K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 16)
- Language
- German
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Die Entwicklung der Oatjuden. •9 nabe daran für deh Ausdruck Sprache zu stimmen. Mit Rücksicht auf das überwiegend deutsche Sprachmaterial möchte man sich dagegen wieder eher für den Ausdruck Dialekt entscheiden. Doch, ob so <gler so,—in jedem Falle hatte das jüdische Idiom der deutschen Juden keine reiche Entwicklung. In den vielen Jahrhunderten seines ' Bestandes ist es nicht weit über seine utsprünglicUe Gestalt herausgekommen. Das geistige Leben des Volkes bewegte sich eben zwischen den vier Wänden der Tradition und diese schrieb für die Niederschrift der Gedanken die talmudische und hebräische Sprache vor. Wol zeigten sich Ansätze zu einer Literatur auch im jüdischen Idiom, zumeist zu Gebetszwecken für Frauen, dann aber auch manche Versuche dichterischer und erzählender Produktion. Aber es war so wenig und so bedeutungslos, und das Wenige und Bedeutungslose fand noch obendrein einen jähen Abschluß, als sich die Ghettotore öffneten. Eine jähe Rückentwicklung setzte ein, und wir sehen heute das jüdische Idiom im Westen nur noch in kümmerlichen Resten, oft bis zu einer leichten Nuance des deutschen Sprechens und Aussprechens, dein Mauscheln oder-Jüdeln verflüchtigt Auf diPHP« Mnuaoholrv odnp -Jiiilwln Iriffl die Bezeichnung Jargon beinahe zu. Wenigstens insoferne wir es nicht mehr mit einer selbständig lebenden, den ganzen sprachlichen Verkehr befrie- 7*