausser dem Ganges giebt es noch einen andern heiligen- Fluss, der noch eine viel grössere Bedeutung erlangt hat als dieser, es ist — Der Jordan. Er ist -den Juden heilig, und eine halbe Stunde von seinem.Austritt aus dem Antilibanon befindet, sich die Jakobsbrücke, wo der Patriarch, dessen Namen sie führt; nach' seiner Rückkehr aus Mesopotamien'mit seinen Söhnen übergesetzt sein soll. Und er istf den Christen heilig, nicht blos weil Johannes der Täufer seine Gläubigen in seinen Fluthen nach der Gewohnheil der Essäer getauft hat, sondern weil sich' dort das erste Wunder des Christenthums offenbarte. Man zeigt noch die mit einer Felswand umschlossene Stelle, wo Christus die Taufe empfangen haben soll, und wo, als er darauf aus dem Wasser stieg, sich der Himmel über ihm aufthat. und der Täufer den Geist'Gottes, gleich als eine Taube, herabfahren und über ihn kommen sah.1) — Die ältesten Christen hielten es daher für ein besonderes Heil, in seinen Wassern die Taufe zu empfangen: ja das Jordanwasser wurde nach Europa gesandt, und hier wurden mit demselben hohe Personen getauft, wie sich noch heute aus gewissen Gründen fromme Juden ein Säckchen Erde aus dem heiligen Lande kommen lassen, um sie sich nach ihrem Tode in ihr Grab legen zu lassen. „■ 1 . Wer hätte denken sollen, dass dieser Brauch einmal aufhören würde! Aber wie alles im Leben einem steten Wechsel unterworfen ist, so musste auch hier eine Wandlung eintreten. Der Jordan tliesst zwar noch immer in demselben Bette wie vor Tausenden von Jahren: kein Tropfen von dem Wasser von ehemals ist in ihn* geblieben, er fliesst immer ruhig weiter und ergiesst sich endlich in das tote Meer. Man legte in der Folge weder ihm, noch dem Wasser überhaupt eine besondere Kraft bei; der Gebrauch desselben wurde nur noch als ein Symbol, als eine blosse religiöse Form betrachtet. Man hielt das Untertauchen im Jordan oder in irgend einem andern Wassef nicht mehr für absolut nöthig und ein einfaches Besprengen mit demselben genügte schon zur Taufe und als Zeichen der Entsündigung, der Wiedergeburt und zur Aufnahme in die christliche Kirche. Allerdings stimmen die verschiedenen Anhänger des Christenthums mit 'den Formen, der Taufe nicht überein.-. Schon die lutherische und die katholische Lehre weichen ii - i * ■! ron einander ab. und die reformirte hat wi«der eine andere Ansicht. :, Die Arminianer hielten überhaupt die Kindertaufe nicht für nothwendig, während die Wiedertäufer dieselbe als Menschensatzung betrachten. Die Socinianer betrachten die- ') Manu 5, 57. 2) Wuttke, Gesch. d. Heidenth. 2, 878. 1 V-, Matth. 3, 16. '!

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