K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 27)
- Language
- German
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Gesellschaftliche Stellung der Juden. 78 zweifelhaft sein: Es ist die prinzipielle und kritiklose, soweit wie möglich gehende Zurücksetzung im freundschaftlichen (außerdienstlichen) Verkehr seitens der Nichtjuden gegenüber den Juden, mit ' denen er im anderen Falle gesellschaftlich verkehren würde, verkehren wollte. Die oben gemachten Erörterungen deuten an, daß eine ziemliche Uebereinstimmung zwistdien Staat und Gesellschaft bestehen muß. Es ist aber die Frage, wer der beeinflussende Teil ist. Hier erhellt ohne weiteres, cfaß der Staat das Gesellschaftsleben beeinflußt und nicht umgekehrt; der höhere Zweck muß den biederen in seine Gewalt bringen. Dennoch aber |^t hier ein Unterschied. Im Staate sagt das geschriebene Gesetz, daß keine Unterdrückung bestehen dürfe, in der Gesellschaft, sagt ein ungeschriebenes Gesetz, daß eine Zurückhaltung notwendig sei. Wo ist die Lösung? Richard Wagner — wenn ich nicht irre — sagte einmal sehr .schön: Ein Volk wird von all denen gebildet^ die eine Not gemeinsam empfinden. Ist also der Staat Selbstzweck, sind also die Bürger lediglich Träger des Staatsgedankens, so müssen alle Bürger alle Kräfte zur Erhaltung des Staates, zur Erhaltung ihrer selbst einsetzen. Das sind ihre Pflichten. Haben sie aber gleiche Pflichten, so haben sie gleiche Rechte. Ausgeschlossen kann nur der werden von den Rechten, der seine Pflicht nicht oder nicht in zureichendem Maße