K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 15)
- Language
- German
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98 Nathan Birnbaum. . v unmittelbar erfaßte der ererbte Geist den Sprachstoff und gestaltete ihn um, indem er teils direkt hebräische und tahnudische Wörter an Stelle deutscher setzte, teils hebraisierende und talmudisierende Redewendungen einführte. Als Beispiel speziell der letzteren Methode möchte ich anführen: Die vielbespöttelte Gewohnheit der in eine Frage gekleideten Antwort, dann die Wiederholung dfes Zeitwortes wie geien geit er, sogen sogst du, schreiben schreibt er, endlich das Relativum „wos“, welches vollständig im Geiste hebraisiert ist, wie etwa die Wendung: „Di Stodt, wos er wojnt in ihr“, zeigt. Man sieht, daß dieses eigentümliche Produkt aus der jüdischen Seele und dem jüdischen Schicksal, als welches sich das jüdische Idiom schon in seinem Ursprung im mittelalterlichen Deutschland, darstellt, jedenfalls nicht ein Jargon genannt werden darf. Nifr darüber kann man streiten, ob es auf die Bezeichnung Sprache Anspruch bat oder sich begnügen muß, Dialekt genannt zu werden. Wenn man bedenkt, daß der Dialekt begrifflich die Durchbrechung^, der Spracheinheit zu Gunsten fremder Sprachenelemente ausschließt, immer nur eine heimische Variante, eine innere Differenzie- _ Jung ist, wie dae ja z. B. au den deutschen Dialekten, dem bairischen, fränkischen, schwäbischen, sächsischen so deutlich hervortritt — so ist man