K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 13)
- Language
- German
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96 Nathan Birnbaum. wechslung mit dem allgemeineren Begriffe „jüdisch“ vorzubeugen. Diesen Zweck erreicht man allerdings auch, wenn man einen anderen^ vom Westen ihr aufgedrungenen Namen gebraucht und sie Jargon, schlechthin den Jargon nennt. Allein diese Bezeichnung führt zu einer vollständig ungerechten Beurteilung des Sprachwertes des Jüdischen. Mit dem Worte Jargon bezeichnet man sonst die Summe jener eigenartigen Redewendungen und Wörter, welche eine durch irgend welche soziale Verhältnisse zusaminengebrachte, oft auch nur zusammengewürfelte Gruppe, aus Korpsgeist oder um von Gruppenfremden nicht verstanden zu werden, gebraucht. Es gibt einen Jargon z. B. der Gauner, der Matrosen, der Studenten. Gewiß ist auch ein solcher Jargon nicht einfach Sache der Erfindung, sondern hat seine Entwicklung. Aber Sprache ist er deshalb nicht. Es fehlen ihm die Hauptbedingungen einer solchen: Es ist keine ethnische, keine Volksgesamtheit, die ihn spricht, und er dient nicht dazu, den ganzen sprachlichen Verkehr der Volksgenossen abzuwickeln. Die begrenzte Gruppe, die ihn gebraucht, spricht nicht i fa n , sondern die allgemeine Sprache des Volkes, die sie nur auf ihre Weise verdirbt. Er kann selbständig, für sich ohne die Anrankung an irgend reine Sprache gar nicht bestehen. Erlist nicht selbe r Sprache, sondern einfach Schmarotzer an irgend