K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 23)
- Language
- German
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106 Nathan Birnbaum. Uebrigen kommt gerade im jüdischen Kleide seine köstlichste Gabe, der Humor, zur vollsten Geltung. Viel weiter ist der feinste jiddische Erzähler, J. L. Perez, gekommen, der seine meisten Sachen hebräisch und jüdisch schreibt. Ich fijr meine Person glaube, daß sie sich, wenigstens die volkstümlichsten unter ihnen, im jüdischen besser lesen und ich habe daher auch den jüdischen Text der von mir veranstalteten Uebersetzung ausgewählter Stücke zu Grunde gelegt. Man wirft Perez vor, daß sich sein Jüdisch zu sehr von der Volkssprache entferne. Nun, in den rein realistischen Geschichten gewiß nicht, und in den sinnenden, vielleicht manchmal zu viel betrachtenden, Erzählungen auch nicht viel weiter, als dies in anderen Schriftsprachen Regel ist. Das kleine Plus ist durch die Jugend der Sprache als Schriftsprache reichlich erklärt. Haß man seinen Erzählungen noch etwas zu viel das fremde Muster anmerkt, ist allerdings 'wahr. Diesbezüglich ist ihm Sch. J. Avramowitz (Mendele Mocher Sforim), der tiefste und epischeste jüdische Erzähler, sowie L. Spector weit voraus. In diesem Zusammenhang muß ich noch den Meister jiddischen Humors J. Rabinowitsch (Scholem Aleichem) erwähnen, dessen köstlichen Skizzen sich am meisten durch ostjüdische Echtfärbigkeit auszeichnen. Den verhältnismäßig reichen Erfolgen auf dem Gebietender erzählenden Dichtung und der Lyrik