K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 28)
- Language
- German
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74 Walter Oraetzer. <. erfüllt Warum aber wird der Jude vom Staats- -lelren und von der Gesellschaft ausgeschlossen? 12. Urcachen, Veranlassung, Vorwand. Der gesellschaftliche Abschuß, den zu leugnen niemandem einfallen wird, beruht einmal darauf, daß man die gebildeten deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens aus den erörterten Gründen in fast gar keine maßgebenden Stellen hereingelassen hat. Sie sind beruflich, vor allen Dingen in Norddeutschland, lediglich auf die Karriere des Anwaltes und des Arztes und auf die niederen Richterstellen beschränkt. In der Technik finden wir selten in den übrigen Berufen überhaupt keinen Juden. Die Karriere ist völlig aussichtslos geworden für ihn. Damit schon ist dem unsinnigen Einwande begegnet, die Juden wollten in diese pekuniär weniger ertragreichen Stellen nicht hinein. Sie werden eben prinzipiell und kritiklos zuriickgewiesen. Hieraus folgt unweigerlich, daß es gar keine Gelegenheit und keine Veranlassung zu näherer Bekanntschaft, zu irgend einem Verkehr außerhalb des Berufszweiges.gibt. Der Jud4 kann gar keine freundschaftlichen Beziehungen anknüpfen. Wie schon angedeutet, haben die maßgebenden Kreise, d. h. also diejenigen, welche die höheren Stellen innehaben, ein Interesse daran, möglichst wenig Bewerber' um diese Stellen aufkommen zu lassen. Der von ihnen gezüchtete Antisemitismus