K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Entwicklung der Ostjuden. derzirkeln ihr Unwesen treiben, sind sie wenig gefährlich. Kein Ernster nimmt sie Emst. In der neuhebräischen Literatur, die in einseitig intellektualistisch vorgezüchteten Volksschichten entstand, der daher das Zeitalter ursprünglichster Naive gänzlich mangelt, muhten sie lange Zeit ernst genommen1 werden. Doch endlich wurde auch das überwunden. Einer der Ersten, der wieder den Namen eines hebräischen Lyrikers verdiente, war Jehuda Gordon. Doch war auch er noch nicht frei von mancher unpoetischen Geberde und vor allem war seine antitraditionelle Tendenz zu grell, um nicht die dichterische Wirkung zu beeinträchtigen. Aber seit Gordon ist es immer besser geworden. Die hebräischen Reimschmiede müssen sich jetzt ebenso wie ihre .Berufsgenossen in anderen Sprachen in allerlei Winkel verkriechen, um ihr unverständiges Publikum zu finden, während wahre lyrische Künstler ewige Werke schaffen. So weit ist die Entwicklung gediehen, daß man getrost behaupten kann: Was Lyrik betrifft, steht die neuhebräische keiner europäischen Literatur , nach. Nirgens ist die Form mehr gehegt, nirgends mehr Seele veratmet, Und neben den einfachsten, ewig menschlichen Motiven sind die modernsten Stimmungen, Empfindungen und Gedankeninbrünste verarbeitet. Zwei Namen ragen unter den Zeit-~ genossen hervor: Ch. N. Bialik in erster Linie, und dann Saul Tschernichowski.