K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 33)
- Language
- German
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Gesellschaftliche Stellung der Juden. 79 heitlich empfinden. An die Juden richtet er sich aber besonders deshalb, weil diese Bewegung sich gegen sie selbst richtet. Def Appell an die Anderen, an die nicht Angegriffenen, hat naturgemäß nicht zu einem solchen Erfolge geführt, wie es notwendig gewesen wäre. Der an die Aüsgesperrten muß mehr Erfolg haben. ' Oben ist gesagt, daß es den Juden nur schwer gelingt, an den maßgebenden Stellen Fuß zu fassen, dort bekannt zu werden, und sie von der Albernheit der antisemitischen Bewegung zu überzeugen. Ist es also dienstlich nicht'‘möglich, durch die Tat den Antisemitismus zu bekämpfen, so muß dies außerdienstlich versucht werden. Ich verlange keine Assimilation. Ich würde aber Eines mit Freuden begrüßen: Wenn jeder Jude im Stolze seines Wertes den Versuch machen würde, den Nichtjuden, mit dem er gesellschaftlich zusammenkommt, durch die Tat, nicht allein durch das Wort, zu überzeugen, wie wenig Grund für die viel gepredigte Abneigung vorhanden ist, daß keine Differenz und kein Haß bestehen kann. Die deutschen Staatsbiiiger jüdischen Glaubens dürfen sich nicht zurückziehen, sie müssen an diesem liberalen Gedanken der Ausgleichung weiter arbeiten. Sie dürfen nicht .auf dem Standpunkt stehen, dem Standpunkt der Selbstanbetung, welcher da lautet: Was sind wir doch für tüchtige Kerle! Die Zwingburg des übertriebenen Nationalismus muß err-