K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 24)
- Language
- German
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Oie Entwicklung der Ostjuden. 1OT stehen vorläufig recht schwache auf dem Gebiete des Dramas gegenüber. Aber es ist dies eine Armut, die den künftigen Reichtum schon ahnen läßt. Bis vor wenigen Jahren gab es überhaupt noch keine jüdischen dramatische Dichtungen im Volkssinn dieses Wortes, aber eine Vollbühne auf der in jüdischer Sprache gespielt wurde. Wie die jüdische Sprache vom Mauscheln, so ist diese ostjüdische Bühne vom westjüdischen Tingeltangelbrettl zu unterscheiden. Letzteres, das in Budapest und Wien zu Hause ist, ist eine Pflegestätte des Mauscheln und der Mauschelzote, eine Stätte garstister Selbstverhöhnung. Die Bühne der jüdischsprechenden Juden aber in Amerika, Galiziern und Kumänien — in Russland war sie bis vor einigen Monaten durch fast zwei Jahrzehnte verboten — ist die Bühne eines Volkes, dessen Theatersinn echt ’ t und stark, wenn auch noch derb, ja manchmal roh ist. Noch zeigte sich kein dramatischer Stern am ostjiidischen Dichterhimmel, noch beherrschten Abraham Goldfaden, ein Mann, der die jüdische Bühne sozusagen aus dem Boden gestampft, ein unermüdliccher 'Vorkämpfer 4er jüdischen Theateridee, ein ausgezeichneter Direktolr und Regisseur, sogar ein ansehnlicher Lyriker, aber ein Sehr, «Pkr «»hWhtnr rirnmntiUny imrl «mim»— Nachtreter, das Repertoir als ic^r schon das neue Drama prophezeite. Ich sagte mir: Dieses theaterhungrige Volk, das so große Schauspieler hat, daß