K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Alfred Goldschmidt: Geschichtsunterricht und jüdische Schüler
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- section
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4862473-6435523--249-4862703- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 Alfred Goldschmldt. nicht, daß der vierjährige Kampf um Jerusalem ein heldenmütiger Todeskampf gewesen ist, der die Bewunderung der ganzen Welt verdiente, wir hören nicht, wie Päpste, Könige, Stände und Pöbel die Juden auf das schmählichste mißhandelten und in tiefster Finsternis bewußt erhielten, auch nicht, welch’ bewunderungswürdiger passiver und gelegentlich auch, wo es möglich war, aktiver Widerstand geleistet wurde, und wie der Tod zumeist der Taufe und der damit verbundenen Rettung vorgezogen wurde. Hat es nicht den Anschein, als ob der unpassende Widerstand gegen die christliche Religion alle „Gottesgerichte“ rechtfertigte? Und daneben wurde uns klar, daß „Jude“ ein' Schimpfwort geworden war! Und weiter half uns die Literatur -unsere ^Empfindungen herunterzerren. Wo kamen Juden als Helden vor? Im besten Falle Jud Süß in der gleichnamigen Erzählung yon Hauff.' Selbst bei so wolmeinenden Leuten wie Gustav Freytag konn- ‘ ten wir unsere Herzen erfreuen an den Figuren in „Soll und Haben“: an dem Wucherer Ehrenthal, an Schmcie Tinkeles, in dem braven gehaßten schwächlichen Bernhard, an dem Schmoök der „Journalisten“. Der ehrliche Moses in Reuter’s „ „Ut mine Stromtied“ war schon ein ganz besonderes Labsal. Mit gehörigen Abstand und mit Ehrfurcht aber wollen wir die^geistige und Charakter-