K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 12)
- Language
- German
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Oie Entwicklung der Ostjuden. 96 r neuen Zeit, Aber die Töne dringen nicht ganz zu uns, sie klingen wie aus der Ferne hallend. Und nun kann kein Zweifel mehr sein. An der Sprache muh es liegen, daß sie wohl der Lyriker nicht aber der Epiker zwingen kann. Es muß ein Lebensdefizit in ihr sein, welches der Dichter im Bereiche seiner Persönlichkeit überwindet, gegen da9 er aber, sein Genius mag der stolzeste sein, im Bereiche des äußeren Lebens machtlos ist. Wenn dieses äußere Leben, dieses lärmende, hastende, unruhvolle Leben des Ostjuden int Neuhebräischen nicht in seiner vollen Stärke, sondern nur wie ein Echo seiner selbst, dumpfer und ärmer klingt) — so wohl nur deshalb, weil die Sprache eben nicht mitten in diesem Leben steht. Ihr dumpferer Lebensklang ist nichts Anderes als der Zoll, den sie dafür zahlt, daß sie nicht dem normalen Sprechbedürfnisse entspringt daß sie leben darf, ohne gesprochen zu. werden. Aber die östlichen Juden haben eine zweite eigene Sprache, die'nicht nur von einem immerhin kleineren Volksteile geschrieben und gelesen, sondern fast vom ganzen Volke gesprochen wird. Diese zweite Sprache heißt im Munde der Ostjuden selbst sowie der Völker, unter denen sie wohnen, einfach die jüdische. Wenn man von der Llte]nftir öieaer SprantiA sprüht «mpfioMt ee skh einer englischen Uebung folgend, statt jüdisch „jiddisch“ zu sagen und zu schreiben, um der Ver-