K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Bruno Weil: Spielarten des Antisemitismus
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 11)
- Language
- German
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Spielarten des Antisemitismus. 141 Da taucht als wol bekannter Typus der Rekrut Kohn oder Levy auf. Er ist das enfant terrible der Kompagnie. Er spricht mit den Händen und kann die Kniee nicht durchdrücken, ist pfiffig durchtrieben, wenn'er sich vom Dienst drücken kann, dummschlau, wenn er Rede und Antwort stehen soll, schmutzig, so schmutzig, pfui! und so gesinnungslumpig. Er heißt Kohn. Allerdings. Darum muß er ja der Ausbund aller Untugenden sein; er ist Soldat, wie der Soldat nicht sein soll. Aber er heißt Kohn oder Levy, das sagt alles. Danach kommt Nummer 2: Der Herr Kommerzienrat. Er heißt zur Abwechslung Veilchenberg oder Nelkenöl, anderswo auch Rosenstock. Heil ihm dem edlen Mann! Er trägt saubere Wäsche, an den Händen glänzen ihm schätzbare Brillantringe, von der Brust leuchtet ihm das edle Gestein, eine dicke goldene Kette schlingt sich ihm um den umfangreichen Leib. Lächelnd kommt er daher gegangen, erzählt uns, dem Publikum, daß er eben ein feines Geschäft gemacht habe, und daß er sich ja alles (Herz, was begehrst du?) leisten könne, auf ein bischen Betrug oder Wucher kommt es ja nicht an, wenn nur Gottes Segen in Form von viel, viel Geld sich einstellt. Denn dafür kann er j^-80 vieles haben: Weihwasser, Titel, Orden und Ahnen, Schwiegersöhne und die Gunst hoher Herren. Heil darum dem Geld, seinem Gotte, Heil 1