K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 17)
- Language
- German
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■ f 10Ö Nathan Birnbaum. digenden Sprache, sondern nur mit einem Schma- / rotzer an der Landessprache zu tun haben, dem natürlich jede eigene Ausdehnungs- und Entwicklungsfähigkeit fehlt. r Nun ist aber das Idiom der östlichen. Juden von diesem Mauscheln unendlich weit entfernt, so sehr auch der westjüdische Zuhörer geneigt sein mag, beide für identisch zu halten. Während das Mauscheln den Endpunkt einer nur in der Entartung lebhaft gewordenen, früher unendlich trägen Entwicklung darstellt, ist das Ostjüdische von heute überreich an Entwicklungskeimen und selber das Ergebnis einer stetigen und glücklichen Entwicklung. Als nämlich im Mittelalter in Deutschland ein großes Judenschlachten war — ähnlich etwa dem, wie es uns vor Kurzem Rußland schaudernd miterleben ließ, flüchtete ein großer Teil der deutschen Juden nach dem Osten, in die von Russen, hauptsächlich aber von Kleinrussen und Polen bewohnten Gebiete. Sie nahmep ihren jüdisch-deutschen Dialekt mit. Hier aber, in der nichtdeutschen Umgebung von der lebenden Einwirkung des Deutschen ganz abgeschlossen, vpn slavischen Sprachquellen gespeist, und doch gegen die Verslavung durch den alten ererbten jüdischen Geist und den deutschen Wortschatz geschützt, — gingdas Jüdische seine eigenen, ganz anderen Wege, als im Westen. Allerdings waren' es lange Zeit