K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Bruno Weil: Spielarten des Antisemitismus
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 10)
- Language
- German
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r. Bruno Well. \ Es gibt eine große Anzahl gebildeter Menschen, die das Variete kurzer Hand und rundweg ablehnen. ■ Es läßt sich über die Berechtigung dieser etwas herben Anschauung streiten. Aber das ist unbestritten, daß die Heiterkeit der Tingl-Tangl- Muse vielen nach des Tages Arbeit willkommener ist wie eine klassische Oper oder ein guter Roman. Darüber schimpfen darf man; ändern wird man nur langsam und schwerlich. Trotzdem hat sich in die Darbietnngen der Spezialitätenbühnen viel Oede eingeschlichen, und die Monotonie des ewig desselben steht im Misvefhältnis zu den Wünschen des Publikums nach immer Neuem. Ohne übertriebener Empfindlichkeit sich schuldig zu machen, hat man als Jude im Variete häufig genug Geleg^pheit, blutrot vor Scham zu werden, und Verlegenheit und Mitempfinden geraten in Streit, wenn man die öden, plumpen Bajazzolieder des Antisemitismus von der Bühne herunter verkünden hört. Die Träger von Tendenz sind im Variete die N Chansonette imd der Komiker. Ich bin beiden recht zugetan und darum keineswegs voreingenommen. Aber man gehe doch einmal in irgend ein Variete, höre sich den Humoristen an und sage» ob nicht in seiner Person dieselben thörichten Späße, die die Witzblätter bringen, parodiert auferstehep.